Montag, 18. Juli 2011

Wenn Mumien den Mund aufmachen


In Ägypten, dem Land der Mumien und Pyramiden, gibt es einen Minister, der für Altertumsfragen - "antiquities" - zuständig ist. Also einen Minister für Archäologisches, im Volksmund "Mumien-Mubarak" genannt - "The Mubarak of antiquities".

Vielmehr, es gab ihn. Gestern wurde Zahi Hawass gefeuert (via boingboing), zusammen mit einem Dutzend weiterer Minister; im Rahmen einer Kabinettsumbildung wurde dem Druck von Tahrir-Protestierenden nachgegeben, die darauf bestanden hatten, dass ministerielle Leftovers des Mubarak-Regimes aus dem Kabinett zu entfernen seien.

Nora Shalaby, Aktivistin und Archäologin: "Er war der Mubarak der archäologischen Schätze Ägyptens: Er tat so, als ob sie ihm alleine gehörten und nicht dem ägyptischen Volk" und hielt sich offenbar, laut Selbstauskunft, für den echten Indiana Jones; so echt, dass er sich seine eigene TV Reality Show schuf unter dem Titel "Immer den Mumien hinterher" ("Chasing the Mummies").

Wie es aussieht, hat die jüngere ägyptische Protestgeschichte den Spieß umgedreht: Plötzlich waren hinter dem Mumien-Mubarak die zum Leben erwachten 'Mumien' des Tahrir Square her.

Ägyptische Straßenkünstler geben dem umkämpften Recht auf Meinungsfreiheit gegen totalitär verordnetes Schweigen gern das Gesicht einer Mumie, die durch ihren Verband hindurch zu sprechen beginnt:

Graffiti eines unbekannten ägyptischen Künstlers

Anstelle von Mumien-Mubarak trat gestern als neuer Archäologieminister Abdel-Fattah el-Banna ins Amt, ein außerordentlicher Professor für archäologische Restaurationen. El-Banna hatte sich in jüngster Zeit einen Namen gemacht durch seine regelmäßige Teilnahme an Massenprotesten in Tahrir Square.

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