Donnerstag, 20. September 2012

Nur mal so als Frage




Ich weiß nicht. Mich verstört es zutiefst, im Jahr 2012 solche Zeitschriftentitel zu sehen. Solche Fragen, von Journalisten gestellt, zu lesen. Vor allem solche Antworten auf solche Fragen zu lesen:

Weil, man kann ja über den Faschismus sagen, was man will, bitte, gern auch gegen den Faschismus, selbstverständlich, aber eins muss man ihm doch lassen, bitte, immerhin hat der Faschismus die Arbeitslosigkeit in den Griff bekommen, oder? Wird man ja wohl noch sagen dürfen. Muss sich also keine Regierung der Welt schämen, sich aufs Innigste mit Kapitalinteressen ins Bett zu legen.
Faschismus sollte richtiger Korporatismus heißen, weil es sich um eine perfekte Verschmelzung von Staats- und Unternehmensgewalt handelt.
Benito Mussolini, 1883-1945

Das propagandistische Sperrfeuer schreitet voran, vom Befeuern des in sich widersprüchlichen "Freier Markt"-Paradigmas hin zu einem Befürworten von brutalem Autoritarismus als Heilmittel für dessen Versagen.
naked capitalism
Ich weiß nicht. Selbst mit hartgesottenstem Zynismus weiß ich mir nicht zu helfen. Es verstört mich einfach. Zutiefst, wie gesagt.

Update:
Asche auf mein Haupt. Soeben lese ich, dass ich einer Parodie ("spoof") aufgesessen bin; einem gefaketen Titelbild, das mich so sehr an die Realität erinnert hat, dass ich es mit letzterer verwechselt habe. Also eine überaus gelungene Parodie, weshalb es mir schwer fällt mich zu schämen, dass ich ihr auf den Leim gegangen bin.

Kommentare:

  1. Hitler war Vegetarier, Nichtraucher und lieb zu seinen Schäferhunden, das muss man auch mal positiv hervorheben.
    Auch Zynismus hilft einem nicht mehr, man wird heutzutage immer wieder unangenehm überrascht.
    (Mein erster Gedanke bei solchen Geschichten ist immer, dass das wohl Satire sein dürfte, um mir anschließend, "Häh?", verwundert die Augen zu reiben.

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    1. Vergiss es. Die Realität ist der Satire meilenweit voraus.

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  2. Nein, Frau Mop, Du musst Dich nicht schämen. In einer Welt, in der die Satire ständig von der Realität überholt wird und Kabarettisten wie Pispers, Schramm, Sparwasser, Rether, etc. kein politisches Kabaret mehr machen sondern die Nachrichten des Tages verlesen, während in den Fernsehnachrichten tatsächlich Satire betrieben wird, kann man trotz abgeschlossenem Studium und einem Haufen Lebenserfahrung schon mal die Orientierung verlieren.
    Wichtig ist die Erkenntnis, dass dias Titelbild in dieser Zeit reell durchaus vorstellbar ist - und dass es genug ähnlich verstörende Titelseiten gibt, die eben nicht als Satire gedacht sind.

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