Samstag, 26. März 2011

Wahlversprecher


Was ist ein Wahlversprecher?

Ein Wahlversprecher ist ein Politiker, der vor einer Wahl ein Wahlversprechen abgibt.

So weit, so bekannt. Man kann es auch so formulieren:
"Vor jeder Wahl werden gerne von Politikern aller Parteien Wahlversprechen abgegeben."
Stimmt. Eigentlich von allen Politikern. Jedenfalls fällt mir keiner ein, der sich je eines Wahlversprechens enthalten hätte. Bis jetzt. Da diese Zeilen jedoch von einem Politiker stammen, schöpfe ich leise Hoffnung und lese mutig weiter:
"Oft leider in dem Wissen, dass sie nur schwer oder gar nicht zu halten sind."
Stimmt auch. Obwohl ich geneigt bin, korinthenkackerisch das Wörtchen "gern" im ersten Satz mit dem Wörtchen "leider" im zweiten Satz abzugleichen und spitzfindig zu fragen: Ja, was denn nun? Sitzen die beiden Füllwörtchen nicht verräterisch an der falschen Stelle? Müsste es nicht korrekt heißen: Vor jeder Wahl werden leider von Politikern aller Parteien Wahlversprechen abgegeben - gern in dem Wissen, dass sie nur schwer oder gar nicht zu halten sind?

Aber gut, es ist die heiße Endphase eines heißen Wahlkampfes, da wird schon mal was mit heißer Nadel gestrickt. Vor allem dann, wenn kurz vor Torschluss noch schnell eine zündende Anzeige geschaltet werden muss. Im Käseblättchen meines Kiezes.

Bis hierhin also ein vielversprechender Anzeigentext, eben weil nichts versprochen wird. Nicht unsympathisch. Endlich ein Politiker, der nichts verspricht. Ob er es auch halten wird? Etwa so: Ich verspreche Ihnen gar nichts, lassen Sie mich einfach ran. Oder so: Schluss mit der hirnrissigen Versprecherei, für mich zählen Taten, nicht Worte. Oder: Alle Versprecher sind Verbrecher. Hey, endlich einer mit Format!

Neugierig lese ich weiter:
"Ich verspreche Ihnen nur, dass ich mein Bestes geben werde zum Wohle unserer Bürger."
War nix. Absturz. Ernüchterung. Jetzt hat er sich doch versprochen, mein Hoffnungsträger. Er konnte es einfach nicht lassen.

Gerade war ich einkaufen und kam an den Wahlkampfständen der Parteien vorbei. Und da stand er, mein Wahlversprecher, und versprach allen Passanten, sein Bestes zu geben. Ich hörte, wie er zum Besten gab: "Versprechen kann ich Ihnen nichts, aber ich verspreche Ihnen, dass ich mein Bestes geben werde!"

Er gab sein Bestes. Stehengeblieben ist keiner.


Klassischer Fall von Wahlversprecher.

Freitag, 25. März 2011

Wehret den Anfängen


Bekanntlich ist Kriminalität ein gesellschaftliches Problem. Um Kriminalität gar nicht erst zum Problem werden zu lassen, wurde die Kriminalitätsprävention erfunden. Damit kriminalitätspräventive Maßnahmen greifen, müssen sie frühzeitig zum Einsatz kommen.
Weil, wo kommen wir sonst hin.

Zur wirksamen Prävention gehört das - wie gesagt, möglichst frühzeitige - Beeinflussen und Verhindern potentiell krimineller Karrieren. Am sinnvollsten fangen wir damit schon bei der jungen Generation an. Also, bei den Jugendlichen. Ach was, am besten bereits bei den Kindern. Oder halt, am allerbesten gleich bei den Kleinkindern, den Knirpsen, Krabblern und Hosenscheißern. Wäre ja noch schöner, sonst.
Kindern, die spielen, und Hühnern, die krähen,
soll man beizeiten die Hälse umdrehen.
Na gut, so martialisch wollen wir es nicht ausdrücken. Vielleicht besser so: Schäden verhüten, bevor sie auftreten. Ob nun auf öffentlichen Bürgersteigen oder an gefährdeten Kinderseelen. Schäden verhüten, genau. Klingt doch viel besser. Klingt irgendwie verantwortungsvoll. Verantwortungsvoll kommt immer gut.


Ein eklatanter Fall von Vandalismus im Vorschulalter verdeutlicht die Dringlichkeit präventiven Eingreifens des Gesetzgebers: Im australischen Melbourne wurden Kleinkinder auf frischer Tat ertappt, wie sie - schwerbewaffnet mit bunten Kreidestiften - den Bürgersteig vor einem Café mit graffiti-ähnlichen Schmierereien beschädigten. Graffiti! Illegal! Öffentliche Sachbeschädigung! Wenn das jeder! Wo kämen wir da hin!

Prompt erfolgte der Zugriff seitens der städtischen Behörden: Die Cafébetreiber wurden aufgefordert, den gesetzwidrigen Outdoor-Aktivitäten der lieben Kleinen unverzüglich einen Riegel vorzuschieben. Gut so. Weil, sonst müsste man ja die verwahrlosten Schmierfinken hinter Schloss und Riegel bringen. Präventiv, versteht sich. Weil, vom dreijährigen Schmierfinken zum pubertärenen Graffiti-Sprayer zum jugendlichen Straßendealer bis hin zum ausgewachsenen Zuhälter ist der Weg kurz. Weiß man ja.

Künftig sollen frühkindlich-kreative, besorgniserregende Delinquenzansätze scharf im Visier behalten, vulgo: im Keim erstickt werden. Wie aktuell verlautbart, tritt eine kriminalitätspräventive Sofortmaßnahme in Kraft: Das beliebte Kinderspiel Himmel und Hölle wird unter Androhung von Schwerstsanktionen verboten. Bei Zuwiderhandlung, liebe Kinder, droht den Kleinstkriminellen Schlimmes: Ihr kommt allesamt in die Hölle.



Donnerstag, 24. März 2011

Finden ohne Suchen


Frühmorgens auf den Balkon treten und die noch kalte Frühlingsluft schnüffeln.

Mehr ahnen als wissen, dass sie sich geschwind erwärmen wird.

Irgendeine Sehnsucht spüren, ohne sich zu kümmern, wonach.

Etwas finden, was der Sehnsucht eine Gestalt gibt:



Der katalanische Künstler Juan Miró und der amerikanische Jazzmusiker Duke Ellington begegnen sich zum ersten Mal für eine improvisierte Jazz-Session während einer Miró-Ausstellung in Südfrankreich.

Miró erzählt Ellington etwas über seine Skulpturen. Er tut es auf Französisch, und der Duke versteht kein Wort. Der Duke antwortet auf Englisch, und Miró versteht kein Wort. Beide verstehen sich großartig.

Inspiriert setzt sich der Duke ans Klavier und fängt an zu spielen. Der Schlagzeuger Sam Woodyard und der Bassist John Lamb lauschen und fallen ein. Lauschend lehnt sich Miró an eine Skulptur, genießt die Frühlingssonne und freut sich. Selbst die Skulpturen lauschen und freuen sich. Am Ende der Session ist die Luft so voller Energie, dass man die Knospen bersten hören kann.

Manchmal geschehen wundervolle Dinge, einfach so, wie aus dem Nichts.

Mittwoch, 23. März 2011

Wahlbeschiss


Man wird ja dieser Tage ganz wirr im Kopf. Von all dem Krümeln und Klügeln und Kringeln, und am Ende Asche aufs Haupt. Letzteres nennt sich dann Panaschieren. Nachdem einem zuvor vor lauter Kumulationseffekten schon Hören und Sehen vergangen ist.

Gerade wollte ich meiner unfrohen Wählerlaune Luft machen, stellte jedoch fest, dass dies bereits von jemand anderem besorgt wurde, und zwar so brilliant, dass ich mich einfach dranhänge. Weil, besser rumstänkern hätte ich jetzt auch nicht können.

Weil mein Balkon größer ist als meine Wohnung, habe ich das kommunalwahlbürokratische Monsterchart draußen auf dem Boden ausgebreitet und es mit Steinen beschwert. Ich frage mich eh, wieso sie das papierene Krümelmonster nicht nach Art eines dieser höchst praktischen, komplex faltbaren Stadtpläne aufbereitet haben; dann käme zum Klügeln und Kringeln noch das Falten und Fälteln hinzu, auf dass das Gemüt sich in tausend Runzeln lege, denn:
"(Die Wähler) trauen sich nicht ins Wahllokal mit ihren bis zu 93 Stimmen, weil sie fürchten, sie kommen da nicht mehr raus, unterzuckert, halb verdurstet und auch sonst sehr schwach auf den Beinen, wenn sie durch sind und am Ende."
...sowie, wäre hinzuzufügen, vorzeitig gealtert mit zerfurchter Stirn und gletscherspaltentiefen Nasolabialfalten.

Vor dem Kringeln hat der Herrgott das Häufeln (Kumulieren) gesetzt:
"Kumulieren, also 'häufeln', geht ungefähr so, sagen die Leute: wer was taugt, kriegt mehrere Stimmen. So mal übern Daumen. Kriegt einer drei Stimmen, hast du immer noch 90, wohin damit? So häufeln die Kumulierer vor sich hin und manchmal hört man sie murmeln, dass ihnen das kreative Kumulieren ohnehin keiner dankt."
Wem überm Herumkrümeln (Kumulieren) noch nicht komplett die Lust am Wählen vergangen ist, macht sich ans Panaschieren. Das Panaschieren macht vergleichsweise Spaß, weil man sich dabei für die verdorbene Laune rächen kann, die einem das Krümelmonster verursacht hat:
"...da kann man sich nicht entscheiden und verteilt seine Stimmen auf Kandidatinnen und Kandidaten verschiedener Parteien. Wer weiß, wofür's gut ist, sagt sich der Panaschierer, eins links, eins rechts, eins fallen lassen."
...schwupp, guter Tip, das schaffen auch einfach gestrickte Wählernaturen wie zum Beispiel ich.

Das Beste, weil am leichtesten Verständlichste, ist die Option des Wegstreichens:
"Das wird sehr gern genommen. Sagt dir jemand nicht zu, streichst du seinen Namen durch. Das macht vielen große Freude, sie nehmen gar ein Lineal, damit ihr Missfallen auch ordentlich aussieht. Frau Z. hier hat den in der Regel eher sparsam kumulierenden und panaschierenden Gatten schon zurechtgewiesen, weil sie einen Blick auf seinen Monsterzettel warf und feststellen musste, dass er fürs Streichen den falschen Stift genommen hat, diesen gelben Marker, wissen Sie, wodurch das Ergebnis jetzt so aussieht, als wünsche er gerade diesen Personen alles Gute. So war das aber nicht gedacht. Raus, raus, raus, sagt sie und streicht gerade noch mal nach, du und du und du! Und jetzt? Zähl mal durch: sind immer noch Stimmen übrig."
Das Wegstreichen, also das Lustigste an der ganzen Wahlqual, habe ich mir bis zum Schluss aufgehoben. Leider ist mir nicht mal dieser Frohsinn vergönnt. Eben warf ich auf dem Balkon einen Blick auf den Monsterzettel und musste feststellen, dass mir jemand zuvorgekommen ist: Auf zwei Kandidatennamen kleben mittlerweile zwei Häufchen Vogelschiss.

Aber gut, trotzdem sind ja noch mehr als genug Stimmen übrig. Was tun?

Ich hab's. Ich lass' das Krümelmonster einfach noch ein paar Tage auf dem Balkon liegen. Den Rest erledigen dann die Vögel.


Update:
Und gleich noch einen drauf: Weil Wählen so schön ist, hier der Mappus-Ticker.

Montag, 21. März 2011

The Boss In The Land Of The Bossa


Dieses herrgottsfrühe Radiohören bietet doch immer wieder Befremdliches, was einen am entspannten Weiterdösen hindert.

Kommt also der amerikanische Präsident in Brasilien an. Wirft ein paar wohleinstudierte Brocken auf Portugiesisch hin (kommt beim Volk immer gut). Und dann hat er den Nerv, das brasilianische Volk zu beglückwünschen. Glückwunsch wozu? Er gratuliert dem Volk - jedenfalls einem Teil von ihm - dazu, dass in den letzten Jahren doch glatt die Hälfte der brasilianischen Unterschicht es geschafft habe, in die brasilianische Mittelschicht aufzusteigen. Steil.

Unerwähnt blieb, dass es im gleichen Zeitraum doch glatt die Hälfte der amerikanischen Mittelschicht geschafft hat, in die amerikanische Unterschicht abzustürzen.


Ein wenig präsidentiale Schamesröte wäre angemessen gewesen.

Sonntag, 20. März 2011

Hoofs and Grooves


Sie nennen es Hoof Shoes.
Ich nenne es galoppierenden Designerschwachsinn:


Sie behaupten, durchgeknallter ginge nicht mehr.
Ich behaupte, doch, es geht noch durchgeknallter:


Sie sagen, die durchgeknallten Schuhträger hießen Hoofers.
Ich sage, die spinnen.

Weil:


Die einzigen, die wirklichen, the one and only, die unerreichten Original Hoofers sind nämlich diese großartigen Jungs.

Samstag, 19. März 2011

Klotzen und kleckern


Kinder, wie die Zeit vergeht.

Mein olles Blogprofil bedurfte dringend einer Aktualisierung.


Update:
Hm, pfft. Jetzt bedarf die Aktualisierung dringend eines lesbaren Layouts. Kann mir bitte jemand sagen, wie ich da Absätze reinzaubern kann?