Freitag, 18. März 2011

Reaktorsicherheit im italienischen Eimer


Starker Tobak. Wie aktuell zu lesen ist,
"... veranlasst die italienische Regierung die dringende Evakuierung von 120.000 minderjährigen Mädchen aus der unmitttelbaren Nachbarschaft des veralteten Reaktors Silvio Berlusconi."
Wurde auch langsam Zeit. Haben doch in jüngster Zeit die schadstoffhaltigen Emissionen des grenzwertigen italienischen Premierministers die zulässigen Grenzwerte fürs moralisch Akzeptable eindeutig überschritten.

In einer Eilmeldung via Rundfunk kündigte Italiens Innenminister Roberto Maroni Sofortmaßnahmen an:
"'Wenn Sie unter 20 Jahre alt, vollbusig, blond, naiv oder vielleicht einfach nur ein gerissenes kleines Luder sind, dann sind Sie in Gefahr! Zu Ihrer Sicherheit werden wir in den nächsten 24 Stunden Kleinbusse durchs Land schicken, um Sie einzusammeln und mindestens 150 Kilometer aus dem Umkreis von Silvio Berlusconi zu entfernen. Dabei empfehlen wir Ihnen, sich angemessen zu kleiden, Ihren Eltern Bescheid zu sagen und mit den Behörden zu kooperieren - allerdings nicht in der Weise, wie es Silvio gern hätte.'"
Wie verlautbart wurde, erschien die Evakuierungsmaßnahme dringend notwendig, seit der 75-jährige Berlusconi Anzeichen von gefährlicher Überhitzung gezeigt habe:
"'Diese alte Reaktoranlage hat sich als Potenzkraftwerk überraschend lange gehalten', sagte Maroni, 'aber in den letzten Jahren hat seine Außenfassade beträchtlichen Aufwand an teuren, jedoch letztlich wenig überzeugenden Reparaturarbeiten erfordert. Im Gegenteil, seine Instandhaltung verschlang immer größere Mengen des politisch hochgiftigen Treibstoffes Bunga Bung-A - einzig mit dem Ziel, weiterzulaufen wie bisher.'"
Es werde befürchtet, dass die erwartbare endgültige Kernschmelze von Berlusconi zu unberechenbaren Kettenreaktionen sexueller Natur führen könnte, die sich im weiteren Umkreis des Reaktorgeländes unheilvoll entladen würden.

Zur Vorbeugung habe der Innenminister bereits ein Team von hochqualifizierten Sexklempnern entsandt, um längst überfällige Kühlungsprozeduren an dem alternden Premier vorzunehmen.

Letzterer habe verstärkt im Kreuzfeuer der Kritik gestanden wegen seines armseligen Sicherheitsstandards, seiner ineffizienten Leistungen sowie seiner Neigung zu Fehlkalkulationen aller Art.

Wie der italienische Innenminister betonte, sei die momentane Reaktorsicherheit als äußerst risikobehaftet zu betrachten und des Reaktors Störungsanfälligkeit mit dem Begriff 'Restrisiko Berlusconi' nur unzulänglich umschrieben.
"Stellen Sie sich vor, Berlusconis überhitzte Brennstäbe würden nach all den Jahren schlussendlich versagen, dann würde die daraus resultierende Explosion ein riesiges Machtvakuum hinterlassen - weiß der Herrgott, wie kontaminiert wir dann enden würden! Womöglich schlimmer als nach einer seiner berüchtigten nächtlichen Kabinettsitzungen."
Mädels, steigt in den Bus.


(Quelle: Das wie üblich gut unterrichtete britische Satiremagazin NewsBiscuit)

Donnerstag, 17. März 2011

Saxophon Beats Security


Tu, was du für richtig hältst.

Tu es, egal, was die anderen sagen.

Tu es, solange du noch am Leben bist.

Tu es einfach.

Lebe.

"He's too saxy for these places.
Too saxy for these places.

(via Coilhouse)

Zwei Hunde in Japan





Mito, Ibaraki in Japan. Nach dem Tsunami.

Zwei verlorene, aber überlebende Hunde.

Der eine ist verwundet.

Der andere bewacht und beschützt ihn.

Manchmal ist Weinen das einzige, was bleibt.

Mittwoch, 16. März 2011

Einfach mal abschalten


Merkel heute früh im Deutschlandfunk (zum Paragraph 19, Absatz 3, Ziffer 3 des Atomgesetzes bezüglich der vorübergehenden Abschaltung der Kernkraftwerke):
"Wir gehen davon aus, dass die rechtliche Grundlage eine rechtliche Grundlage ist."
Erwähnte ich schon, dass ein Moped nichts anderes als ein Moped ist?

Die Frau muss dringend mal abschalten.

Montag, 14. März 2011

Dem Lenin sein Moped


Sprache an sich ist ja etwas Schönes, Sprachverarmung hingegen ein eher unschönes Phänomen. Wo doch unsere Sprache für alles und jedes ein prägnantes Wort bereit hält und damit besonders die mündliche Kommunikation so sinnstiftend wie schmückend bereichert.

Nun gibt es jedoch Situationen, wo das Schmückende den Kommunizierenden sonstwo vorbeigeht, und wo gerade das Sinnstiftende nach wenig elaboriertem Duktus und möglichst knappen Sätzen verlangt. Alles andere liefe in solchen Situationen auf Ressourcenverschwendung hinaus. Ein typisches Beispiel ist die Situation des Renovierens eines Ladenlokals; wo also ein bestehendes Chaos über den Zwischenstatus des Sekundärchaos gezielt in den Endzustand der frisch gestrichenen Neuordnung transformiert werden soll. Das Ganze bei maximaler Zeitknappheit, was schon für sich ein effizientes Kommunizieren via knapper Sätze rechtfertigt.

Kein Wort zu viel, hieß also am Wochenende die Devise. Als hilfreich hat sich der Gebrauch von Schlüsselwörtern erwiesen; Wörter also, die mit einem Schlag jedem Beteiligten klar machen, worum es geht; Wörter, die umgehend Reaktionen auslösen; Wörter, die dem Handwerkelnden den zeitraubenden intellektuellen Prozess der Wortfindung ersparen. Aber eben auch Wörter, die aussagekräftiger und plastischer rüberkommen als das traditionelle Dingsda.

Im vorliegenden Fall hieß das Schlüsselwort: Moped. Und zwar kurz ausgesprochen, so als ob es mit zwei P geschrieben wird. Mir persönlich war dieses Wort völlig neu (sofern seine Bedeutung über die eines motorbetriebenen, stinkenden, lärmenden Zweirades hinausgeht). Aber obwohl ich noch nie zuvor etwas davon gehört hatte, habe ich das Moped seit diesem Wochenende unverzüglich in meinen aktiven Wortschatz aufgenommen.

Es ging schon am Freitagabend los mit der pragmatischen Sprachverhunzung. Denn um am Samstag die Decke streichen zu können, mussten am Freitag alle zu Dekorationszwecken von der Decke hängenden Objekte - Liebhaber-Segelflugzeuge, schmiedeeiserne Kerzenhalter, antike Kinderfahrräder, ein monströser goldener Putto und einiges mehr - abgenommen werden.
"Kann mal einer die ganzen Mopeds von da oben runterholen?" Das war Freitagabend, und da guckte ich noch ziemlich begriffsstutzig.

Ab Samstagmorgen fing ich an, mich an die Entkomplexisierung der deutschen Sprache zu gewöhnen. Fragte mich einer nach "dem Moped da drüben", wusste ich sofort, es kann sich nur um Pinsel, Spachtel oder Malrolle handeln, im Einzelfall auch um einen Hammer. Reichte ich statt des gewünschten Schleifgerätes irrtümlich die Bohrmaschine rüber, hieß es: "Nein, ich meine das andere Moped!", und der Fall war klar.

Später, als ich auf dem rollbaren Bistrotisch stand, um die Deckenbordüre zu streichen, ging mir ganz selbstverständlich von den Lippen: "Kann mal einer mein Moped weiterschieben?" Ohne weiteres überflüssiges Wortvergeuden wurde ich geschoben.

Irgendwann maulte ein Streicher:
"Kann mal einer das Moped (=Radio) ausmachen?"
"Wieso das denn?"
"Weil ich dieses blöde Moped (=Musik von Modern Talking) nicht mehr hören kann."
Alternativ wurde eine CD mit dem Köln Konzert von Keith Jarrett eingelegt. Als die Stelle kam, wo der Pianist seinen Kopf gegen den Flügel schlägt, entfuhr es einem der Streicher: "Mann, das ist ja 'n Moped!", wobei unklar war, was er genau damit meinte - den Flügel, den Kopf oder den musikalischen Geniestreich -, aber alle waren sich einig, dass der Streicher recht hatte und das Köln Konzert mopedmäßig gut zum Streichen passte.

Weil das Renovierungswochenende im Zeichen des Frühlings stand, blieb die Eingangstür meist geöffnet, obwohl der Laden geschlossen war, was manchen Frühlingsspaziergänger veranlasste, neugierig das Chaos zu betreten. Sehr zum Gefallen von Fräulein Jekyll, die das Gefühl bekam, endlich auch etwas zu tun zu haben: Genervt von all den Räum- und Renovierungshyperaktivitäten beschloss sie, jedem unbefugten Betreter ihres Reviers die Hölle heiß zu machen. Respektvoll wichen die Eindringlinge zurück.
"Huch. Wie heißt denn das Hundchen?"
Antwort: "Moped."
Als wenig später aus anderen Gründen Fräulein Jekyll ein wenig renitent wurde, hieß es:
"Wer geht mit dem schwarzen Moped Gassi?"
Fräulein Jekyll fühlte sich aufgewertet.

Natürlich gab es auch befugte Betreter (sprich Stammgäste), die daran zu erkennen waren, dass das schwarze Moped vertraulich an ihnen hochsprang und jegliches Randalieren unterließ. Einer von ihnen musterte mich und fragte:
"Ich kenne Sie gar nicht, sind Sie neu hier?"
und bekam höflich zur Antwort:
"Darf ich bekannt machen, das ist die Mrs. Moped."
Merke: Ein Moped sagt mehr als tausend Worte.

Am Sonntagabend schließlich war es Zeit, all die Mopeds wieder an die frisch gestrichene Decke zu hängen. Ein besonders rares Sammlerstück wurde vom Chefsammler aufsehenerregend kommentiert:
"Das ist das Original-Dreirad vom kleinen Lenin! Ich schwör's."
Es folgte eine spannend erzählte Räuberpistole, wonach ein russischer Gast vor Jahren das hölzerne Raumschiff des längst verblichenen Politpromis dem Chefsammler als Geschenk verehrt habe. Die Sache ist nicht verbürgt, klang aber geschichtsträchtig.

Der Jüngste in der Renovierungs-Combo - offenbar zu jung, um russische Revolutionäre zu kennen - machte runde Augen und fragte: "Lenin? Nie gehört. Was soll der denn für'n Moped gewesen sein?" Die ältere Generation machte rollende Augen und gab Geschichtsnachhilfe. Der Junior pfiff beeindruckt durch die Zähne, sagte: "Nee, echt jetzt? Ist ja voll der Wahnsinn!", und fuhr fort:
"Schickes Moped."

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Dem Lenin sein Moped

Samstag, 12. März 2011

No, we can't




Vielleicht müsste es korrekt heißen: "We could."

Bloß weil sie etwas reparieren können, heißt ja noch lange nicht, dass sie es auch wollen.

Kennt man ja.

Zum Beispiel von Leuten, die irgendwann mal gesagt haben: "Yes, we can!"

Freitag, 11. März 2011

Herzblut


Im Deutschlandfunk wurde heute früh schwer deutschgerockt. Nach der Berichterstattung zur Verabschiedung (gestern abend) des bisherigen Verteidigungsministers wurde die "unkonventionelle" musikalische Untermalung des Acts gewürdigt: Smoke On The Water - eine echte Herausforderung für ein traditionell auf Marsch- und Blasmusik getrimmtes Orchester.

Als ich hörte, wie der Deep-Purple-Klassiker in voller Länge vom Bundeswehrorchester heruntergeschrammelt wurde, fiel ich gepeinigt aus dem Bett.

Noch vor dem ersten Kaffee flüchtete ich mich zum Original, wo das Herzblut in die Musik fließt und nicht, wie beim Verabschiedeten, am Amt hängt:
"Wohl niemand wird leicht, geschweige denn leichtfertig das Amt aufgeben wollen, an dem das ganze Herzblut hängt, ..."
Wenn das Herzblut erstmal hängt, hat es zu pulsieren aufgehört. Da nützt alles Marschieren nichts.


Bundeswehrorchester, ab nach Montreux!