Donnerstag, 14. Januar 2010

Schraffuren im Schnee


"... und stehen zudem verkehrswidrig auf einer schraffierten Fläche!"
Der war gut.

Der auch.

Mittwoch, 13. Januar 2010

Dogshit


Hey, wir leben jetzt in der sogenannten närrischen Jahreszeit, da kann man sich schon mal einen Kracher erlauben. Gern auf Kosten anderer, die so blöd waren, in jene Falle zu tappen, die man ihnen eigens aufgestellt hat.

Das ist etwa so, wie wenn ich mit meinem Hund Gassi gehe, und weil es ein gut dressierter Hund ist, befehle ich ihm, sich mitten auf dem Gehweg zu entleeren; nach erfolgter Verkotung des meistgenutzten Mittelstücks erbaue ich mich lauthals und schenkelklopfend an jenen grenzblöden Zeitgenossen, welche in jeden, aber auch wirklich jeden Hundehaufen reinrennen müssen und denen einfach nicht zu helfen ist.

Gut, ich habe keinen Hund, und hätte ich einen, würde ich ihn nicht auf dem Gehweg seine Notdurft verrichten lassen, und täte der Hund es trotzdem, wäre mir das peinlich, und würden die Leute in den Haufen treten, wäre es mir noch peinlicher und ich verspürte das dringende Bedürfnis, mich zu entschuldigen. Keinesfalls käme ich auf die Idee zu behaupten, nun ja, die Leute fühlten sich nun mal magisch angezogen von frischem Hundekot in der Gehwegmitte, und weil die Leute so schräg drauf seien, müsse ich beziehungsweise mein Hund dieses archaische Menschheitsbedürfnis eben befriedigen und für die entsprechenden Hinterlassenschaften sorgen.

Genug dogshit. Funktioniert auch ohne Hund, hat die Süddeutsche Zeitung bewiesen. Man nehme ein anständiges Unwetterszenario (Hundehaufen) namens Daisy, haue es den Lesern tagelang auf höchster Alarmstufe (Gehwegmitte) um die Ohren und serviere zur Entwarnung - leider hat das dumme Ding Daisy nicht mitgespielt - ein paar tiefsinnige Gedanken zum angeblich urmenschlichen Bedürfnis nach Angst (Hundekot als Faszinosum).
...gibt es das Bedürfnis nach Angst und die Faszination an der potentiellen Katastrophe - im Bedürfnis nach einer Nachricht, die einem durch Mark und Bein fährt, nach dem Schock der Meldung.
Ein Fall für die Presse (Hundebesitzer), denn das Bedürfnis nach Schocks
...gehöre mittlerweile so sehr zu den westlichen Gesellschaften, dass sie - wie bei Drogenabhängigen - in Injektionen verabreicht würden, wohl abgemessen und, weil die Wirkung mit zunehmendem Gebrauch abnimmt, in sich steigernden Dosen.
Fertig ist der dampfende öffentliche Haufen (dampfender öffentlicher Haufen). Wie gesagt, mir wäre so etwas peinlich. Und die SZ? Die sollte bis zum Ende des nun herrschenden Dauerhochs Bob mit Schneeschippen bestraft werden. Damit sie auf keine dummen Gedanken kommt und dem armen Bob irgendwas Katastrophales anhängt. Bob ist nämlich einfach nur kalt und sonst gar nix. So kalt, dass es einem den Hintern wegfrieren möge beim Schneeschippen. Wär' doch 'ne prima Schlagzeile.

Dienstag, 12. Januar 2010

Weg damit


Gut verweht ist halb entsorgt.

Der Rest wird zwischengeparkt.

Oder irgendwie halt.

Montag, 11. Januar 2010

Zähneknirschen


Das Wintertief Daisy verzieht sich nach Norden. Wird behauptet. Kann aber gar nicht sein, denn erstens bleibt es kalt, zweitens schneit es weiter und drittens bin ich Daisy heute im Park begegnet. Leibhaftig, meine ich. Bitte, hier:


Ich sprach Daisy an: "Du, die sagen, du seist im Abmarsch begriffen, stimmt das?"
"Unsinn", knirschte das mächtige Wintertief zurück, "siehst du nicht, wie stabil ich hier sitze?"
"Doch", gab ich respektvoll zu, "aber die meinen, du hättest an Kraft verloren...",
"Dummes Zeug", unterbrach mich Daisy schnaubend, "ich sitze hier und sammle Kraft."
"...und seist jetzt zahnlos geworden", ergänzte ich eingeschüchtert.

Das fand Daisy ausgesprochen komisch. Sie kriegte sich gar nicht mehr ein vor Lachen.

Sonntag, 10. Januar 2010

Schneehasen


Stell' dir vor, eine Horde Jugendlicher wirft sich wie auf Kommando mit einem lauten Schrei in den Schnee, breitbeinig und kopfüber. Bleibt drei, vier Sekunden regungslos liegen. Dann rappeln sich alle mit einer Rolle rückwärts wieder hoch, begutachten johlend ihre Körperabdrücke und rennen brüllend und bester Laune davon.

Und du stehst da und denkst: nanu. War das jetzt ein Flashmob oder was? Weil - man weiß nicht recht, worum es geht, aber Spass gemacht hat es auf jeden Fall. So rein victorymäßig gesehen, sag' ich mal hypothetisch.

Samstag, 9. Januar 2010

Schneebesen


Bürgersteige waren gestern. Seit heute nennen die Dinger sich Schneebänke und sind erstens unsichtbar und zweitens unpassierbar.

Hit the road, Jack. Nimm die Straße. Autos fahren eh keine mehr. Schneeräumfahrzeuge auch nicht. Unser Stadtteil bleibt sich selbst überlassen und stapft zu Fuß durch Reifenspuren.

Aber es besteht Hoffnung.

Freitag, 8. Januar 2010

Tiefkühlkost


Immer tiefer gräbt sich der Dauerfrost ins menschliche Leben hinein. Er macht vor nichts halt. Erbarmungslos erobert die Winterstarre sogar jene Bereiche, die bis vor kurzem noch als Inbegriff alles Lebendigen, Keimenden galten. Zum Beispiel die Tonne mit dem Biomüll.

Tiefgefrorener Biomüll. Oder sagt man schockgefrostet? Als Tiefkühlware sieht Biomüll wesentlich hübscher und frischer aus als bei +4 Grad Celsius. Still und starr ruht der Kompost.

Die Menschen werden auch immer stiller. Ich zum Beispiel. Die Winterstarre macht mich einsilbig. Ich rede nur das Nötigste. Nicht nur ich, Frau Übermop schweigt auch schon den ganzen Morgen. Statt wie sonst beim Kaffeetrinken uns zu unterhalten, schauen wir stumm zum Fenster hinaus in die grauweiße Kälte; mehr grau als weiß, um kurz vor acht in der Frühe. Wie ausgestorben. Ab und zu schleicht ein Auto vorbei, fast tonlos.
Schließlich unterbricht Frau Übermop die Stille und fragt: "Was ist denn mit dir los?"
Mrs. Mop, nach einer Pause: "Nix, wieso?"
Nach einer längeren Pause Frau Übermop: "Weil du gar nix redest."
Mrs. Mop schweigt, weil ihr nichts einfällt. Frau Übermop schweigt ebenfalls. Eine ganze Weile lang.
Dann sagt Frau Übermop halblaut, mehr zu sich selbst als an Mrs. Mop gerichtet: "Stimmt - ich red' ja auch nix. Fällt mir jetzt erst auf."
Wir schweigen heiter weiter.

Draußen fährt die Müllabfuhr vor. Mit schneegedämpfter Akustik. Statt des üblichen Getöses ist nur ein schwaches rhythmisches Brummen zu hören, dann und wann ein sanftes Plopp. Wir genießen schweigend den ungewöhnlichen Soundtrack. Die Türklingel zerreißt die meditative Ruhe. Ein Mann von der Müllabfuhr steht auf der Treppe. Auch er kein Freund großer Worte: "Biomüll bleibt." Bleibt wo? In der Tonne. Und die Tonne? Bleibt im Hof. Und der Biomüll? Festgefroren. Rührt sich nicht von der Stelle. "Tja", hebt der Müllmann bedauernd die Schultern, "geht nix raus. Zu kalt."
Festgefroren in der Tonne
steht der Müll, zu Eis erstarrt.
Hat Daisy wenigstens was zu futtern.