Dienstag, 6. November 2012

Schock nach Plan


Die Einschläge kommen näher. Während die streikenden Griechen sich aufbäumen vor der - angeblich letzten - Troika-Vernichtungskeule, die den Arbeiterrechten und -löhnen den Garaus machen und der eine so korrupte wie brüchige Regierungskoalition morgen zustimmen will (eventuell auch nicht, denn die streikenden Griechen meinen es ernst),


- berät im Nachbarland Frankreich die sozialistische Regierung über eine "Schockbehandlung", um der lahmenden Wirtschaft auf die Sprünge zu helfen. Die Wirtschaft, so heißt es, sei nämlich unfähig, im globalen Maßstab mitzuhalten, weil ihrer Wettbewerbsfähigkeit die - zu hohen, was sonst - Lohnkosten im Wege stünden. Abhilfe schaffen soll eine "30-Milliarden-Schock-Senkung" der Lohnkosten.

Was eine waschecht sozialistische Regierung ist, die packt so eine Hauruck-Schockbehandlung, ohne von einer Troika dazu geknebelt zu werden; die lässt sich den Schock direkt und ohne Umwege ins Programm diktieren von einem ehemaligen Konzernchef (EADS). Der Sozialist Hollande hat bereits versprochen, "alle nötigen Schlüsse" aus der empfohlenen Schocktherapie zu ziehen, während Industrieminister Montebourg - auch er ein Sozialist von Kapitals Gnaden - die Empfehlungen aus der Konzernetage zu beherzigen und "respektieren" gelobte. Montebourg ist übrigens derselbe, der erst vor kurzem lauthals die Globalisierung verantwortlich gemacht hatte für die "Zerstörung" des französischen Arbeitsmarktes.

Sind sie nicht zum Gernhaben, die global operierenden Genossen der Bosse?

Kommentare:

  1. ... und wenn die Sozialisten bei ihrer ganzen Wettbewerbsfähigmacherei nicht gestorben sind, dann wird Europa schon in Kürze das Billilohnland für die Chinesen.
    Liebe Grüße vom griechischen Frosch

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    1. Denen ist es vor lauter Wettbewerbsfähig- und es-den-Konzernen-Rechtmacherei völlig wurscht, mit wem sie sich da eigentlich ins Bett legen. Heute schreibt die Financial Times, dass es an mehreren europäischen EADS(!, s.o.)-Standorten gestern Razzien gegeben hat:

      "Der Verdacht der Ermittler: Bestechung, Untreue und Geldwäscherei waren bei den Geschäften (mit Eurofighter-Kampfflugzeugen) mit im Spiel."

      Über ein "kompliziertes Firmengeflecht und verschiedene Lobbyisten" sollen rund 180 Mio. Euro illegal geflossen sein. Und: Ein hochrangiger Berater von EADS hat vor dem Untersuchungsausschuss des Wiener Parlamentes die Aussage verweigert.

      Man könnte denken, einem echten Sozialisten fährt in derart ehrenwerter Beratergesellschaft der Schock in die Glieder, statt sich deren rabiaten Schock-Empfehlungen zu beugen. Aber nix da - die ziehen das Ding knallhart-sozialistisch durch.

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  2. Übrigens hat gestern ein griechisches Mitglied des Parlaments festgestellt, dass die neuen Massnahmen sowohl gegen die griechische Verfassung verstossen als auch gegen die Regeln der EU. Er würde aber trotzdem dafür stimmen - wahrscheinlich weil er bei Amtsübergabe geschworen hat, dass er die Verfassung des griechischen Staates ehren und bewahren... - oder vielleicht haben die den Amtsein in der Zwischenzeit geändert???
    's Fröschlein

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    1. Wurde nicht sogar die griechische Regierung (oder war's die Troika?) von der EU-Kommission gerügt, weil die zuletzt geforderten Maßnahmen gegen die europäische Verfassung verstoßen? Und sollte jener griechische Parlamentarier sich über diese Rüge hinwegsetzen, bleibt sein regelwidriges Verhalten vermutlich folgenlos? Es ist ein Tollhaus, dieses Europa.

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    2. Mann Mann...auf der Straße scheint das alles andere als folgenlos zu bleiben, livestream von Syntagma.

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  3. dieser hollande nennt sich zwar sozialist, ist aber sozialdemokrat. und was von dieser spezies zu halten ist, dürfte allgemein bekannt sein.

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