Samstag, 29. September 2012

Wiederbelebungsversuch


Livestreaming vom heutigen Abend in Madrid:

icbcn on livestream.com. Broadcast Live Free

Empfehlenswert und wohltuend für alle, die unter einem üblen Hangover leiden, weil sie sich heute auf einer der unsäglichen deutschen, unsäglich deutschen "umFAIRteilen!"-Demos in Lebensgefahr begeben und dort möglicherweise zu Tode gelangweilt haben.

Selten so etwas Unlebendiges erlebt, so viel zwänglerisch ge- und von oben verordnete, verschubladisierte, verscheuklappte, Sprechblasen-klopfende, Schablonen-produzierende, wichtigtuerische und jegliche Spontaneität abtötende Selbstbeweihräucherung.


Und Fahnen. Nichts als Fahnen. Fahnen, so weit das Auge reicht. Aus dem gewerkschaftlichen Lautsprecherwagen dröhnte Abba, zwecks Stimulierung der Massen. Waterloo, my ass. Worum ging es? "Wir fordern faires Umverteilen." Von wem? Keine Ahnung. Wir? Ich nicht.

Nach einer halben Sunde trat ich die geordnete Fahnenflucht an und ging das größte Eis meines Lebens essen. Kluge lebensrettende Maßnahme. Madrid, du hast es besser.

Kommentare:

  1. Genaus nehme ich das auch wahr. Danke! Schon der Aufruf zum Umfairteilen wirkt mehr wie eine Enladung zu einem Evant (fein durchorganisiert für einen "Erlebnistag") als Ausdruck von Empörung und Wut über eine ungerechte Gesellschaft. Ähnlich sahen die "Demonstrationen" in der ehemaligen DDR aus, nur eben nicht so auf "Evant" getrimmt, obwohl, schon da gab es zur "Demonstration" zum 1. Mai (mit vorgegebenen Losungen auf den Plakaten) die kostenlose Bratwurst und das anschließende Familienfest.
    Der Kapitalismus ist niemals fair, aber er feiert sich auch auf solchen Veranstaltungen - Alibi für die zur hohlen Floskel verkommene Meinungsfreiheit.

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    1. Oh Frau Lehmann, Balsam auf meine demo-geschundene Seele! Ja, Empörung und Wut sehen anders aus, wenn sie aus einem wirklich empörten, wütenden Menschen herausbrechen, der den Zerstörungswillen des Kapitalismus am eigenen Leib erfährt und nicht im Traum auf die Idee kommt, ihn, den Kapitalismus, um ein bisschen mehr Fairness zu bitten.

      "Der Kapitalismus ist niemals fair, aber er feiert sich auch auf solchen Veranstaltungen - Alibi für die zur hohlen Floskel verkommene Meinungsfreiheit." That's it. Braver, rechtschaffener, geordneter fahnenschwingender Protest(?), der sich selber auf die Schulter klopft, "du, wir waren gestern auf der Straße" und gehen jetzt, mit uns selbst zufrieden, zurück zur Tagesordnung, "liebe Kolleginnen und Kollegen".

      Aber das Eis war lecker, auch ohne Bratwurst ;)

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    2. Die Bratwurst gabs ja auch nur in Thüringen ;)
      Ja. Das nennt sich dann "Kultur", in diesem Falle Demonstrations"kultur" deutscher Coleur, die, wie ich vor Monaten in einem Zeit-online-Artikel lesen durfte, von einem Japaner im Kampf gegen die Atomenergie als vorbildlich importiert werden wollte. Der vielsagende Titel dieses Artikels denn auch: "Das gelobte Land"(Deutschland). Ich wusste nicht so richtig, ob ich darüber lachen oder weinen sollte, denn u.a. kam darin auch ein Spanier zu Wort, der sich erfreut darüber äußerte, dass nun endlich in Spanien der Arbeitsmarkt a la Germany "flexibilisiert" werden würde.
      Das Volk Spaniens ist aufgewacht und zeigt bewunderswerten Mut.
      Das deutsche Volk schläft den Schlaf des "Gerechten", so scheint es mir, voller Danbarkeit für "Mutti", dass die schrecklichsten Auswirkungen der Krise (zu Recht) in Griechenland und Spanien etc. ausgebadet werden, denn "wir" sind immer und ewig vorbildlich tugendhaft und fleißig (Am deutschen Wesen soll die Welt genesen)... Man beißt ja schließlich die Hand nicht, die einen füttert, so viel Zivilisiertheit muss schon sein...(Ironie aus)
      Real ist: Ich BIN wütend.


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  2. Ohne Bullen!? Wasn los!? Ach,die lieben BRÜDER & SCHWESTERN Gewerkschafter trinken Kaffee uff de Gass!! Na dann!!
    Gruss Kay


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  3. Die rote Fußgängerampel auf deinem Foto finde ich Klasse! Sie hat so etwas von Revolution und Bahnsteigkarte :)

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  4. Wie kommt ihr eigentlich auf Bratwurst?
    Hey, ich hab's immerhin 1 Stunde ausgehalten. Krieg ich jetzt ein Glas Senf?

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  5. Übrigens ließ verdi-Bsirske bei der Abschlusskundgebung wissen, dass hiermit der SPD-Wahlkampf eröffnet sei. Na, da wissen wir doch wenigstens, wofür wir gestern - in aller Fairness - auf die Straße gegangen sind :).

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