Sonntag, 1. Januar 2012

Hals- und Beinbruch


War viel los gestern abend auf dem Willy-Brandt-Platz am Camp. Halb Frankfurt hat mitgefeiert bei der Occupy-Silvesterparty. Punkt zwölf Uhr fielen sich alle Occupier euphorisch um den Hals, auch solche, die sich möglicherweise lieber gegenseitig an die Gurgel gegangen wären. Silvester halt.

Mein persönliches Highlight war die Straßenbahn.


Genauer gesagt, ein Straßenbahnfahrer.

Im Schrittempo fuhr die Bahn an den feiernden Menschen vorbei, stockte, ruckelte, fuhr vorsichtig wieder an. Und plötzlich schaltete der Fahrer seine Außenlautsprecheranlage an und verkündete quer über den Platz seine Neujahrsgrüße ans Camp:


"Ich wünsch' euch einen guten Rutsch und Erfolg fürs neue Jahr!
Macht weiter!
Bleibt auf dem Platz!
Im nächsten Jahr will ich euch hier wiedersehen, ist das klar?"

Ja, ist klar. Noch klarer wäre es, wenn alle so dächten wie der Straßenbahnfahrer und dies auch laut sagten. Aber - man kann nicht alles haben. Auch nicht an Silvester. Happy New Year. Man sieht sich.

Kommentare:

  1. Hut ab vor dem Herrn am Schalthebel der nächtlichen Tram! Ich hoffe bloß, der kriegt dadurch keinen Ärger. Um ihm vielleicht etwas Schutz zu gewähren wäre es ratsam, die Zahl, die auf dem zweiten Foto in bernsteinfarbener Leuchtschrift links unten in seinem Fahrerstand zu sehen ist, zu verpixeln. Wird die von den falschen Leuten entdeckt, ist es dem mutigen Trambahner nicht mehr möglich, sich gegenüber seinen Vorgesetzen rauszureden; er wäre über den Dienstplan eindeutig identifizierbar.

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  2. Die Zahl der Teilnehmer und die Stimmung auf der Party scheinen doch sehr unterschiedlich wahrgenommen worden zu sein, wie man in den Silvester-Berichten des Occupy:Frankfurt-Forums nachlesen kann: http://forum.occupyfrankfurt.de/viewtopic.php?f=10&t=195

    Freundlich grüßend
    La Rossa

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  3. @La Rossa
    Danke für den Hinweis. Der Fall Siener ist mehr als befremdlich (ich hatte ihn gestern in der Menge gesehen, allerdings nicht als Redner erlebt, weil ich zu dem Zeitpunkt woanders steckte). Mich befremdet besonders die Argumentation (Forum), jetzt, wo das Medienteam sich von ihm distanziert habe, wäre allein das Camp dafür verantwortlich, wer öffentlich als Redner auftrete. Wieso das Camp? Es gab bislang vor jeder Demo einen 'Arbeitskreis Demo', der für Programmvorbereitung und Zusammenstellung der 'acts' zuständig ist, so auch vor der Silvesterdemo mit den dort auftretenden Rednern. Bei mehreren Akteuren des AK Silvesterdemo hat es sich keineswegs um Camper gehandelt, sondern, im Gegenteil, um Leute, die sich teils wortgewaltig vom Camp distanzieren.

    Schon fast amüsant, was alles versucht wird, "dem Camp" in die Schuhe zu schieben.

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  4. Uff, strange, das wusste ich nicht. Aber das spricht dafür, dass die Kommunikation zwischen Campern und nicht campenden Occupiern dringend verbessert werden muss.

    Und dafür wäre es halt doch wichtig, dass die Camper ein wenig mehr Interesse am Kontakt zu den nichtcampenden Occupiern entwickeln - und mit dem Forum ist da jetzt endlich ein geeignetes Instrument vorhanden, das recht einfach und mit wenig Zeitaufwand genutzt werden kann. Denn man beißt sich echt oft die Zähne aus, beim Versuch, campinterne - oder eben vermeintlich campinterne - Entscheidungen nachzuvollziehen.

    Man fragt vor Ort, man fragt per Mail, man fragt im Forum - aber: nichts! Man bekommt keine oder ausweichende Antworten. Ich bin keineswegs jemand, der das Camp ablehnt oder ihm etwas "in die Schuhe schieben" will. Im Gegenteil, weil ich das Camp für die soziale Zentrale und die Residents für die erfahrendsten Aktivisten der Bewegung halte, will ich eben immer wissen, welche Haltung die Camper zu dieser oder jener Frage aufgrund ihrer alltäglichen Erfahrungen haben. Nur ist dieser Kontakt eben besonders mühsam. Und deswegen sind solche Missverständnisse weniger amüsant, als viel mehr fatal.

    Das heißt aber nur, dass man sich offener, deutlicher und öfter austauschen muss, um falsche Entwicklungen zu verhindern und richtige zu befördern. Denn offensichtlich differiert die Innenwahrnehmung allzu oft mit der sympathisierenden Außenwahrnehmung. Ach, Scheiße, was ist das für ein abstraktes Geschwätz: Ich glaube einfach, dass sich die wachen, klugen, offenen, neugierigen Leute der Bewegung einfach finden müssen. Und das scheint schwerer zu sein als gedacht.

    Herzlich grüßend
    La Rossa

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  5. "Aber das spricht dafür, dass die Kommunikation zwischen Campern und nicht campenden Occupiern dringend verbessert werden muss." Aus meiner Sicht ist das Kind bereits tief in den Brunnen gefallen und das Forum der denkbar ungeeignete Ort, um diese Kommunikation zu verbessern, weil es sich um eine interessengelenkte Plattform handelt. Was sich u.a. daran ablesen lässt, wie schräg dort argumentiert wird (siehe mein letzter Kommentar).

    "Und das scheint schwerer zu sein als gedacht." Da hast Du jetzt hundertprozentig recht ;).

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