Montag, 26. März 2012

Frankfurter Grüne Soße


Achtung, Wahltratsch.

Nein, nicht aus dem Saarland, sondern aus Frankfurt. Jenes am Main. Heute fanden Stichwahlen statt für das Amt des Oberbürgermeisters (für Ortsunkundige hier die Vorgeschichte). Haushoher Überraschungssieger: Peter Feldmann, SPD. Hätte keiner gedacht. Nicht die CDU ("tief enttäuscht"), nicht die Grünen ("trotzig"). Lange Gesichter bei beiden. War doch so toll gewesen, die schwarzgrüne Römer-Koalition!

So toll, dass im Vorfeld eine Reihe prominenter Frankfurter grüner Parteimitglieder wärmste Wahlempfehlungen für den schwarzen OB-Kandidaten aus dem hessischen Innenministerium abgesondert hatten. Darunter auch dieser:


Dumm gelaufen, Herr Klinke, das ging in die Hose, aber gründlich. Klinke? Welcher Klinke? Für Ortsunkundige hier seine Vorgeschichte:
"... war Klinke in den 68er-Bewegungen aktiv, später in der Frankfurter Hausbesetzerszene. Gemeinsam mit Joschka Fischer und Daniel Cohn-Bendit war er Mitglied der antiautoritären Studentenbewegung und der Gruppe Revolutionärer Kampf."
Alles klar? Früher: 68er, Hausbesetzer, antiautoritär, revolutionär kämpfend. Heute: staatstragend in bestem grünem Zwirn, für die CDU kämpfend und posierend, mit beiden Händen am Revers unter großer Fahne,
"... fachmännisch aufgenommen von unten, so wird der Macher erst imposant"
- und so grün, dass er locker als schwarz durchgeht. Und einem ganz schwarz vor Augen werden kann.

Klinke, der große schwarze Tiger mit der aufregenden Vergangenheit, "unsere heimliche Kiezgröße für den gehobenen Geschmack" (für Ortsunkundige hier die Vorgeschichte des Frankfurter Tigerpalastes), "einer, der dereinst auszog, um die Verhältnisse vom Kopf auf die Füße zu stellen", setzt an zum großen Sprung -


- und landet raubkatzen-untypisch nicht auf den Füßen, sondern unsanft als erfolgloser Bettvorleger für die CDU.
"Gemeinsam mit den Bankentürmen ist er ein biedermeierliches Aushängeschild dieser Stadt, in der es sich dank seines unermüdlichen Einsatzes und der anderer Scheinriesen so vortrefflich amüsieren lässt - natürlich grün gewirkt. Es gilt zu sichern, dass die Warteschlange vor dem Tigerpalast nicht abreißt, das ist ein schlagendes Argument für (Boris) Rhein (CDU) ... Es spricht hier die Seele der Frankfurter Grünen in den High Price Eigentumswohnungen im Nordend."
Ja, so ändern sich die Zeiten - der in grüner Wolle gefärbte Ex-Revolutionär erfindet sich neu, oder auch: "Neue Bewegung: von links nach rechts".

Nur dass just an diesem Sonntag die grüne Wählerbasis der schwarzgrünen Parteielite einen gewaltigen roten Strich durch die Rechnung gemacht hat. Aus welchen Gründen auch immer.
Frankfurter Grie Soß halt. Und damit ab in die Urne.

Kommentare:

  1. Wo du hier mal Frankfurt erwähnst: Bist du eigentlich noch im Occupy Camp? Falls ja, schreibst du mal wieder darüber? Falls nicht, hast du eine Art Resümee zum Besten zu geben?

    Hab öfter an dich gedacht, besonders als es so kalt war und kürzlich erst, als ich an Frankfurt vorbeigefahren bin.

    Der Blog hier ist inzwischen ja weniger persönlich gefärbt als früher und du hast mit Sicherheit auch deine Gründe dafür. Will dich auch nicht ausfragen. Hab mich halt nur hin und wieder gefragt, wie's wohl der Frau Mop und ihrem Hund so geht.

    Liebe Grüße,

    Amike

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  2. Her @Amike, glaabscht des - Isch hab heit goanz genau des gleische gedenkt.

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  3. @ R@iner: Ich dachte, du hättest dich heute eher mit Handtüchern und Penisstudien befasst? :P

    Amike

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  4. *lol* Werr jetzard net fresch, gell! Was solle dann die Leit vun mer denke.

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  5. Stimmt, was sollen die Leute denken...

    Also, du hast dich heute mit europaweit durchgeführten biologisch-soziologischen Studien und englischer Reiseliteratur des 20. Jahrhunderts befasst?

    Bei solchen Drohungen auf Pfälzisch kommen nostalgische Kindheitserinnerungen hoch. "Werr jetzad ned fresch, gell" hab ich bestimmt an die tausend mal zu hören bekommen :)

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  6. @Amike
    Freut mich sehr, dass Du mal wieder hier vorbeischaust.

    Mein Verhältnis zu Occupy Frankfurt ist ambivalent. Die Gründe dafür sind, glaube ich, aus der Chronologie meiner Postings zu diesem Thema nachzuvollziehen.

    Im Camp lebe ich seit längerer Zeit nicht mehr, besuche es aber oft und fühle mich dem Camp und den dort lebenden Menschen verbunden. Nicht nur aus nostalgischen Gründen - das Camp war ja für mich zu einer Art Heimat, zu meinem Lebensmittelpunkt geworden -, sondern auch, weil ich dem Zusammenleben auf dem Camp mit zunächst wildfremden Menschen Erfahrungen verdanke, die ich nicht missen möchte und die mir Perspektiven eröffnen für ein solidarisches, alltagsprakisches, kreatives Zusammenarbeiten jenseits herrschender Systemzwänge. Das Camp war für mich ein höchst bereicherndes Medium zum Experimentieren mit radikal neuen Formen der Selbstorganisation bis hin zu einer - wenn auch nicht immer funktionierenden - Infrastruktur mit allem, was der genügsame Revolutionär so zum Leben braucht. Neben Essen und überdachtem Schlafen, zum Beispiel, unglaublich viel Freude am Improvisieren, sich-gegenseitig-Helfen und am entspannten gemeinsamen Abhängen.

    Deshalb spreche ich lieber von Erfahrungen als von einem „Resümee“ (ein Resümee hat so etwas Abschließendes, Endgültiges, Schlußstrichziehendes). Zu den Erfahrungen zählt natürlich auch die mitunter sehr schmerzhafte Erkenntnis, dass die Beteiligten nicht nur guten Willens, sondern auch von der herrschenden Kultur geformt bzw. deformiert sind, mit allen potentiell destruktiven Verhaltensmustern, die wir nun mal ein Leben lang gelernt haben. Ich glaube, um wirklich etwas zu ändern, führt an der (wie gesagt, schmerzhaften) Einsicht kein Weg vorbei, dass wir längst Teil jener Kultur geworden sind, an deren Überwindung uns gelegen ist. Ich habe das als allerhärteste Konfrontation erlebt, an mir selbst, an anderen, an den zwischenmenschlichen Konflikten, die daraus erwachsen.

    Aber: Es kann funktionieren. Dann, wenn man sich immer wieder die Frage stellt: Wie wollen wir leben? Und zwar nicht im rein materiellen Sinne, sondern im Sinne von: Welches Leben wollen wir führen, das es wert ist gelebt zu werden? Das geht dann schon sehr ins Philosophische rein. Und das mit dem Philosophieren geht halt am besten, wenn man dabei etwas Gemeinsames erarbeitet. Mit den Händen. Mit dem Körper. Mit den Sinnen. Reines Revolutiontheoretisieren oder verkopftes programmatisches Herumdoktern - auch das habe ich gelernt - übt auf mich keinen Reiz aus, ist mir viel zu unsinnlich und züchtet bloß wieder jene altbekannten autoritativen Verhaltensstrukturen, von denen ich eh die Schnauze gestrichen voll habe.

    Verstehst?

    Ach ja, und der Blues. Fläzt unterm Sofa und verschnarcht selig den Frühling. Aus seinem linken Ohr wächst ein Gänseblümchen. Beneidenswert, so ein Hundeleben ;).

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  7. Danke für die ausführliche Antwort :)

    Schön, dass du so viele wichtige Erfahrungen machen konntest und der Idee des "solidarischen, alltagsprakischen, kreativen Zusammenarbeitens" nicht den Rücken zugewandt hast trotz der negativen Erlebnisse. Hast du denn (evtl schon konkrete) Pläne, diese Idee abseits von Occupy weiter zu verfolgen?

    Und wenn ein Winter im Camp den Blues derart einschläfert, sollte ich mir sowas auch mal überlegen.

    Amike

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  8. Danke für deine Antwort, Frau Mop. Vor vielen Jahren sagte mir ein Freund, der ständig in WGs wohnte, daß er es nicht ertrüge, wenn auf hohem Niveau Pläne am Küchentisch geschmiedet würden, aber schon im Vorfeld absehbar war, daß keine Aktionen aus ihnen folgen würden.
    Er hätte sich immer erst dann wohl gefühlt, wenn die Länge der Gespräche kurz gewesen war, man gemeinsam vom Tisch aufgestanden war und jeder mit einem Werkzeug bewaffnet physisch begonnen hatte, an dem gemeinsamen Projekt zu arbeiten.

    Wir, die wir nicht gewillt sind, von außen vorgegebene Interpretationen der Welt als unsere Realität anzuerkennen haben es wahrhaftig nicht leicht die um des schieren Überlebens willen notwendigerweise zu akzeptierenden Widersprüche zwischen dem eigenen Empfinden und der Systemdoktrin zu überbrücken.
    Irgendwann funktioniert dieser zu erbringende Drahtseilakt jedoch nicht mehr. Die Folgen für Andersdenkende werden wohl oft in Abgrenzung und Rückzug bestehen. Zu sehen war dies bei den Kommunen in den Siebzigern, die aus den Städten flüchteten und ihr Heil in kleinen Gemeinschaften auf dem Land suchten, die dann aber auch an Grabenkämpfen um Grundsätzliches zerbrachen.
    Jahrelange Kämpfe in Bürgerinitiativen dürften auch mehr als einem streit- und ehrbaren Selbstdenker auf die eine oder andere Weise das Leben verbittert oder gar zerstört und beendet haben.

    Wenn wir ehrlich sind, dann haben wir es en gros doch noch nicht einmal geschafft, die Paarbeziehung auf ein neues Gleis zu stellen.
    Die durch wirtschaftliche Abhängigkeiten geprägten Strukturen unserer Eltern und Großeltern wollen wir nicht mehr und bei Vorschlägen, die für viele gültig sein könnten, geraten wir ins stottern, weil wir einfach wissen, daß auch ein Quentchen Glück dazugehört, auf das man keinen oder nur wenig Einfluß hat.
    Daneben sind wir aber die Bedingungen der materiell orientierten Welt und den Arbeitszwang so sehr gebunden, daß für die meisten der Raum für die persönliche Entwicklung anderer Qualitäten eng bemessen ist, was die Isolation der Individuen verstärkt und - so sagen viele - sogar beabsichtigt ist.

    Was also tun? Mir gefällt an deiner Antwort die Selbsterkenntnis, daß wir keinesfalls den Teil von uns verleugnen dürfen und auch nicht können, den wir der Erziehung in dieser Gesellschaft als funktionierendes Element für diese verdanken.
    Auch dürfen wir nicht die Ziele zu hoch ansetzen. Kraftvolle Formulierungen wie "Wir sind die 99%" oder "Es geht um alles" mögen richtig in eine weit entfernte Zukunft deuten, verlieren aber schnell an Schubkraft, sobald man das nächste Mal von einem Freund oder Kollegen für ein paar Silberlinge verraten wird.
    Man kann sich auch nicht aus der Summe der Dinge heraus definieren, die man ablehnt oder nicht mehr für sich will.
    Manchmal denke ich auch, daß die beabsichtigte Gegenöffentlichkeit der Blogger das System geradezu stützt, weil man sich mit ihm und seinen Irrwegen und Lügen beschäftigt, anstatt die Zeit für die Entwicklung eines echten eigenen Willens zu verbringen...Ach, ich weiß es auch nicht.

    Ich finde es jedenfalls prima, daß Du in Frankfurt dabei bist. Irgendwie brauchen wir jede Menge Occupies.

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  9. Hallo @Amike. Das höre ich aber gar nicht gerne, daß Du den Blues hast. Ich glaube fast, dir fehlt die sonnige Pfalz.

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  10. Passend zu dem, was Frau Mop schrieb, ist auch: Jorge Drexler - La trama y el desenlace
    (Dank g*ma nur mit dem proxtube-Addon seh-/hörbar)

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  11. @ R@iner: Na, so schlimm isses nun nicht, dass es mich ins Land der Leberknödel zurücktreibt. Hier im Norden scheint auch die Sonne.
    Mit der Musik könnte ich wohl mehr anfangen, wenn ich statt Schwedisch Spanisch spräche *g* Ist aber trotzdem schön.
    Und nun geht's raus in die Sonne, den übriggebliebenen Winterblues austreiben.

    Schön übrigens auch, dass es euch gibt, hilft auch gegen den Blues, wenn mal nicht die Sonne scheint ;)

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  12. @Amike
    „...trotz der negativen Erlebnisse nicht den Rücken zugewandt hast...“:

    Ganz wichtig für mich, hab ich in meinem Campdasein gelernt: Bauchlandungen gehören zum Experimentieren, weil, sonst wär das Ganze kein Experiment, sondern eine Rundum-Sorglos-Vollkaskoveranstaltung. Hinfallen, aufstehen, mit verschrammten Knien weitermachen. Nur so bewegt sich was.

    Allerdings ist unsere Kultur davon besessen, ausschließlich in Kategorien von Erfolg und Quote zu denken und auch Gegenprojekte an diesen Kategorien zu messen: Bauchlandung? Misserfolg! Irgendwas schiefgelaufen? Gescheitert! Versager! Urteil gefällt, abgestempelt, erledigt, Daumen runter!

    Daumen runter? Pfft. Mittelfinger hoch. Weitermachen.

    „Hast du denn (evtl schon konkrete) Pläne, diese Idee abseits von Occupy weiter zu verfolgen?“

    „Pläne“ wäre jetzt genauso so hochgegriffen wie „Resümee“ ;) - aber ja, ich bin gewaltig dabei, meine Fühler nach allen Seiten auszustrecken.

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  13. @R@iner
    „Er hätte sich immer erst dann wohl gefühlt, wenn die Länge der Gespräche kurz gewesen war, man gemeinsam vom Tisch aufgestanden war und jeder mit einem Werkzeug bewaffnet physisch begonnen hatte, an dem gemeinsamen Projekt zu arbeiten.“

    Genau so sieht‘s aus. Außerdem lässt es sich beim gemeinsamen Schaffen gut weiterdiskutieren, sogar noch viel besser (weil gut geerdet), als wenn man auf hohem Niveau revolutionstheoretische Löcher in die WG-Küchentischkante beißt. Wenn dann irgendwann der Punkt kommt, wo man sich lieber schweigsam aufs Schaffen konzentriert, hat das noch keiner Diskussion geschadet, im Gegenteil.

    Das Tolle am gemeinsamen Schaffen ist ja, dass man sich dabei von Kopf bis Fuß kennen und - ganz wichtig! - sich gegenseitig besser ertragen lernt und nicht beim ersten Anzeichen von Dissenz sektiererisch den Hammer fallen lässt.

    „Manchmal denke ich auch, daß die beabsichtigte Gegenöffentlichkeit der Blogger das System geradezu stützt, weil man sich mit ihm und seinen Irrwegen und Lügen beschäftigt, anstatt die Zeit für die Entwicklung eines echten eigenen Willens zu verbringen.“

    Da ist hundertpro was dran. In der gesamten Zeit, die ich mit Bloggen verbracht habe, hätte ich mal locker fünf leerstehende Häuser für Community-Zwecke besetzen, drei Volksküchen bekochen und mindestens einen revolutionären Gesangsverein, wenn nicht sogar zwei, gründen können. Mitunter bringt mich das schon ins Grübeln.

    Etwas sehr Nachdenkenswertes hat dazu der @blogwart geschrieben.

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  14. @Amike
    "Amar la trama y no el desenlace"

    = etwa: die Handlung lieben, nicht ihren Ausgang.
    Das, was auf dem Weg passiert und sich verändert, höher wertzuschätzen als das angestrebte Ziel.

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  15. @Amike: Ich würde dir gerne die Lieder übersetzen, glaube aber nicht, daß ich der poetischen Komponente Rechnung tragen könnte. Deshalb lasse ich es lieber und gebe mich selbst damit zufrieden, daß ich den Sinn zu erahnen glaube.
    Wenn selbst Mutterprachler manche der Sätze als genial bezeichnen, dann würde ich mich einfach zu weit herauslehnen.
    Das erste Stück ist übrigens die Titelmelodie zu dem Film "Motorcycle Diaries - Die Reise des jungen Ché" aus dem Jahr 2005, der mir sehr gut gefiel. Für diese Canción hat Drexler einen Oscar bekommen. Geradezu skandalös war, daß er das Lied damals bei der Verleihung nicht spielen durfte, was er so beantwortete, daß er statt sich dafür zu bedanken einige Strophen ohne Begleitung sang und dann sofort von der Bühne abtrat.
    Vielleicht hat dir ja seine Musik auch einfach so gefallen.

    @Frau Mop: "Fühler ausstrecken"
    Das tue ich auch. Da ich auch alles autoritäre nicht mag, könnten wir ja in Verbindung bleiben. Seltsamerweise hatte ich schon Ideen oder Bekannte, die andere konkret weiterbrachten, trete aber momentan leider ziemlich auf der Stelle. Der Jupiter im zweiten Haus (so sagte man mir) läßt mich kleine Fortschritte oft nicht als solche für die eigene Person erkennen. :-)

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  16. @Mrs. Mop
    „Da ist hundertpro was dran. In der gesamten Zeit, die ich mit Bloggen verbracht habe, hätte ich mal locker fünf leerstehende Häuser für Community-Zwecke besetzen, drei Volksküchen bekochen und mindestens einen revolutionären Gesangsverein, wenn nicht sogar zwei, gründen können. Mitunter bringt mich das schon ins Grübeln.
    Etwas sehr Nachdenkenswertes hat dazu der @blogwart geschrieben.“

    Dieser Blog würde nicht gelesen werden, wenn Mrs. Mop den Menschen nicht aus der Seele sprechen würde, wenn sie sich nicht über die Gewandtheit der Sprache von Mrs. Mop freuen würden und wenn für sie die Informationen nicht wichtig wären.

    Dazu sage ich: Chapeau!

    Bloggen erfüllt Bedürfnisse. Sonst würde man es nicht tun. Es macht Freude, entlastet psychisch und stärkt die BloggerIn, wenn sie positive Resonanz erfährt.
    Die LeserIn erfährt, dass nicht völlig allein auf dieser Welt ist mit ihren Wahrnehmungen und Ideen. Das kann hilfreich zur Überwindung von Selbstzweifeln und Depressionen sein, insbesondere wenn jemand ständig von seiner Umwelt rückmeldet bekommt, dass seine Wahrnehmungen und Ideen inakzeptabel und „verrückt“ seien.

    Zudem werden mit dem Bloggen nicht nur „Meinungen“ (vgl @blogwart) ins Netz gestellt, sondern auch Informationen weitergegeben.

    Alles, was Bedürfnisse erfüllt und psychisch entlastet, kann zur Flucht aus der Realität und zur Sucht führen. Die Psychoanalyse nennt dies Regression, deren Folge die Herausbildung von neurotischen Charakteren ist.

    @blogwart schreibt dazu:
    Das ist der wahre Klassengegensatz bei uns: Auf der einen Seite die Klasse derer, die sich gut fühlen, selbst wenn es ihnen schlecht geht, die positiven Denker, die Verdränger, die Ignoranten, die Idioten und Naiven …

    Das sind jene Menschen, welche ihre Wahrnehmung von der Realität abgekoppelt haben und sich selbst in ihrem Gehirn eine Scheinwelt konstruiert haben, die sie für Realität halten.

    Bloggen kann beides sein, nämlich Mittel einer progressiven Realitätsbewältigung oder regressive Flucht in Scheinwelten und Pseudo-Gemeinschaften.

    Alles Gute!

    HAM

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  17. Von mir aus darf gelöscht werden.

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  18. @HAM

    Vielen Dank für diese aufbauenden Worte! Natürlich ist das Bloggen für mich zu einem ganz wichtigen stabilisierenden und unverzichtbaren Faktor geworden, in diesem - nicht nur meinem - oft so verstörenden Leben, wo ich auf der Suche bin nach Authentizität und sinnhafter Struktur inmitten einer fast wahnhaften gesellschaftlichen Entgleisung Orwellschen Ausmaßes.

    Das Bloggen kostet mich ja nicht nur Zeit und Energie, sondern gibt mir ein Vielfaches an Kraft und Energie zurück, ohne die ich vermutlich längst zu einem verknautschten zweibeinigen Gallepaket verkommen wäre. Und mit grüngelber Galle im Leib lässt sich nun wirklich keine Revolution machen, erst recht kein revolutionärer Gesangsverein. Auf die Idee bin ich ja auch nur durchs Bloggen gekommen; schließlich kann man über all das, worüber sich schreiben lässt, auch singen ;).

    Cheers!

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  19. @Amike

    "Mit Bitte an Frau Mop, die Adresse wieder rauszueditieren, wenn möglich?"

    Leider überschätzt Du da die technischen Optionen bei blogspot.com gewaltig. Die lassen mich innerhalb von Kommentaren nicht editieren, da heißt es nur: Friss oder stirb, sprich: den Kommentar komplett löschen oder so stehenlassen, wie er reingestellt wurde.

    (In dem Zusammenhang fällt mir ein, neulich hat ein englischer blogspot-Blogger die These aufgestellt, blogspot sei halt die "proletarische" Liga im Gegensatz zur "Bourgeosie-Fraktion" der Wordpress-et-al-Blogger mit ihren unzähligen Zugriffs- und Verfeinerungsoptionen. Hab mich fast totgelacht. Muss mal den Link raussuchen.)

    Soll ich jetzt Deinen kompletten Kommentar löschen? Mache ich höchst ungern, weil ich mich ja gefreut habe über das, was Du schriebst. Schrobst. Geschruben habest. Jessas! Hilfe :)!

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  20. @ Frau Mop:

    Also, für mich hat es definitiv was gebracht, diesen Blog zu lesen, wobei wir allerdings wieder bei den Kategorien Gescheitert/erfolgreich wären. Sagen wir lieber, dein Blog hat mich auf einem bestimmten Weg begleitet, auf dem ich nun ein bisschen mitten im Felde stehe und sehr dankbar bin, dass es Menschen wie dich gibt, an denen man sich orientieren kann, aber auf eine Art und Weise, die Kommunikation nicht ausschließt. Will heißen, ich kann hier auf diesem Blog munter mit dir diskutieren, du wirst nicht zu einer Art Ikone, nur weil ich deine Ideen und deinen Stil mag (was mir manchmal bei Autoren passiert, die der Kommunikation nicht zugänglich sind).

    @ R@iner: Ich bin eh zu verkopft, vllt tut es mir auch gut, hin und wieder nur der Musik und nicht dem Text zu lauschen. Deine Idee vom Kontakt halten (auch wenn eher an Frau Mop gerichtet) finde ich übrigens gut. Ich werde einfach mal ganz dreist nach deiner und Frau Mops Emailadresse fragen. Könnt ihr sie an Emailadresse schicken? (Mit Bitte an Frau Mop, die Adresse wieder rauszueditieren, wenn möglich?)

    Amike

    PS: So, nun haben wir beides. Bitte um Löschen, Captain.

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  21. @Amike

    Ist erledigt. Jetzt ist die Kommentar-Reihenfolge zwar ein bisschen Kraut-und-Rüben-mäßig, aber passt scho ;).

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  22. @Mrs. Mop
    „in diesem - nicht nur meinem - oft so verstörenden Leben, wo ich auf der Suche bin nach Authentizität und sinnhafter Struktur inmitten einer fast wahnhaften gesellschaftlichen Entgleisung Orwellschen Ausmaßes“

    Leider kann man sich aus dem gesellschaftlichen Sumpf – aus dem gesellschaftlichen Ganzen – nicht selbst an den eigenen Haaren herausziehen.

    Aber man kann versuchen, dieses Leben zu einem gelingenden Leben zu gestalten.

    Ansätze entwickeln, die – wie oben geschrieben – „Perspektiven eröffnen für ein solidarisches, alltagspraktisches, kreatives Zusammenarbeiten jenseits herrschender Systemzwänge“.

    Dazu gehört „auch die mitunter sehr schmerzhafte Erkenntnis, dass die Beteiligten nicht nur guten Willens, sondern auch von der herrschenden Kultur geformt bzw. deformiert sind, mit allen potentiell destruktiven Verhaltensmustern, die wir nun mal ein Leben lang gelernt haben.“ Und die Einsicht, „dass wir längst Teil jener Kultur geworden sind, an deren Überwindung uns gelegen ist.“

    Nur auf Basis dieser Einsicht – so denke ich – können diese Perspektiven „für ein solidarisches, alltagspraktisches, kreatives Zusammenarbeiten“ eröffnet werden, ob völlig „jenseits herrschender Systemzwänge“ ist allerdings die Frage.

    Dann kann revolutionäre Gelassenheit – womit keineswegs Gleichgültigkeit gemeint ist – entstehen.
    Gelassenheit und Verständnis auch gegenüber jenen Menschen, die sich bewusstseinsmäßig gegenüber der gesellschaftlichen Realität immunisiert haben und gegenüber Veränderung Abwehr und Widerstand zeigen. Weil man erkennt, dass es sich um unbewusste Strategien des psychischen Überlebens handelt, in denen diese Menschen gefangen sind. Gefangenheit, welche als solche nicht erlebt wird, sondern - paradoxerweise - als Herstellung von subjektivem Wohlbefinden.

    Cheers zurück!

    HAM

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  23. @ HAM

    "...dass es sich um unbewusste Strategien des psychischen Überlebens handelt, in denen diese Menschen gefangen sind. Gefangenheit, welche als solche nicht erlebt wird, sondern - paradoxerweise - als Herstellung von subjektivem Wohlbefinden."

    D'accord. Wobei das so 'erkaufte' subjektive Wohlbefinden ein brüchiges sein dürfte, unter dem latent eine gewaltige deprimierende Offenbarung lauert: nämlich zu erkennen, dass die eigene Lebensenergie der Aufrechterhaltung einer ausgeklügelten propagandistischen Lüge geopfert wurde, und man mit seinen eigenen (aus der Abwehr geborenen) Überzeugungen den Grundstein gelegt hat für das Funktionieren dieser Lügen.

    Sicherlich ist die grausame Erkenntnis, sein Leben als ideologischer Helfershelfer für die eigene Ausbeutung verbracht zu haben, für viele Menschen schwerer zu ertragen bzw. einzugestehen als das fortgesetzte Überleben in "Gefangenheit". Jene Erkenntnis kann einem Menschen schlicht den Boden unter den Füßen wegziehen, und wenn dann nichts und niemand da ist, der dieses Entsetzen konstruktiv auffangen und transformieren könnte, bleibt als trügerische Alternative eben nur das Verbleiben in der Gefangenheit. Immerhin hat man dort viel Gesellschaft.

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  24. @Mrs. Mop
    „Wobei das so 'erkaufte' subjektive Wohlbefinden ein brüchiges sein dürfte, unter dem latent eine gewaltige deprimierende Offenbarung lauert …
    Sicherlich ist die grausame Erkenntnis, sein Leben als ideologischer Helfershelfer für die eigene Ausbeutung verbracht zu haben, für viele Menschen schwerer zu ertragen bzw. einzugestehen als das fortgesetzte Überleben in "Gefangenheit".“

    Die Frage ist, inwieweit dies heute noch zutrifft?

    Denn der „neue Sozialisationstyp“ ist nicht mehr – wie beim Freudschen Modell – eine Konflikt-, sondern eine Defizitsozialisation.

    Dort treten nicht mehr „Es“ und „Über-Ich“ in Konflikt, welchen das „Ich“ managen muss, sondern es wird gar kein erwachsenes Ich gebildet. Es findet kein Übergang vom Lust- zum Realitätsprinzip statt, weil die Entwicklungsstufe des „Realitätsprinzips“ überhaupt nicht erreicht wird, sondern die Individuen stagnieren psychostrukturell auf der Stufe eines Kindes.

    Die „modernen“ Neurosen sind nicht mehr primär Ausdruck von Regression, sondern von Stagnation und Defizit in der Ich-Entwicklung.

    Zugleich gibt es selbstverständlich die „alten“ Neurosen, also regressive Entwicklungen.

    Egal, ob es sich Neurosen des „alten“ oder „neuen“ Typs handelt, immer wird von den Subjekten selbst eine eigene, heile Welt in ihren Gehirnen konstruiert. Und diese Welt ist eine infantile Welt. Entsprechend „verspielt“ sind die heutigen Menschen im Erwachsenenalter, so z. B. mit ihren Spielgeräten von Apple etc.

    Alle Menschen sind „Gefangene“ ihrer Gehirne, „psychische und geistige Freiheit“ sind nichts Angeborenes, sondern Resultat der eigenen „Arbeit am und mit dem Gehirn“ bzw. – in der idealistischen Sprache – der „Selbstbildung“ und „Selbsttätigkeit“.

    Ich denke, darum geht es, will man „Perspektiven eröffnen für ein solidarisches, alltagspraktisches, kreatives Zusammenarbeiten jenseits herrschender Systemzwänge.“

    Kreativ bedeutet, dass man als Subjekt etwas gestaltet, was vorher nicht da war. Und sich so überhaupt als ein Subjekt erleben kann.

    Diese Kreativität sollte sich insbesondere richten auf die Gestaltung des menschlichen Zusammenlebens, so wie es der humanistische Idealismus formuliert hat: Dem Wahren, Schönen und Gutem. Also auf ein gelingendes und erfülltes Leben.

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  25. Sorry, Absender fehlt.

    Noch etwas zum Satz:
    „Immerhin hat man dort viel Gesellschaft.“

    Vor allem wird systemkonformes Verhalten belohnt, sowohl materiell wie auch psychisch durch soziale Anerkennung.

    Deshalb ist es so wichtig, dass diejenigen, die anderes leben wollen, eigene kulturelle Kontexte schaffen.

    HAM

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  26. "Deshalb ist es so wichtig, dass diejenigen, die anderes leben wollen, eigene kulturelle Kontexte schaffen."

    Gestern führte ich eine lange und sehr fruchtbare Unterhaltung mit einem Operntenor über "Räume", die es zu besetzen gilt, damit durch die eigene Nichtemanzipiertheit keine Lehrstände entstehen, die dann von anderen ausgefüllt werden können.
    Der kulturelle Raum und der wirkliche überschneiden und bedingen sich gegenseitig.

    Was Du mit diesem Satz beschreibst, ist auch einer der Grundpfeiler des Occupy-Gedankens, wenn ich das richtig sehe.

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  27. Mrs. Mop, ich möchte nicht, dass meine Beiträge unangemessen viel Raum einnehmen. Also bitte sagen, wenn es zu viel ist oder nicht interessiert.

    Aus meiner Sicht sind es sehr wichtige Punkte, die hier angesprochen werden.

    So die Frage, was und wer kann mit dem Internet-Bloggen erreicht werden, wer und was NICHT?

    Dazu gehören auch die erlebte Isolation und Exklusion.

    Dazu schrieb Mrs. Mop am 29.2.12:

    Kritische Auseinandersetzung mit dem System und seiner Propaganda macht einsam. Denn in aller Regel zieht ja das soziale Umfeld (Kollegen, Familie, Freunde, Partner etc.) nicht mit, wenn einer anfängt, herrschende Ideologien in Frage zu stellen. Die Folgen reichen von Spott und Distanzierung bis hin zu sozialer Isolierung. Es muss einer schon ein gehöriges Maß an Autonomie und Kraft (im Sinne von Ichstärke) mitbringen, um sich von solchen Mechanismen nicht kleinkriegen zu lassen, d.h. sich diesem Gruppendruck nicht anzupassen und die aus einer kritischen Geisteshaltung notwendig resultierende Vereinsamung zu ertragen.

    Es ist wichtig zu wissen, warum die Idee einer Transformation der Gesellschaft bei 90% auf Ignoranz, Abwehr und Widerstand stößt. Und WARUM sich dies erst ändern KANN, wenn die äußeren Bedingungen wegfallen, welche die systemische und sozialpsychologische Basis dieser Abwehr und dieses Widerstands bilden. Aber vorher werden diese Menschen höchstwahrscheinlich ihre Hoffnung auf „Systemrettung“ durch charismatische Führungspersonen usf. setzen.

    Auf die Massenwirksamkeit revolutionärer Ideen zu hoffen („Die Idee wird zur materiellen Gewalt, wenn sie die Massen ergreift.“) und deshalb zu versuchen, die Massen aufzuklären und/oder zu agitieren, ist unter den heutigen Bedingungen massenmedialer Manipulation und sozialtechnologischer Kontrolle – so meine Überzeugung - eine Illusion, daher Sackgasse sowie Zeit- und Energieverschwendung.

    Deshalb ist für mich die Konsequenz daraus, mit „Gleichgesinnten“ zu versuchen, so etwas wie einen auch zu mir passenden „kulturellen Kontext“ zu entwickeln, in dem Bedürfnisse befriedigt, Ideen entwickelt, Kreativität entfaltet, Solidarität gelebt und zugleich Idee und Ziel einer „menschlichen Menschheit“ am Leben gehalten werden können.

    HAM

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  28. @R@iner
    Was Du mit diesem Satz beschreibst, ist auch einer der Grundpfeiler des Occupy-Gedankens, wenn ich das richtig sehe.

    Das mag sein. Wenn dem so ist, dann muss man sich fragen, ob so etwas wie ein kultureller Kontext „okkupiert“ (besetzen, erobern, in Besitz nehmen …) werden kann?

    Aus meiner Sicht kann man Kultur nicht wie einen Platz, eine Straße etc. voluntaristisch und aktionistisch „okkupieren“, sondern Kultur bedarf der Entwicklung.

    Kulturelle Kontexte entwickeln sich sehr heterogen, je nachdem, was die konkreten Individuen an internalisierter Kultur mitbringen und wie sie sich einbringen (können).

    Die Vorstellung der Möglichkeit einer kulturellen „Instant-Revolution“ der Gesamtgesellschaft halte ich für ahistorisch und völlig falsch.

    Wenn man z. B. an die „68-er-Bewegung“ denkt, dann schien es anfänglich so, als gäbe es so etwas wie eine gemeinsame Kultur. Tatsächlich hat sich die Bewegung aufgesplittet in Gruppen und Grüppchen, die sich dann gegenseitig bekämpften und nach relativ kurzer Zeit – so Mitte der 70-er – gab es „die 68-er“ nicht mehr. Die Bewegung war umgekippt. Karriere, Konsum und Privatisieren standen nun auf der Tagesordnung, innerhalb ganz kurzer Zeit war es dann auf Partys tabu, über Politik zu reden.

    Ein anderes Beispiel für das Scheitern der Entwicklung einer „Gegenkultur“ ist die – untergegangene - „Arbeiterkultur“ mit ihren Selbsthilfe-, Solidaritäts-, Bildungs- und Kulturprojekten. Die Entwicklung dieser „Arbeiterkultur“ hat Jahrzehnte gedauert und war ein transgenerationaler Prozess. Wobei sich diese Kultur an der bürgerlichen Hochkultur des 18. Jahrhunderts orientierte.

    Interessant wäre es, zu erfahren, inwieweit im Occupy-Camp Prozesse abgelaufen sind, die auf Seiten der Individuen zu Veränderungen und zu gewissen kulturellen Gemeinsamkeiten geführt haben. Wobei dies nichts über Dauerhaftigkeit und Tragfähigkeit dieser Prozesse aussagt.

    „Weniger ist mehr“ gilt aus meiner Sicht gerade für die Entwicklung von kulturellen Kontexten. Lieber mit wenigen „Gleichgesinnten“ etwas angehen, was tatsächlich in Praxis umgesetzt werden kann und wird, als mit vielen die Zeit sinnlos mit folgenlosem Gerede und Streit zu vergeuden.

    Einen schönen Tag!

    HAM

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  29. @HAM: Wir verstehen uns da glaub' ich schon ganz gut. Diese Türen mußt Du hier nicht einrennen. Mein Fokus gilt generell kleinen Strukturen, die jeder Teilnehmer noch überschauen und so für sich jederzeit entscheiden kann, ob er/sie noch gewillt ist, die Dachkonstruktion noch mitzutragen.

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  30. @HAM

    „Mrs. Mop, ich möchte nicht, dass meine Beiträge unangemessen viel Raum einnehmen. Also bitte sagen, wenn es zu viel ist oder nicht interessiert.“

    Nur zu, bitte weiter, dazu ist das Blog ja da!

    „Interessant wäre es, zu erfahren, inwieweit im Occupy-Camp Prozesse abgelaufen sind, die auf Seiten der Individuen zu Veränderungen und zu gewissen kulturellen Gemeinsamkeiten geführt haben.“

    Abgesehen von meiner ersten Antwort auf @Amike in diesem Kommentarthread habe ich aus meiner Camp-Zeit darüber vieles hier im Blog festgehalten. Vieles, was mich Staunen gemacht hat, an mir selbst und an anderen.

    Essentiell für mich, unter anderem, die mit anderen Menschen geteilte Erfahrung von Armut, die mir einen ganz neuen Horizont eröffnet hat, nämlich den, sich der Armut nicht zu schämen, sondern einen fast hedonistischen, selbstbewussten gemeinschaftlichen Umgang mit ihr zu pflegen, siehe Lachen mit Lapuente.

    Zu meiner persönlichen Horizonterweiterung gehört unbedingt auch das bereits oben Erwähnte: „Das Tolle am gemeinsamen Schaffen ist ja, dass man sich dabei von Kopf bis Fuß kennen und - ganz wichtig! - sich gegenseitig besser ertragen lernt und nicht beim ersten Anzeichen von Dissenz sektiererisch den Hammer fallen lässt.“
    Den anderen in seiner Andersartigkeit zu ertragen, womöglich gar zu wertschätzen, ihm auf jeden Fall zuzuhören und nicht gleich genervt die Ohren zuzuhalten, wenn er Dinge erzählt, die nicht in mein eigenes kleines Wertesystem passen - hätte ich als notorisch ungeduldiger Mensch bis vor einem halben Jahr nicht für möglich gehalten. Geht aber, Camp sei Dank. Weil die „Entwicklung eines (gemeinsamen) kulturellen Kontextes“ es ermöglicht, die eigenen, für unabänderlich geglaubten Grenzen zu erweitern, auszudehnen. Nur mal so als Beispiel.

    „Kreativ bedeutet, dass man als Subjekt etwas gestaltet, was vorher nicht da war. Und sich so überhaupt als ein Subjekt erleben kann.“

    Ja, genau. Das gilt für den individuellen Bereich des kreativen Gestaltens ebenso wie für die Sphäre des kollektiven Gestaltens; beides ermöglicht es, sich als Subjekt zu erleben, als Subjekt (wage)mutiger zu werden, sich und anderen mehr zuzutrauen als zuvor, offener zu werden, belastbarer zu werden, experimentierfreudiger zu werden. Und natürlich Befriedigung zu empfinden über Gelungenes, neu Gestaltetes. Und: zu erleben, dass diese Befriedigung den mit dem Experimentieren notwendig einhergehenden Frustrationen standhält, diese wettmacht, einfach weil das Gefühl der Befriedigung stärker ist und ihm so eine energetisierende Kraft innewohnt.

    Wobei mir jetzt wie aus heiterem Himmel der gute alte Alfred Hitchcock einfällt. Muss an den Horizonten liegen ;). Es gibt ein ganz kurzes, wunderbares Video mit ihm, ‚Hitchcock‘s Definition of Happiness‘, wo er das, was ich meine, kurz und bündig zum Ausdruck bringt:

    „a clear horizon,
    nothing to worry about on your plate,
    only things that are creative and not destructive ...
    I know we‘re only human,
    we do go through these negative emotions,
    but when all these are removed,
    and you can look forward,
    and the road is clear ahead,
    and now you‘re going to create something -
    I think that‘s as happy as I would ever want to be.“

    I agree.

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  31. @Mrs. Mop
    Essentiell für mich, unter anderem, die mit anderen Menschen geteilte Erfahrung von Armut, die mir einen ganz neuen Horizont eröffnet hat, nämlich den, sich der Armut nicht zu schämen, sondern einen fast hedonistischen, selbstbewussten gemeinschaftlichen Umgang mit ihr zu pflegen, siehe Lachen mit Lapuente.

    Ich frage mich, ob im Zusammenhang mit dem Camp wirklich die „Erfahrung von Armut“ stattgefunden hat?

    Wenn jemand zu einem Survival-Training geht, dann ist das nur Survival-Simulation. Sicher, er erträgt Hunger, Nässe und Kälte, er isst Würmer etc. Aber es ist kein echter Kampf ums Überleben. Denn das Training ist so konzipiert, dass alle überleben. Dafür ist vorgesorgt.

    Im Grunde ist das Survival-Training ein Spiel.

    Auch das Camp ist nur ein Spiel. Eine Art Happening. Jeder kann jederzeit aussteigen. Aus echter Armut hingegen kann man nicht einfach aussteigen.

    Der Occupy-Mythos gibt dem Camp einen Rahmen, der aus dem Campen eine politische Handlung macht. Wie bei allen symbolischen Aktionen spielt magisches Denken eine zentrale Rolle, so die Überzeugung, man könne man mit dem Campen einen Beitrag zu einer besseren Welt leisten.

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  32. Sorry, Absender ist HAM

    (Werde versuchen, das Profil auf "Name" umzustellen, das hatte bei ersten Versuch nicht funktioniert.)

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  33. "Ich frage mich, ob im Zusammenhang mit dem Camp wirklich die „Erfahrung von Armut“ stattgefunden hat?"

    Natürlich kannst Du Dich das fragen. Aber die Frage ist, inwieweit sich reale Erfahrungen, die Menschen gemacht haben, in Frage stellen lassen.

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  34. @Mrs. Mop
    "Aber die Frage ist, inwieweit sich reale Erfahrungen, die Menschen gemacht haben, in Frage stellen lassen.“

    Diese Erfahrungen möchte ich keineswegs in Frage stellen.

    Meine These ist lediglich, dass es einen Unterschied in der Erfahrung macht, ob jemand freiwillig für eine begrenzte Zeit unter Armutsbedingungen lebt und jederzeit aussteigen kann oder ob ein Mensch unter Armutsbedingungen leben muss und nicht die Möglichkeit hat, auszusteigen.

    HAM

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  35. Zur Information, da Du offenbar über meine persönliche Situation nicht im Bilde bist: Ich habe bereits vor meiner Campzeit - allerdings individuell - unter Armutsbedingungen gelebt, habe dies im Camp unter kollektiv organisierten Vorzeichen fortgesetzt, bin aus der kollektiven Camp-Armut ausgestiegen und lebe inzwischen wieder unter individuellen Armutsbedingungen.

    Zu Deiner These,

    "Auch das Camp ist nur ein Spiel. Eine Art Happening. Jeder kann jederzeit aussteigen. Aus echter Armut hingegen kann man nicht einfach aussteigen."

    möchte ich hinzufügen, dass das Camp praktisch von Anfang an von vielen Obdachlosen bewohnt und besucht wurde. Wohlgemerkt: von echten, leibhaftigen und keinen gefaketen Obdachlosen. Was aus dem sogenannten "Spiel" bzw. "Happening" in vielerlei Hinsicht durchaus oft den Ernstfall gemacht hat.

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  36. @Mrs. Mop

    Sorry, wenn ich unbeabsichtigt Gefühle verletzt habe!

    Wenn ich Deutschland bin, so bin ich immer wieder erstaunt wie divergent die Entwicklung in Deutschland seit der rot-grünen Regierungsübernahme im Jahre 1998 im Vergleich zur Schweiz – wo ich heute lebe - gelaufen ist.

    Mein Bild von „Frankfurt Occupy“ ist massenmedial geprägt. Dass es im Camp so viel reale Armut gibt, habe ich mir so nicht vorgestellt. Und wenn ich erfahre, welche Menschen trotz ihrer Qualifikationen und Kompetenzen in Deutschland unter Armutsbedingungen leben, so ist dies für mich fast unerträglich.

    Das ist nicht mehr „mein“ Deutschland, wo ich ein halbes Jahrhundert lebte, dort studierte und arbeitete.

    Insofern war ich wirklich nicht im Bilde.

    HAM

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  37. @HAM: In der Schweiz gibt es doch aber auch Leute, die sich über die Verhältnisse beschweren, oder?
    Ich habe von 2001 bis 2006 immer mal wieder dort gearbeitet (Software) und muß sagen, daß es mir dort nicht gefiel. Abgesehen davon, daß mir ein Millionär mir zwar seine Autosammlung zeigte, mich dann aber für die Arbeiten nicht bezahlte, hatte ich genau wie in D-land das Gefühl, es ständig mit hirngewaschenen Menschen zu tun zu haben.
    Der Unterschied war, daß es bei den Leuten mit denen ich dort zu tun hatte geradezu verpönt war, überhaupt über Geld oder Politik zu sprechen und sie sich über die Deutschen lustig machten, die mit solch überflüssigen Themen den Abend auf der Stehparty zu versauern im Stande sind.
    Understatement war das oberste Devise und es ist ja auch viel entspanneder über italienische Weine zu reden, als über den hohen Zulauf der Rechtspartei.
    Der Rolls Royce bleibt zuhause. In die Firma fährt der Chef mit dem A3.
    Im Nachhinein muß ich sagen, daß mir die kulturellen Unterschiede immens vorkamen und ich mich dort sehr unwohl fühlte, obschon ich dort auch mit dem Audi S8 rumkutschiert wurde und von daher wenigstens äußerlich adaptiert war.
    Vielleicht hatte ich auch nur das Gefühl über das gewohnte Maß schauspielern zu müssen, weil mein Auftraggeber sich über allem stehend präsentierte - Ich weiß es nicht.
    Klar, nicht alle Schweizer sind gleich, aber meine Vorurteile habe ich weg. Für mich ist das dort nix.

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  38. @HAM: Noch etwas: Du scheinst große Lücken zu haben über die Verhältnisse in Deutschland. Macht dich das nicht wütend, wenn Du liest, daß hier jedes sechste Kind in Armut aufwächst und die bereinigten Löhne seit 1991 lt. Statistischem Bundesamt um 3 Prozent gefallen sind? Oder weißt Du es tatsächlich nicht?
    Naja, wenn ich hier weg wäre, weiß ich auch nicht sicher, ob ich mich noch einmal umdrehen würde.

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  39. @R@iner

    Mir geht es in meiner Anmerkung um die Schere in der sozioökonomischen Entwicklung im Vergleich zwischen Deutschland und der Schweiz.

    Seit den 70-ern Jahren gab es mehrere Jahrzehnte eine fast parallel laufende ökonomische Entwicklung bis in die 90-er. Der Lebensstandard – Reallöhne/Lebenshaltungskosten - war etwas höher, geschätzt so ca. 10%. Lange Zeit waren DM und CHF in der Währungsparität eng beieinander, der CHF nur geringfügig höher.

    In der Schweiz gibt es weitgehend eine Kontinuität in der sozioökonomischen Entwicklung (z. B. Erhalt des Mittelstandes), während in Deutschland sei rot-grüner Regierungsübernahme im Jahr 1998 ein radikal neoliberaler Kurs eingeschlagen wurde.

    Das wäre in der Schweiz so nicht möglich gewesen. Weil es im Gegensatz zur deutschen Schein-Demokratie in der Schweiz eine Demokratie gibt, wo das Volk Entscheidungen treffen kann. Gegen die Agenda 2010 wäre das Referendum ergriffen worden und wenn das Volk „Nein!“ gesagt hätte, wäre damit aus gewesen.

    So wie jetzt mit der Buchpreisbindung, welche die Regierung wieder einführen wollte.

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  40. @R@iner
    Macht dich das nicht wütend, wenn Du liest, daß hier jedes sechste Kind in Armut aufwächst und die bereinigten Löhne seit 1991 lt. Statistischem Bundesamt um 3 Prozent gefallen sind?

    Wen macht dies denn IN DEUTSCHLAND wütend?

    Bis vor ein paar Jahren habe ich noch an einer deutschen Hochschule gearbeitet. Bei der Agenda 2010 habe ich von Anfang an darauf hingewiesen, dass es sich um ein Volksverarmungsprogramm handelt.

    Wen interessierte dies?

    NIEMANDEN.

    Nicht die Studenten, nicht die Professoren.
    Letztere haben noch nicht einmal dagegen opponiert, als Rot-Grün massiv ihre Pensionen kürzte.

    Die letzte APO gab es in Deutschland 1967/1968, die gefühlte historische Distanz ist nahezu gleich zu 1848.

    HAM

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  41. @HAM: Danke für deine Antworten. Dem was du schriebst, habe ich momentan nichts weiterführendes hinzuzufügen und leider auch keine anderslautenden Erfahrungen entgegenzusetzen.

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  42. @R@iner

    Wenn ich Deutschland aus der Außenperspektive betrachte, so stellt sich für mich vor allem eine Frage: Wie kann man dieses Land so abwirtschaften? Ein Land, welches aufgrund seines wissenschaftlich-technischen Niveaus beste Voraussetzungen für den Erhalt und die Entwicklung von allgemeinem Wohlstand hatte.

    Denn dass Deutschland unter Missachtung von gesamtgesellschaftlicher Rationalität - beginnend schon in den den 70-er Jahren -abgewirtschaftet wurde, zeigt z. B. allein der empirische Vergleich mit der Schweiz.

    Trotzdem wird dieser gesellschaftliche Niedergang von vielen selbst heute weiterhin verdängt, auch in sich fortschrittlich gebenden bzw. sich dafür haltenden Blogs. Fatalistisch hofft man, dass es – „irgendwie, man weiß nicht wie“ - eine Wende zum Positiven gibt.

    Diese Realitätsverleugnung kennzeichnet das gesellschaftliche Geschehen in Deutschland seit dem Untergang von APO und dem Verschwinden einer kritischen Intelligenz.

    Was spätere Generationen nicht verstehen werden:
    Der gesellschaftliche Niedergang war voraussehbar, an Mahnern und Warnern hat es nicht gefehlt.

    Man weiß nicht, was eigentlich schlimmer ist:
    Eine Oberschicht, die aus Bereicherungssucht die Zerstörung der Gesellschaft billigend in Kauf nimmt, oder eine Bevölkerung, die alle Zumutungen, Verschlechterungen und Erniedrigungen ignorant und widerstandslos hinnimmt.

    Dies ist jedoch Tradition in Deutschland.

    Was Deutsche und Schweizer unterscheidet ist der Unterschied im Bezug zum Gemeinwesen. Die Schweizer sorgen dafür, dass auch ihre Kinder eine gute Zukunft haben. Kindergärten, Schulen, Hochschulen, das Gesundheitswesen, das Sozialwesen – die gesamte Infrastruktur, all dies ist sehr gut. Die Arbeitslosigkeit wird niedrig gehalten, das Lohnniveau ist hoch. Etc.

    Die Schweizer denken sehr „national“, aber nicht im Sinne eines rassistischen Blut-und-Boden-Nationalismus, sondern im Sinne der Gesamtgesellschaft. So z. B. wenn Stellen besetzt werden, kämpfen sie darum, dass diese eine SchweizerIn erhält. Auch wenn dies von außen wie ein „kollektiver Egoismus“ aussehen mag, es ist Ausdruck von gesamtgesellschaftlicher Rationalität, welche den Wohlstand und die soziale Sicherheit des Schweizer Gemeinwesens erhält.

    Die gesamtgesellschaftliche Rationalität der Schweizer Politik hat eine lange historische Tradition. Anders als Deutschland hat die Schweiz eine Entwicklung hin zu einer bürgerlichen Gesellschaft durchlaufen, hat sich als Willensnation und echte Demokratie konstituiert. Die Schweiz ist neutral und führt keine Kriege.

    Bei der Betrachtung der Entwicklung von Deutschland seit Ende der 70-er Jahre fällt mir Bourdieus Buch „Das Elend der Welt“ ein. Die Gesellschaft besteht nur noch aus „Randgruppen“, sagte einmal ein Soziologe in einer TV-Diskussion. Ein Sammelsurium und Nebeneinander verschiedenster „Soziotope“, die sich weder selbst, geschweige denn die anderen verstehen.

    HAM

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  43. @Mrs. Mop

    Das parzellierte Bewusstsein der diversen sozialen Kontexte ohne gemeinsamen gesamtgesellschaftlichen Bezug ist m. E. DAS Problem für das Entstehen einer Bewegung, auch bei „Occupy“.

    Alle sind „gegen den Kapitalismus“ – und alle stellen sich darunter etwas anderes vor.

    Wie kann eine Bewegung über symbolische Aktionen und die Organisation von Selbsthilfe hinaus zu einer verändernden politischen Praxis kommen?

    HAM

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  44. "Wie kann eine Bewegung über symbolische Aktionen und die Organisation von Selbsthilfe hinaus zu einer verändernden politischen Praxis kommen?"

    In der Frage ist die Antwort: Sie entwickelt sich daraus... ;-)

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  45. @Wat.

    Wow, Wat.

    Endlich bin ich mal mit Dir einer Meinung. Uneingeschränkt ;).

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  46. Ich schließe mich der Meinung der Frolleins an. ;-)

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    1. Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.

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  47. @Wat.
    In der Frage ist die Antwort: Sie entwickelt sich daraus... ;-)

    Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube!

    Denn dies ist doch im Prinzip das Gleiche wie das das klassische Konzept der SPD, so wie es in der Geschichte der Arbeiterbewegung praktiziert wurde.

    Symbolische Aktionen (Demonstrationen, Internationale singen, Friedenskongresse etc.) und Organisation von Selbsthilfe, aber zu einer gesellschaftsverändernden politischen Praxis ist es niemals gekommen.

    Im Gegenteil, trotz all der symbolischen Aktionen hat die SPD dann 1914 ff die Kriegskredite bewilligt …#
    Und die Proletarier haben, anstatt internationale Brüderschaft zu pflegen, sich gegenseitig umgebracht.

    Symbolische Aktionen können für die Teilnehmer psychologisch ganz wichtig sein, und die Organisation von Selbsthilfe wird zum Überleben benötigt, gerade in schlechten Zeiten.

    Aber wie daraus ein gesellschaftstransformativer Prozess entstehen soll/kann, das müsste erst einmal theoretisch erläutert werden.

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  48. Noch ergänzend dazu:

    Worum geht es beim politischen Engagement?

    Soll ein gesellschaftstransformativer Prozess organisiert werden, so sind klare Ziele und klare Vorstellungen erforderlich darüber, wie diese Ziele zu erreichen sind. Das ist so wie bei einer Unternehmensgründung. Man benötigt ein funktionierendes Geschäftsmodell, Strategien zur Realisierung, entsprechende Mittel etc. All dies entscheidet über Erfolg oder Misserfolg.

    Für Menschen, die Symbolpolitik betreiben, geht es vor allem um psychologische Effekte für sich selbst. Da ist die „Bewegung“ das Ziel, Erfolg oder Misserfolg spielen gar nicht die entscheidende Rolle.

    Das ist ähnlich wie zum Beispiel bei den Fussballfans. Fussball verändert nichts an der gesellschaftlichen Realität. Fussball spielt sich nur im Hier-und-Jetzt ab, es geht nur um Unterhaltung, das Gemeinschaftserlebnis etc. Materiell macht dies überhaupt keinen Sinn, es geht es nur um Psychisches.

    Letztlich gab es im TV Interviews mit Fans von Bayern München. Das Fan-Leben kostet ihn so 700 – 800 €/Monat, sagte ein Fan, die Hälfte seines Lohnes gebe er dafür aus.

    Für den Fussballfan ist Fussball sein „Leben“, d. h. Fussball spielt eine zentrale Rolle in seiner Identitätsbildung und Lebensgestaltung.

    HAM

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  49. @HAM

    Parteibildungsprozeß ist nicht allein die Bildung der Rechtsform "Partei".
    Im Gegenteil, steht sie allein als einziges 'politisches Instrument', führt sie politisches Engagement ad absurdum.

    Parteibildungsprozeß meint die Bildung einer großen Bewegung im Interesse der Bewegten. Da Du Dir hast einreden lassen und darum meinst, daß ohne 'Vordenker' Menschen nichts gemeinsam zustande bringen, kannst Du logisch auch nicht daran 'glauben', daß sie was zustande bringen...

    Da ist dann eben die Revolutionstheorie eines Marx passé.

    Aber was hat er denn gesagt: "Die proletarische Bewegung ist die selbständige Bewegung der ungeheuren Mehrheit im Interesse der ungeheuren Mehrheit."

    Da steht nicht, daß sie aufstehen und gleich die Gesellschaft transformieren. Da steht, daß sie sich für ihre Interessen einsetzen und wenn das erst einmal nur 'kleinbürgerliche' sind, dann sind auch das mal eben ihre.^^

    Auf jeden Fall steht da: selbständige Bewegung. Nichts mit: nach einem (von außen, von oben, von woanders) vorgegebenen Konzept handeln.

    Es ist nicht gut, andere außer zb. sich selbst für nicht gestaltungsfähig und -willig zu halten.

    "Soll ein gesellschaftstransformativer Prozess organisiert werden, so sind klare Ziele und klare Vorstellungen erforderlich darüber, wie diese Ziele zu erreichen sind. Das ist so wie bei einer Unternehmensgründung. Man benötigt ein funktionierendes Geschäftsmodell, Strategien zur Realisierung, entsprechende Mittel etc. All dies entscheidet über Erfolg oder Misserfolg"

    Verabschiede Dich von Lenin et al. Menschen haben die Bürgerlichen Revolutionen ohne Großkonzept hingekriegt, sie schaffen, wenn sie anders leben wollen, auch weiteres.

    Sie bestimmen, ob, wann und wie sie anders leben wollen. Kein Konzept und keine (einzelnen) Menschen mit einem Konzept.

    Und daß sie zumindest anders leben wollen, das wissen Menschen in einer Bewegung, darum sind sie ja in dieser.

    Bewegungen entwickeln sich ihr 'Konzept' aus der Dialektik ihres Lebens.
    Hat außerdem den Vorteil, daß zu jedem Zeitpunkt die Praxisfähigkeit von Vorstellungen und Wünschen überprüft wird.

    Am Reißbrett ist noch niemals eine bessere Welt entstanden!
    ... und die Kapitalkritik ist dazu da unsere heutige vielleicht schneller verstehen zu können - was eine bessere (für uns alle oder wenigstens denen in der Bewegung) ist, kriegen wir nur selbst und gemeinsam heraus.

    Mach in einer/der Bewegung mit, dann hast Du da (auch) eine Stimme, wie jeder andere dort seine.

    Vom gegenüberliegenden Straßenrand aus wird Deine Stimme nicht gehört werden - und das ist gut so ;-)

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  50. @Wat.

    Was sollen die Projektionen, Unterstellungen und Provokationen?
    Die ich zur Genüge aus anderen Blogs von Dir kenne.

    Parteibildungsprozess ist doch überhaupt kein Thema hier und bei mir.
    Mit Leninismus hatte ich noch nie etwas am Hut. Was Du weißt.

    Also diskutiere an der Sache oder ich werde Deine Beiträge in Zukunft ignorieren.

    Selbsthilfeorganisation ist notwendig, symbolische Aktionen sind für die Individuen wichtig.

    Aus beiden allein – so meine These – entsteht noch keine gesellschaftstransformierende Praxis. Jene Spontaneitätstheorien, welche diese annahmen, müssen aufgrund der historischen Erfahrungen als widerlegt angesehen wereden.

    Symbolische Politik gab es doch in den letzten Jahrzehnten mehr als genug. Zig-tausende Demonstrationen mit zig-tausenden Demonstranten, Aufrufe, Programmentwürfe, Petitionen, Unterschriftenlisten, zig-trausende Solidaritätsfeste, Rock-gegen-Rechts-Festivals usf.

    Ist da irgendetwas Bleibendes und Wachsendes herausgekommen?

    Haben sich die gesellschaftlichen Machtverhältnisse zu Gunsten der Bedürfnisse und Interessen der arbeitenden Menschen verändert?

    Welches Bewusstsein wird heute in den öffentlich-rechtlichen Medien, in den Schulen, Hochschulen etc. vermittelt?

    Oben im Thread wurde das praxislose Theoretisieren kritisiert. Dem stimme ich natürlich zu. Allerdings gilt zugleich: „Nichts ist praktischer als eine gute Theorie!“.

    Menschen haben die Bürgerlichen Revolutionen ohne Großkonzept hingekriegt, sie schaffen, wenn sie anders leben wollen, auch weiteres.

    Diese Behauptung zeigt völlige historische Unkenntnis, das Gegenteil ist zutreffend.

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  51. @HAM

    Das (gesellschaftliche) Sein bestimmt das Bewußtsein.

    Daran ändert(e) keine Schule dieser Welt etwas. Das kannst Du beklagen, solltest es aber mal auch historisch zur Kenntnis nehmen.

    Eine Theorie ist dann eine gute, wenn sie in ständiger Wechselwirkung mit der Praxis ist - wo wäre das besser möglich, als in einer Bewegung^^

    Theorie als allzeit gültige Handlungsgrundlage ist das Konzept von Religionen und Kirchen - Danke der Nachfrage, kein Bedarf.

    Aber auch darüber werden Menschen selbständig entscheiden, ob es für sie Handlungsgrundlage ist.

    Für mich wäre es keine, aber ich bin ja auch nicht alle - und werde niemals wieder in Anspruch nehmen, für andere sprechen, denken und handeln zu können...

    Du hast die These aufgestellt, daß aus "konzeptionslosem Handeln" keine Praxis der Gesellschaftstransformation abgeleitet werden kann.

    Ich stelle den gesellschaftlichen und historischen Beweis(!) dagegen, daß aus einer festen Konzeption für Menschen keine solche abzuleiten ist.

    Bürgerliche Revolutionen waren eben nicht nur eine Kopfsache, die materiellen Bedingungen dafür waren entwickelt, daß daraus Veränderungen vollzogen werden mußten. Die hätte niemand beschleunigen und auch niemand aufhalten können.

    Woher weißt Du überhaupt, was die Interessen und Bedürfnisse der arbeitenden Menschen sind. Ich behaupte, die kennen sie nur jweils jeder einzelne für sich selber und wenn ihnen was nicht mehr schmeckt, werden sie es auch ändern - aber eben nicht, weil ihnen jemand was von ihren Interessen und Bedürfnissen erzählt; weil sie selbst wissen, welche das sind.

    Und zwar zu jedem Zeitpunkt.

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  52. Eingangs schrieb Mrs. Mop:

    Alles klar? Früher: 68er, Hausbesetzer, antiautoritär, revolutionär kämpfend. Heute: staatstragend in bestem grünem Zwirn, für die CDU kämpfend und posierend, mit beiden Händen am Revers unter großer Fahne …

    „Bewegungen entwickeln sich ihr 'Konzept' aus der Dialektik ihres Lebens“ (Wat.)

    Kann man bei den Sozialdemokraten, Kommunisten und Grünen sehr gut beobachten. Der Weg geht regelmäßig von links nach rechts.

    Und gerade die Grünen waren und sind Experten für „Symbolpolitik“.

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  53. Weder Sozialdemokraten noch Kommunisten, auch nicht die Grünen haben sich in den letzten einhundert Jahren dauerhaft als Teil der Bewegung(en) verstanden. Sie waren letztendlich immer Avantgarde oder wenigstens Stellvertreter, die für andere handeln wollten.
    Die entsprechenden Ergebnisse sind tatsächlich zu sehen. ^^

    Mit Symbolen versucht man Menschen für eine Sache zu gewinnen, von der diese nicht meinen, daß es ihre ist. So soll es ihre werden.

    Niemand wird etwas ändern wollen, womit er (noch) leben kann.

    ... und als kleiner Nachschlag: Niemand wird etwas grundsätzliches ändern können, so lange die materielle Grundlage dafür nicht entwickelt ist.

    Dadurch, daß hier jetzt einige Computer herumstehen und die meisten sie bedienen können, steht noch keine nachkapitalistische Gesellschaft auf der Tagesordnung - fehlt immer noch die Grundlage für eine nachhaltige Transformation - mit Konzept und ohne auch.

    Gesellschaftstransformation heißt ja - in eine neue Gesellschaftsordnung gehen.
    Neue, andere Gesellschaftsordnung als jetzt wäre also eine, die nicht auf Warenwirtschaft und Lohnarbeit beruht, was hier das Kennzeichen ist.

    Wer will das denn. Gibt es wohl nicht viele. Wenn ich recht erinnere, gehörte auch @HAM nicht zu diesen. Es sollte nur durch ein bGE die Lohnarbeit nicht zwingend sein...
    Das wäre für mich aber keine Gesellschaftstransformation.

    So unterscheiden sich halt die Ansichten und Einschätzungen.

    Es ging ja um Bewegungen und wie sie zu einer verändernden politischen Praxis kommen.

    Eine Bewegung, die sich gefunden hat zu zeigen, daß sie mit einigen Auswüchsen nicht einverstanden ist, wird über kurz oder lang herausfinden, wie sie diese beseitigen kann.

    Das meine ich mit: Aus der Dialektik ihres Lebens ein Konzept entwickeln.

    Das schließt nicht aus, daß sie auch noch mal auseinander läuft, weil eben noch keine gemeinsame Lösung gefunden wurde, trotzdem ist das besser, als alle Lösungskonzepte mit denen sie nichts weiter zu tun haben (sollen), als sie umzusetzen.

    Es muß schon ihre sein, aus sich selbst heraus entwickelt.
    Btw. Da muß nicht mal einer einen Stift zum Aufschreiben parat haben...

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  54. @Wat.
    Weder Sozialdemokraten noch Kommunisten, auch nicht die Grünen haben sich in den letzten einhundert Jahren dauerhaft als Teil der Bewegung(en) verstanden. Sie waren letztendlich immer Avantgarde oder wenigstens Stellvertreter, die für andere handeln wollten.
    Die entsprechenden Ergebnisse sind tatsächlich zu sehen.


    Eine Beschreibung ist keine Erklärung.

    WARUM ist dies so gelaufen?

    Mach ein Gedankenexperiment. Lass eine gute Fee auftreten und alle Kapitalisten, Partei- und Gewerkschaftsführer etc. wegzaubern, also die gesamte herrschende Klasse und deren Funktionseliten.

    Was würde passieren? In kürzester Zeit wären die alten Verhältnisse wieder hergestellt. Nur die Figuren wären durch neue Aufsteiger ersetzt worden. Am System würde sich nichts Grundlegendes ändern.

    Gesellschaftstransformation heißt ja - in eine neue Gesellschaftsordnung gehen.
    Neue, andere Gesellschaftsordnung als jetzt wäre also eine, die nicht auf Warenwirtschaft und Lohnarbeit beruht, was hier das Kennzeichen ist.


    Eine neue Gesellschaftsordnung wäre nicht mehr durch eine kapitalistische Eigentumsordnung, nicht mehr durch kapitalistische Warenwirtschaft und nicht mehr durch kapitalistische Lohnarbeit gekennzeichnet. Also nicht mehr durch eine ausbeuterische Profitökonomie.

    Das habe ich Dir x-Mal erfolglos zu erklären versucht.

    Aber Eure Fraktion aus dem Spektrum der „Marxisten“ will nicht nur den kapitalistischen Modus von Vergesellschaftung überwinden, sondern Geld, Warenwirtschaft und bezahlte Arbeit abschaffen.
    Aber was bedeutet des konkret? Eine Verteilungs- und Zuteilungswirtschaft nach dem Typ einer Kriegsökonomie oder von Kommunen mit Subsistenzökonomie.

    Da bleibt nicht mehr viel an individueller Freiheit übrig.

    Vor Eurem Sozialismus graut es (nicht nur) mir!

    HAM

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  55. @HAM

    Oh, ich könnte gut aufschreiben, was Du mir tatsächlich erklärt haben wolltest. Aber egal, ich war auch damit nicht einverstanden.

    Ich nehme mir nämlich das Recht heraus, die Gedanken eines anderen nicht für meine nehmen zu müssen.

    Was ich gern möchte, ist, daß Menschen selbst entscheiden können, wie sie leben wollen. Daß ich da zwar meine eigenen Vorstellungen habe, ich aber nur eine unter vielen bin und ich meine weder anderen aufzwingen kann noch will...

    Nach allem, was Du woanders bisher schriebst, muß Dir vor meinen Vorstellungen auch grausen, denn eine individuelle Freiheit dürfte dabei nicht zu lasten der anderen individuellen Freiheiten gehen.

    PS - Lohnarbeit ist Lohnarbeit, Warenwirtschaft ist Warenwirtschaft, ob Du da nun noch ein kapitalistisch vorklemmst oder wegläßt, sagt mir höchstens, daß ich meine Lohnarbeit für einen anderen erledigen soll. Leider ist es dann immer noch Lohnarbeit. Das ohne das kapitalistisch davor, das hatte ich schon mal, und nicht den allergeringsten Bedarf auf Wiederholung in welcher Abwandlung auch immer.

    Ich hab nämlich festgestellt, daß die da genauso besch... ist, wie hier. Dafür riskiere ich nicht den Hauch meiner Haut, da bleib ich mal schön untransformiert hier im Kapitalismus, da hats dann wenigstens schon mal eine Lüge weniger.

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  56. Achja, dieses "WARUM ist dies so gelaufen?" hatte ich doch glatt vergessen, nochmals zu erklären. Weiter oben steht ja schon: So lange die materielle Grundlage nicht geschaffen ist für was neues, kann auch was neues nicht gelingen.

    Im alten entsteht das neue oder gar nix.

    So lange also die hier lebenden Menschen nicht die gesamten Verhältnisse umwerfen wollen, kann es auch nicht geschehen - und es wird erst geschehen, wenn sie die Grundlagen dieses Systems allesamt hinter sich lassen wollen.

    Wenn sie keine andere Art zu arbeiten und zu leben bereits hier herausgebildet haben, gibt es nichts, auf was sie aufbauen könnten.

    Klar, warst Du immer gegen alles Leninistische nach Deiner Aussage, allerdings ist das Lenin et al, bei dem begann, daß Menschen einer sozialen Revolution mit einer politischen Revolution zuvorkommen und dann aber anschließend die soziale nachholen.
    Daß das nicht funktioniert, sagen die letzten einhundert Jahre eindeutig.

    Wer also meint, allein politisch was ändern zu können, der setzt auf Lenin auf, auch wenn er das nicht weiß.

    Du kannst also nicht jemanden wegzaubern, Du könntest sie ruhig 'killen', auch dann werden sich in nullkommanichts die Verhältnisse wieder herstellen, wie davor. Weil da nichts weiter war, als die Köpfe einer sprichwörtlichen Hydra zu rasieren. Da müßte schon die ganze Hydra weg. Also alle Warenwirtschaft, Lohnarbeit und so.
    Und die kann niemand per Dekret dauerhaft abschaffen...

    Das müßte sich entwickeln, dadurch, daß Menschen ohne das alles anders leben wollen.
    ... und das würden sie dann schon wollen, wenns ihnen hier zu bunt wird, nicht vorher und nicht dadurch, daß wir zwei Beide ihnen jeweils unsere Vorstellungen präsentieren.

    Denn sei gewiß, sie haben ihre eigenen.

    C'est la vie. Ich finde das gut, denn ich habe nicht den Stein der Weisen und Du und auch andere einzelne nicht.

    Ich setze da auf die "Schwarmintelligenz".

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  57. @Wat.
    Ich hab nämlich festgestellt, daß die da genauso besch... ist, wie hier. Dafür riskiere ich nicht den Hauch meiner Haut, da bleib ich mal schön untransformiert hier im Kapitalismus, da hats dann wenigstens schon mal eine Lüge weniger.

    Ich setze da auf die "Schwarmintelligenz".


    Die einen setzen auf Gott, andere auf die Marktkräfte, aufs „Proletariat als revolutionäres Subjekt“, auf „Basisdemokratie“, auf "Schwarmintelligenz", auf die „Selbstorganisation des Systems“ … Usf.

    Aus meiner Sicht sind dies Varianten des Fatalismus aka „Hoffen und Harren“. Magisches Denken.

    Mit politischer Rationalität hat dies nichts zu tun.

    Mit „Basisdemokratie“ oder "Schwarmintelligenz" habe ich ausreichend Erfahrungen gesammelt. Das überzeugt mich nicht. Nur wenige sind bereit, Arbeit und Verantwortung zu übernehmen, aber alle wollen mitreden und mitbestimmen, unabhängig davon, ob sie von der Sache etwas verstehen oder nicht.
    Entsprechend sind dann die Entscheidungen. Es ist dann Zufall, ob etwas Vernünftiges da herauskommt.

    Politische Irrationalität ist sicherlich nicht nur ein deutsches Phänomen, aber dort besonders ausgeprägt, wie auch die Geschichte zeigt.

    Für mich ist es seit langem klar und habe auch ständig davor gewarnt, dass ganz schlimme Zeiten bevorstehen. Es liegt an jedem selbst, dafür zu sorgen, dass er noch rechtzeitig den Absprung schafft bzw. entsprechend vorsorgt.

    HAM

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  58. "Die einen setzen auf Gott, andere auf die Marktkräfte, aufs „Proletariat als revolutionäres Subjekt“, auf „Basisdemokratie“, auf "Schwarmintelligenz", auf die „Selbstorganisation des Systems“ … Usf."

    Ich fang hier nicht auch noch Deine "Das kann nur eine Elite"-Diskussion mit Dir an.

    Ich setze auf Menschen und werde mein ganzes Leben Menschen die Fähigkeit selbst zu denken und zu handeln unterstellen.

    Sorry, da bin und bleibe ich unbelehrbar.

    "Für mich ist es seit langem klar und habe auch ständig davor gewarnt, dass ganz schlimme Zeiten bevorstehen. Es liegt an jedem selbst, dafür zu sorgen, dass er noch rechtzeitig den Absprung schafft bzw. entsprechend vorsorgt."

    Jeder wie er mag.

    Allerdings lehrt auch da die Geschichte, wenns hart auf hart kommt, liefern auch "neutrale" Staaten aus.
    Kapitalismus ist außerdem auch überall...

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