Dienstag, 30. April 2013

Der Mai, der Marx und die Merkel


Morgen ist ja der erste Mai, besser bekannt auch als Internationaler 

Nachdem die Maibaumpatin Angela Merkel am späten Nachmittag bereits die Feiertagslaune anfachte, indem sie die folgende Stimmungskanone zündete:
"Wir wollen sichergehen, dass Europa aus dieser Krise stärker hervorgeht als es in sie hineingegangen ist. Im Zuge dessen muss jedes Land seinen Teil dazu beitragen."
- worauf die arbeitslosen Menschen (namentlich jene im Alter von 15 bis 25 Jahren) im Süden Europas in einen hysterischen Lachkoller verfielen, von dem sie sich zur Stunde noch nicht erholt haben, was befürchten lässt, dass sie sich morgen den ganzen Tag auf der Straße kollektiv vor Lachen wälzen werden, 


- kann ein zusätzlicher stimmungshebender Impuls 
am Vorabend nicht schaden. 

Montag, 29. April 2013

Ach Alter, mein Ego


Heiliger Strohsack.

Immer wieder frappierend, mit welch gigantischer Bugwelle manche Leute unterwegs sind, auf dass die Meere sich ehrfürchtig teilen und ein roter Teppich sich vor ihnen entrollen möge, um dann trockenen Fußes jenen Olymp der Genialität zu erklimmen, der - so ihre tiefste, komplexfreie Überzeugung - bereits die ganze Zeit auf sie und nur auf sie gewartet hat.

Gut, noch hat dieser Berg sie nicht gerufen. Was schon mal eine Unverschämtheit von dem Berg ist (gemeint ist jener Berg, der, wenn er denn kreißt, einen Nobelpreis gebiert). Okay, einem wie dem ollen Einstein mag man die Honneurs noch relativ neidlos gönnen, der ist ja auch schon eine Weile tot und überhaupt. Aber jetzt ist da so ein Typ im Gespräch - im gleichen Alter wie der Bugwellenreiter -, dem eventuell der Nobel-Orden ans Revers geheftet werden soll:
Bob Dylans Bedeutung für die populäre Musik ist mit Einsteins Rolle in der Physik vergleichbar. Seit 1996 wird er jedes Jahr für den Literatur-Nobelpreis nominiert - eine Wahl, die von immer mehr Dichtern und Wissenschaftlern unterstützt wird.
- nicht nur von Dichtern und Wissenschaftlern, sondern auch von Politikern mit ambitioniertem Karrieredesign: Als Festredner darf der legendäre, bislang nobelpreislose Daniel Cohn-Bendit (68) eine Hommage auf den legendären, nobelpreisverdächtigen Bob Dylan (72) anstimmen. Was an dem sogenannten (ehemals) roten Dany legendär sein soll? Dumme Frage: dass er sich selbst für legendär hält. Reicht doch. Nobelpreisverdächtiger Titel seiner Reverenz an den Musiker:
Daniel Cohn-Bendit
"Bob and I: The Saga of a Generation"
Ach ja, der Bob und ich, plaudert wehmütig die alternde Legende,
im Kielwasser des berühmten Sängers paddelnd, aber gedacht hat sie vermutlich: Ich und der Bob, oder vielmehr: Me, myself and I and that Bob, also: Ich, ich und nochmal ich und dann noch dieser Bob, und wenn dieser Bob nicht wäre, dann wäre ja schon längst ich an der Reihe gewesen und hoffentlich haben das jetzt alle gemerkt, dass ich dem Bob mal locker das legendäre Wasser reichen kann, weshalb ich mich kurzerhand zum Ordensträger in spe erhöhe und schon mal probeweise meine eigene Laudatio halte, weil, der Bob und ich, ich und der Bob, Sie verstehen.

Es sollen ja schon Leute im Kielwasser ihrer eigenen Bugwelle ersoffen sein. Und haben es noch nicht mal gemerkt.

Samstag, 27. April 2013

Unter Geiern


Heute basteln wir uns eine aktuelle Schlagzeile. Zum Beispiel so:
Deutschland auf dem Vormarsch
Klingt schon mal gut. Aber zu unspezifisch. Vielleicht eher so:
Deutschland startet Feldzug in den Süden
Schon besser. Obwohl, Feldzug und Deutschland, kommt vielleicht nicht so gut. Dann halt so:
Deutschland startet Feldzug ohne Blutvergießen
Klingt schon viel sympathischer. Jedenfalls das mit dem ohne Blut. Nur, Feldzug, das hat halt schon so ein Gschmäckle. Vor allem bei denen da unten im Süden. Dann schreien die alle gleich wieder, und der Herr Schäuble muss sich wieder furchtbar aufregen. Wo es doch Deutschland bloß gut meint. Mit denen da unten. Im Süden Europas. Undankbares Pack. Aber gut. Wie wär's mit
Deutschland schickt Hilfstrupp in Krisenländer Südeuropas?
Gottogott, bloß nicht, das glaubt doch keine Sau mehr, das mit der Hilfe, auch nicht mit Fragezeichen. Überhaupt, was heißt schon "Deutschland"? Wer ist Deutschland?
Deutsche Unternehmer stehen Krisenländern bei
Könnte man so stehen lassen. Klingt nur einen Tick zu altruistisch - bitte, wo leben wir denn, wenn nicht im Kapitalismus? Da muss doch niemand sich seines gesunden Eigeninteresses schämen, Deutschland schon gar nicht und deutsche Unternehmer erst recht nicht. Also, immer raus mit der Sprache:
Deutsches Unternehmertum wittert Morgenluft 
Na bitte, geht doch. Klingt positiv, klingt nach Aufbruch in neue Zeiten, klingt irgendwie dynamisch. Hat aber noch nicht das Zeug zur perfekten Schlagzeile, denn es fehlt das Wo und Warum und das ganze Drumrum. Weil, man will ja wissen, worum es geht.

Ach was. Wir nehmen jetzt einfach die Original-Schlagzeile:
Deutsche Firmen nehmen Investment in krisengeschüttelten Ländern ins Visier
So, geschafft, jetzt ist es raus, und wir müssen mit dem Rest nicht hinterm Berg halten:
Deutsche Unternehmen richten ihren Blick auf Südeuropa, denn Befürchtungen eines Auseinanderbrechens der Eurozone klingen ab, und die Wirtschaftsreformen verwandeln die krisengeschüttelte Region in einen attraktiven Standort, um erneut zu investieren.
Wie, attraktiv? Ja sicher, wirtschaftlicher Niedergang plus galoppierende Arbeitslosigkeit macht in der Summe: attraktiv. Verführerisch. Nachgerade aufreizend.
Was Südeuropa so reizvoll macht, sind die Vorteile, die aus jenen strengen Austeritätsmaßnahmen und Reformen erwachsen, auf die die Politiker der Eurozone, allen voran Deutschland, gedrängt haben als Gegenleistung für finanzielle Bailouts.
Reformen, welche? Na, diese:
... die Arbeitsmarktreformen, zu deren Implementierung die Bailout-Länder gezwungen wurden - das 'Hire-and-Fire'-Prinzip zu erleichtern und die Lohnkosten zu senken - ...
- also das, was die Rezession vertieft und die Depression verschlimmert und die Suizidraten erhöht und die Verzweiflung gesteigert und die Krise fest etabliert hat, all das ist unterm Strich: attraktiv. Fürs deutsche Unternehmertum, Abteilung Mittelstand:
"Für finanziell gut aufgestellte deutsche Mittelstandsfirmen entpuppt sich die Krise als günstige Gelegenheit."
Heißt: In Ländern wie Spanien, Portugal und Griechenland können marode Firmen vergleichbarer Größenordnung zu Schnäppchenpreisen aufgekauft werden. Da heißt es zugreifen, bevor andere es tun:
"Da ist Bewegung in diesen Ländern. Worauf sollen wir noch warten? Darauf, dass alle anderen das ebenfalls mitkriegen? Wir wollen mit von der Partie sein, wenn sich etwas bewegt, und wir wollen mitspielen dabei."
Also, bloß nichts anbrennen lassen -
"In vielen dieser Länder herrschen fürchterliche wirtschaftliche Strukturen, vom deutschen Standpunkt aus gesehen. Im Moment stellen wir fest, dass der Zusammenbruch dieser Strukturen für uns in diesen Ländern Chancen eröffnet."
- sondern zuschlagen:
"Spanien gerät zurück in den Fokus, insbesondere vor dem Hintergrund fallender Lohnstückkosten ..."
- sowie, selbstredend, vor dem Hintergrund rasant steigender Arbeitslosigkeit.

Da geht noch was, in diesen Ländern, da geht noch ganz viel für unternehmerisch versierte deutsche Spähpanzer, ähm, Spürnasen. Ganz ohne Blutvergießen. Aber mit viel Gewinnaussichten.

Keine Ahnung, wieso mich beim Lesen des Artikels dauernd der tierische Assoziationsbereich streifte. Typisch Hyänen, dachte ich, aasfressende Raubtiere, stürzen sich wie wild auf alles, was dem Untergang geweiht ist. Es gibt eine Hyänengattung, die fällt blutrünstig sogar über noch zuckende, lebende Organismen her, um das frische Fleisch nach Herzenslust auszuweiden. Alle Hyänensorten sind bekannt für ihren besonders fein ausgebildeten Geruchssinn; sie riechen von weitem, wo es etwas zu fressen gibt. Charakteristisch an Hyänen sind ihre markanten, an Gelächter erinnernden Laute, um ihren Artgenossen mitzuteilen, dass sie Witterung aufgenommen haben.

Es heißt, das Wesen von Hyänen stehe - übertragen auf die menschliche Gattung - für Gefräßigkeit, Gier und ungehemmten Egoismus ohne jegliche Skrupel. Das ist aber falsch. Es steht
schlicht und einfach für Kapitalismus.

Donnerstag, 25. April 2013

Los Indignados



Mir scheint, in Madrid wird es gerade ein wenig ungemütlich.

Livestream


Update:


Die Männer von der Straßenreinigung


Griechische Polizisten bei "Aufräumarbeiten" (O-Ton Ministerpräsident Samaras) auf nächtlicher Straße, unter freundlicher Hilfsbereitschaft von Bürgern in Zivil (dunkle Kleidung, kräftig gebaut):

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Die Polizisten setzen einen Immigranten fest. Er ist an der Seite eines Autos bewegungsunfähig gemacht worden. Sie ohrfeigen ihn. Sie versetzen ihm Tritte. Sie ohrfeigen ihn erneut. Sie schlagen ihn mit Trotz, mit Hass. Es bestand keine Notwendigkeit zur Anwendung solcher Gewalt. Er versuchte nicht zu entkommen. Er hat keinerlei Waffe bei sich. Sie verhaften ihn.
Polizisten der Gruppe mit den Motorrädern haben einem anderen Immigranten Handschellen angelegt. Irgendein Polizist nimmt ihn in den Schwitzkasten und schleift ihn buchstäblich zu dem Streifenwagen. Sie schlagen ihn. Sie gelangen an der Tür des Streifenwagens an, dort nähert sich einer der ihnen gefolgten Uniformträger und beginnt mit den Tritten und Ohrfeigen. Einfach so, grundlos. Einfach so, zum Spass.
Einfach so. Nur zum Spass. Weil es so schön aufgeilt. Weil es tiefe Befriedigung verschafft,  als schlagkräftige Truppe - im Schutze der Dunkelheit - einen einzelnen, unbewaffneten, wehrlosen Menschen zu überfallen und zu misshandeln. Da kocht des feigen Faschisten Blut 
vor sadistischer Lust.

Um wen es sich bei den hilfsbereiten Bürgern in schwarzer Zivilkleidung - meist junge männliche Muskelpakete - handelt, 
darüber gibt dieser Film Auskunft. Auch darüber, was die griechische Regierung, in Tateinheit mit den parlamentarischen Muskelpaketen, unter "Straßenreinigung" versteht:


Mittwoch, 24. April 2013

Juckt doch keine Sau



Ein schönes Bild.

Ein Bild der Ruhe und der Gelassenheit.

Ein schönes Bild, das lauter spricht als tausend schöne Worte.

Ein Bild der Abwesenheit und des Desinteresses.

Ein Bild von einer Anhörung im US-amerikanischen Kongress.

Thema der Sitzung: Langzeitarbeitslosigkeit.

Anzahl der erschienenen Abgeordneten: Einer.

Anzahl der langzeitarbeitslosen Amerikaner: 4,6 Millionen.

Ein Abgeordneter interessiert sich für 4,6 Millionen Arbeitslose.

Who cares?

Oder, wie man in Europa - bei 19 Millionen Arbeitslosen - sagt:

Wen juckt's?

Montag, 22. April 2013

The Ghana Groove


Bin ja ein schwerer Fan der Blues Brothers und springe jedem ins Gesicht, der behauptet, die beiden hätten es nicht drauf.

Also, nichts gegen die Blues Brothers.

Aaaber ...


... Ghana rocks London