Samstag, 7. Juli 2012

Die Margarinisierung des globalen Wachstums



Heute schon etwas Leckeres aufs Brot geschmiert? Geschmiert bekommen? Etwas, wo Sie dachten "mmh, schmeckt das fein, das kauf' ich mir jetzt öfter, das schmeckt ja fast wie..."? Nein? Nehmen Sie den neuesten Brotaufstrich aus dem Hause IMF und lassen Sie sich die mehrfach ungesättigten Fettsäuren der Marke Lagarde auf der Zunge zergehen, am besten unter Hinzufügen von ein wenig Hirnschmalz, dann geht Ihnen das folgende runter wie Öl:
Der IMF reduziert seine Prognosen für globales Wachstum.
In anderen Worten: Vor nur drei Monaten waren noch die fetten Jahre (3,5 Prozent globales Wachstum) vorhergesagt worden; ist so leider nicht mehr haltbar, jetzt muss was Fettreduziertes her.

Wie, Sie hätten bereits die ganze Zeit beschwören können, das Zeug schmeckt wie Margarine, wollten sich aber nicht die Butter vom Brot nehmen lassen? Ein Blick auf die Zutatenliste hätte Sie gelehrt, dass nicht nur das Streichfett, sondern auch Sie manipuliert wurden.

Das ganze globale Ding, enthüllte Lagarde gestern, drohe 2012 den Bach runter zu gehen ("tilted to the downside"), weshalb der in zehn Tagen zu veröffentlichende IMF-Bericht zur Einschätzung der Weltwirtschaft dringend eines "Updates" bedürfe:
"Die Aussichten auf ein globales Wachstum werden etwas weniger sein als wir vor drei Monaten antizipierten. Und selbst diese reduzierte Hochrechnung wird davon abhängen, ob die Politik zu den richtigen Maßnahmen greifen wird", sagte sie in einer Rede am Freitag.
Streichzarte, kalorienreduzierte Worte ("etwas weniger") aufs Butterbrot geschmiert, wie hat sie das jetzt gemeint?
Sie lehnte es ab, ins Detail zu gehen.
Na dann. Aber wenn nach dem kurzen Zeitraum von nur drei Monaten der IMF-Aufstrich bereits sein Verfallsdatum erreicht hat, darf man sich schon mal wundern, wie rasant schnell sich der Zustand der Weltwirtschaft verschlechtert hat, oder anders formuliert, wie lange die für das Eingeständnis brauchen, dass eben nicht alles in Butter ist.

Und jetzt, kann ich jetzt bitte endlich mal Butter haben, einfach Butter, ganz normale Butter - muss nicht aufs Brot sein, am besten bei die Fische:


Bildquelle: BoingBoing

Donnerstag, 5. Juli 2012

Katholen in der Klemme


Heiliger Strohsack, auch das noch:
Der Vatikan vermeldet sein schlimmstes Haushaltsdefizit seit Jahren,
- nämlich gotteslästerliche 19 Millionen Dollar und wird demnächst mit dem Klingelbeutel durch die Lande ziehen müssen. Denn wie es aussieht, zeigt der Herrgott keinerlei Absicht, dem Mann mit den roten Schuhen aus den roten Zahlen zu helfen; es wurde noch kein gnädig aufgespannter Rettungsschirm am Himmel gesichtet, sodass es wohl, früher oder später, auf ein irdisches Bailout hinauslaufen wird. Business as usual, kennt man ja hienieden zur Genüge: Kralle aufgehalten, her mit den Münzen und Scheinen, ihr, die ihr Sünder allemal seid, kommet, mich zu erquicken.

Zwar sehen vereinzelte Häretiker jetzt ihre Stunde gekommen, rachsüchtig zu rufen: Lasst ihn doch pleite gehen, wenn er nicht wirtschaften kann! Aber so einfach läuft das nicht; schließlich gehört der Heilige Vater zu den ganz Großen im Geschäft, und was dies unterm Strich bedeutet, wissen wir längst - too big to fail. Von Großbanken lernen heißt zahlen lernen, auf dass die gebeutelte Seele dereinst dem Fegefeuer entspringen möge.

Apropos, die Vatikanbank hatte sich nicht lumpen, sondern der päpstlichen Klemme eine großzügige "Schenkung" in Höhe von 50 Millionen Euro zukommen lassen. Hat aber nichts genützt:
Zu hoch waren die Ausgaben, zu armselig die Investitionserträge,
- als dass die abgedrückte Bankspende mehr als nur einen Tropfen auf den heiligen Stein bewirkt hätte.

Nimmt der klamme Gottesstaat Stellung? Selbstverständlich. Er hat den Schuldigen bereits gefunden (alles andere hätte uns auch gewundert). Der Teufel stecke nämlich, so erfahren wir, im Detail. Und wo stecken die Details? Ha! Da, wo sie immer stecken - in den Märkten halt, will sagen: in den "negativen Marktbedingungen", speziell was die Immobilienbestände des Heiligen Stuhls betrifft, mit denen es die Märkte leider Gottes nicht so gut meinen. So viel zu den "armseligen Investitionserträgen".

Nun zu den "zu hohen Ausgaben". Da will man natürlich sofort wissen: Ja, wo wurde denn geprasst, wo das Geld mit vollen Händen rausgeschmissen, ohne dass es sich gelohnt hätte? Nein, es waren weder die samtenen Purpur-Prada-Treter noch die nutriabesetzten Ratzefummel, derer uns Bene bedarf, wenn er seine frohe Botschaft öffentlich unters Volk bringt. Nein - es war die frohe Botschaft selbst, die das päpstliche Budget ruiniert hat:
Was die Finanzen des Vatikans zum Ausbluten brachte, waren die hohen Kosten für seinen Kernjob, also das Verbreiten des Glaubens über die Vatikanmedien: Sowohl das Vatikan-Radio, die Vatikan-Zeitung L'Osservatore Romano als auch das Vatikan-Fernsehen generierten beträchtliche Kosten, jedoch im Hinblick auf irgendwelche Erträge wenig, oder eigentlich nichts.
Tja. Dumm gelaufen. Mag der Glaube zwar Berge versetzen, nicht jedoch die tiefen Täler der Haushaltslöcher. Irgendwer wird jetzt wohl dran glauben müssen. Wahrscheinlich die, die nicht dran glauben.
Vergelt's Gott.

Mittwoch, 4. Juli 2012

Grand Slam


Wie gut, dass es den Sport gibt. Sport, Spiel und Spannung machen ja alles andere ein bisschen erträglicher, auch weil sie so wohltuend ablenken von den abgekarteten, durch und durch unsportlichen Spielen abseits der großen Arenen. Leider ist jetzt der Fußball vorbei, aber gottlob wird in Wimbledon noch gedroschen, dass die Bälle fliegen.

Heute mit einem interessanten Einblick in die Welt des Damentennis und der diesjährigen Favoritin, ach was, Platzbeherrscherin aus Deutschland. Die hat vielleicht einen Aufschlag! Wenn die serviert, steht alles stramm, und vor ihrer gefährlichen linken Rückhand gehen alle in Deckung, die noch bis drei zählen können, was nicht jedem gegeben ist - Pech gehabt, der wird halt vom Platz gefegt.

Kommentiert wird das Rasenturnier von Clark & Dawe, dem genialen, auf Finanzkrisen-Poker spezialisierten australischen Satiriker-Duo mit der beißenden Zunge, deren Pointen man immer erst rafft, wenn einem die Schmetterbälle längst um die Ohren gepfiffen sind.
Gute Unterhaltung.


Fett weg


Es gibt ein fabelhaftes Wort in der deutschen Sprache. Fabelhaft erstens, weil es so schön lautmalerisch daherkommt, und noch fabelhafter zweitens, weil es in seiner Bedeutungsvielfalt kaum zu übertreffen ist.
Das Wort heißt:
Schmiere.
(1) Schmiere kommt von schmieren, also das, was man sich auf sein Brot schmiert. Oder auch das, was einem tagtäglich aufs Brot geschmiert wird von irgendwelchen Schmierfinken, die der Ansicht sind, ein zusammengematschter Einheitsbrotaufstich - bestehend aus zerdrücktem altem Käse, kleingewürfelten faulen Eiern, künstlichen Geschmacksverstärkern sowie synthetisch hergestellten Schlechte-Geschmacks-Unterdrücker - wäre die richtige Kost in Zeiten schmieriger EU-Machenschaften.

(2) Wobei die täglich verabreichte Schmiere aufs Brot nichts anderes ist als ein industriell bearbeitetes, bis zur Unkenntlichkeit gerührtes und gemixtes, streichbares Fertigprodukt aus den Zutaten der zeitgenössischen europäischen Küche, die man getrost auch als unterirdisch niveauloses Theater - bestehend aus erbärmlich schlecht inszenierten Stücken (Schmierenkomödien) und gnadenlos chargierenden Darstellern - vulgo: Schmiere bezeichnen darf.

(3) Um die Schmiere (2) möglichst reibungslos und schwingungsdämpfend in die Schmiere (1) zu überführen, bedarf es wiederum geeigneter Schmiermittel - kurz: Schmiere -, bestehend nicht etwa aus Tinte oder Druckerschwärze, sondern aus allem, womit sich Schmiere (1) schmieren lässt, damit am Ende das Ding läuft wie geschmiert. Woher die dazu notwendigen Schmierstoffe stammen, wird gern im Dunkeln gehalten, kann man sich jedoch als täglich aufs neue Angeschmierter denken.

(4) Damit nicht auffliegt, wie geschmiert (3) das Ding zwischen Schmiere (2) und Schmiere (1) läuft, muss es jemanden geben, der aufpasst, also Schmiere steht. Der Hauptjob des Schmierestehers - bestehend darin, abzusichern, dass der Schmierbelag aus (1) so nebulös, also verschmiert rüberkommt, dass keine Sau mehr durchblickt - wird in der Regel, der Einfachheit halber und zur Vermeidung unnötiger Reibungsverluste von Protagonisten aus Schmiere (1) und Schmiere (2) übernommen.

(5) Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass Schmiere (1), (2), (3) und (4) alles daransetzen, um dem/die Angeschmierten davon abzulenken, in welcher Schmiere sie, die Angeschmierten sitzen. Mit anderen Worten: Der Dreck, durch den letztere waten und der ihnen mittlerweile bis zum Halse steht, sollte stets so appetitlich aufgetischt werden, dass keiner auf die Idee kommt, das ganze Schmierzeugs sei ungenießbar oder gefährde am Ende gar Gesundheit, Leib und/oder Leben.

(6) Dennoch kann es vorkommen, dass einzelne Vertreter der in der Schmiere (5) Sitzenden das unbezwingbare Bedürfnis - bestehend aus Völlegefühl, Brechreiz und Überdruss an der eintönigen Kost - verspüren, der Hauptschmierendarstellerin unter (2) endlich mal eine zu schmieren.

(7) Den unter Schmiere (6) Genannten sei gesagt: Es handelt sich dabei keineswegs um eine verwerfliche, sondern im Gegenteil eine ganz natürliche Regung, die bereits in alten, überlieferten Schriften ihren Niederschlag - bestehend aus 'Auge um Auge, Zahn um Zahn' - gefunden hat. Nicht umsonst hält der Volksmund für die einschlägigen Begriffe Prügel, Dresche, Haue, Keile, Kloppe oder Senge auch das Synonym Schmiere bereit.

(8) Als Synthese aus Schmiere (1) bis (7) lässt sich daher - unter besonderer Berücksichtigung der unter (7) aufgeführten semantischen Begriffserweiterung und quasi mit biblischem Back-up zur Rückenstärkung - zumindest perspektivisch die folgende Gegenmaßnahme formulieren:
Schmiere um Schmiere.
Aus reiner Notwehr, versteht sich.

Montag, 2. Juli 2012

Trommelfeuer


Geht schon los.

Die lassen nichts anbrennen.
Propagandageschütze in Stellung gebracht.

Ab heute wird zurückgefeuert.

Sonntag, 1. Juli 2012

Doppelsprechklartext


Perlen der kommunikativen Kompetenz:
Merkel teilte dem Bundestag mit, die Beschlüsse des EU-Gipfels seien "gut und vernünftig", wenngleich sie einräumen müsse, dass "die sehr uneinheitliche Kommunikation" verschiedener EU-Regierungen bezüglich dessen, worüber tatsächlich Einigung erzielt worden sei, zu "sehr vielen Missverständnissen geführt" habe.
Hm? Irgendeine substantielle Offenbarung oder just another murky soundbite? Was will die Dichterin uns damit sagen?

Wir versuchen's mal so:
Leute, alles super gelaufen, so gipfelmäßig, alles nach Plan, wir waren uns alle einig.

Das einzige, was mich jetzt noch nervt, ist, dass jedes EU-Land meint seine Klappe aufreißen und seinen unmaßgeblichen Senf dazugeben zu müssen, statt einvernehmlich im Bunde des Einvernehmens, einheitlich-geschlossen-solidarisch mit einer Zunge zu sprechen, Schulter an Schulter verbündet, einstimmig und ohne Ausnahme.

Kriegen wir aber auch noch hin, das. Weil, im Zuge und Interesse des Großen Europäischen Bankenrettungsprojektes haben wir ja bereits beschlossen, dass die Mitgliedsländer ihre souveränen Kompetenzen abtreten - was gut und vernünftig ist -, drum schlage ich als Beschlussergänzungsantrag vor, dass die Länder auch gleich ihre kommunikativen Kompetenzen abtreten - was noch besser und noch vernünftiger ist, denn nur so kann Europa mit einer einzigen Stimme überzeugen, ohne dass ich, öhm, wir missverstanden werden.
Kann aber auch sein, dass ich da bloß einem jener sehr vielen Missverständnissen aufgesessen bin.

Neulich im EU-Casino



Lately every Thursday night
She's late getting home
She phoned from work at quittin' time
Says the bosses asked her to stay
She says she's makin' double time

I suspect foul play
Don't you know that I suspect foul play

Sitting here and thinking back
It all starts making sense

I suspect foul play
Don't you know I suspect foul play

She'd better have some kind of evidence
Of all this extra pay
She'd better have some cold, hard facts

Cause I suspected foul play
Said I suspected foul play
Oh yes I do

Yeah, yeah
Something's gone wrong

Foul play, yeah