Mittwoch, 23. Januar 2013

Europäische Werte


Es gibt Dinge, die machen am frühen Morgen so munter, da kommt der stärkste Kaffee nicht dagegen an. Zum Beispiel, wenn es unterirdisch zu rumpeln beginnt; ein sicheres Zeichen, dass ein gewisser Orwell sich im Grab gedreht hat. Oder wenn Schlagzeilen wie diese auftauchen:
EU wants power to sack journalists
Richtig gelesen: Die EU wünscht sich die Befugnis, Journalisten rauszuschmeißen.
Ein Bericht der Europäischen Union drängt auf strenge Regulierung der Presse und fordert, dass Brüsseler Funktionsträgern als Supervisoren die Kontrolle über nationale Medien gegeben wird, mit neuer Befugnis, Journalisten unter Strafe zu stellen oder sie zu feuern.
Welche Journalisten? Solche, die den "europäischen Werten" zuwiderhandeln beziehungsweise -schreiben.
Alle EU-Länder sollten unabhängige Medienbehörden haben.
Wie, unabhängig? So unabhängig:
Nationale Medienbehörden sollten einem Regelwerk europaweiter Standards folgen und von der (Europäischen) Kommission überwacht werden, um zu gewährleisten, dass sie europäischen Werten entsprechen.
Gib Ruhe da unten, Orwell. Kriegst auch einen extrastarken Kaffee.

Kommentare:

  1. Nun muss mich nur noch jemand darüber informieren, welche Werte denn die europäischen sind. Immerhin lebe ich ja in Europa und würde ganz gerne wissen, worin sich europäische von z.B. asiatischen oder australischen unterscheiden.
    Die "Europäische Union" - spricht die dann eigentlich auch in meinem Namen, wenn "sie" sowas von sich gibt?
    Ich frag mich ja schon länger, wo ich lebe, aber es geht offensichtlich immer noch schlimmer.

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    1. Vermutlich wollten sie mit ihren "europäischen Werten" den Briten vorsorglich eins vor den Bug knallen, falls diese sich tatsächlich erdreisten sollten, ein Referendum zur EU-Mitgliedschaft durchzuführen. Um im Vorfeld die europakritischen Töne in der Presse mundtot zu machen.

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    2. @Frau Lehmann: Einen Eindruck von "europäischen Werten" kann man auf den Seiten der oecd bekommen.
      Du z.B. lebst hier.
      Auch wenn ich diesen better life index nicht ernst nehme, macht es mir doch Spaß, in den Statistiken zu blättern.
      Bei den us-Amerikanern spielen das Einkommen und die Wohnung die größte Rolle.
      Bei uns spielen die Wohnlage (Environment) und Dinge wie Gemeinschaft(?!) und "Work-Live-Balance" (Haha, was ham se uns ins Gehirn geschissen) die ersten Geigen, während der Lebenszufriedenheit kein so hoher Stellenwert eingeräumt wird.
      Auch hierzu kann ich nur das von Loriot gerne verwandte "Ach" äußern.

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    3. Korrektur: Es muß work-life balance heißen.

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