Montag, 31. Dezember 2012

Am Schuldentresen


Ein Bier, bitte.
Für mich eine Flasche Champagner.
Wer arm ist, ist selber schuld.
Weiß doch jeder.
... der darf nicht wählerisch sein.
War schon immer so.
Und wem das Wasser bis zum Hals steht, darf erst recht nicht wählerisch sein.
Auch nichts Neues.
... der muss halt in der Brühe schwimmen, die ihm andere eingebrockt haben.
Ja klar, Eigenverantwortung übernehmen, was denn sonst.
Und wenn er dabei absäuft?
Selber schuld. Hat ihn ja keiner gezwungen, sich zu verschulden.
Und wenn er arbeitslos geworden ist?
Auch selber schuld. Schließlich gibt es ja Jobs.
Echt? Wo?
Überall. Liegen doch auf der Straße, die Jobs. Er darf halt nicht wählerisch sein. Ach übrigens, hab' ich grad in einer neuen Studie gelesen:
"Wem das Wasser bis zum Hals steht ('underwater homeowners'), der akzeptiert bereitwillig signifikant niedrigere Löhne."
Klingt wie Schuldknechtschaft.
Ach was, wir leben doch nicht mehr im Feudalismus.
Sondern?
Na ja, im Finanzkapitalismus halt.
Wo liegt der Unterschied?
Darin, dass der arme Schlucker glaubt, da wäre ein Unterschied.
Also doch Schuldknechtschaft?
Klingt irgendwie nicht nett, das Wort.
Klingt Abzocke netter?
Was heißt Abzocke, es gab da halt so 'ne Kreditblase und dann hat's den Markt gecrasht und jetzt ist er halt der Dumme, der arme Schlucker,
... und muss für einen Hungerlohn arbeiten gehen?
Tja, was soll man machen? Selber schuld.
Wer? Die Finanzkapitalisten?
Nö, die armen Schlucker. Weil, die Finanzkapitalisten brauchen nun mal niedrigere Löhne, für ihr Wachstum, da dürfen sie in der Wahl der Mittel nicht wählerisch sein.
Klingt nach von langer Hand geplanter Abzocke.
Aha. Klingt jetzt sehr verschwörungstheoretisch.
Wer steckt eigentlich hinter dieser neuen Studie?
Die wurde von der Finanzindustrie in Auftrag gegeben.
Aha. Klingt jetzt sehr verschwörungspraktisch.
Dummes Zeug.
Ach übrigens, hab' ich grad gelesen: 
"You've got to learn to think like an asshole to really see what to worry about."
Unglaublich. Wer wagt es, solche gehässigen Sprüche rauszuhauen?
Eine gewitzte amerikanische Bloggerin namens Mathbabe. Die ist Mathematikerin mit einschlägiger Berufserfahrung in der Finanzindustrie, Abteilung Hedge Fonds. Bis sie es dort nicht mehr ausgehalten hat.
Und dort hat die solch dummes Zeug gelernt?
Nö, sie sagt, dort habe sie gelernt, wie ein Arschloch zu denken.
Unglaublich!
Aber wahr. Prost.

Get moving


Cold.
*

Warm.
**

*  Chukdo via newyorkshitty
**Ego is a rat on the sinking ship of being

Samstag, 29. Dezember 2012

Weitgehend niederschlagsfrei


Ächzend schrumpft sich das Jahr seinem Ende zu, was den deutschen Einzelhandel zum Ächzen über seine schrumpfenden Umsätze veranlasst. Lief wohl nicht so dolle mit dem Weihnachtsgeschäft.
"Die tatsächlichen Abverkäufe bleiben hinter den ursprünglichen Erwartungen für Dezember zurück. ... Die Dezemberverkäufe enttäuschten, gemessen an den Zielvorgaben."
Nur Ächzen und Schrumpfen - und kein Wachstum, nirgends?

Doch, an der Front der galoppierenden Verblödung. Weil, was hat die Leute daran gehindert, ihre sauer verdienten respektive nicht vorhandenen Kröten zum Jahresende unbekümmert zu verknattern?
"... die ungünstigen Wetterbedingungen ..."
- ja freilich, es war zu warm oder zu kalt oder es hat zu viel geschneit oder zu wenig oder gar nicht oder irgendein anderer Niederschlag ist - entgegen ursprünglicher Erwartungen - nicht vom Himmel gefallen, und sei es ein wenig Hirn, mit dem der Herrgott da oben immer mehr zu geizen scheint, aber sei's drum, schlechtes Wetter kommt immer gut, und sind wir nicht alle ein bisschen Hirnschrumpf und überhaupt, war's das?

Nein, auf der nach oben offenen Jahresendverblödungs-Skala geht noch was: Neben dem unerwartet ungünstigen Wetter habe nämlich
"... die unerwartet niedrige Käuferfrequenz zu den niedrigeren Abverkäufen beigetragen."
- mit anderen Worten, die ursprünglich hohen Erwartungen wurden von der unerwartet niedrigen Käuferfrequenz enttäuscht. Mit dem Hirn werde das nichts mehr in diesem Jahr, denn, so ließ der Herrgott in seinen geschrumpften Erwartungen ächzend verlauten, die da unten seien zu blöd zum Auffangen.

Donnerstag, 27. Dezember 2012

Rettungskräfte


Was wurde 2012 nicht alles gerettet! Allem voran natürlich der Euro, dicht gefolgt von der Eurozone, Europa im allgemeinen und Griechenland im besonderen. Von Bankenrettungen ganz zu schweigen. Schweigen wollen wir auch von all dem, was diesen Rettungen zuliebe rettungslos über Bord geschmissen wurde (Arbeitsplätze, Arbeitsrecht, Minimallöhne, Renten, Sozialsysteme, und, und, und). Ufert ja sonst aus.

Nun neigt sich das Jahr zu Ende, und man könnte es eigentlich gut sein lassen mit der ganzen Retterei, weil, 2013 geht's in die nächste Runde, wo voraussichtlich jeder nur noch seinen eigenen Arsch retten wollen werden wird. Jedoch - irgendwie haben die Retter sich an ihre bescheuerte Rettungsrhetorik so sehr gewöhnt, dass sie kurz vor Torschluss noch eine delikate Kapriole oben drauf legen müssen:
"Weihnachten wurde gerettet!"
Huch. Hatte es nicht immer geheißen, dass ab Weihnachten der rettende Erlöser höchstpersönlich unterwegs sei? Wieso in drei Teufels Namen musste jetzt der Retter gerettet werden? Antwort, ganz einfach: Wenn einer dieser neuzeitlichen Retter von Rettung spricht, meint er in aller Regel seine eigene Kohle, und mit Weihnachten meint er: seinen Weihnachtsumsatz, sprich also: "Mein Weihnachtsumsatz wurde gerettet!" Gerettet vor was? Vor dem befürchteten Absturz. Gerettet von wem?
"Weihnachten wurde gerettet von der festlichen Stimmung."
Haben das jetzt alle? Nochmal ganz langsam zum Mitschreiben: Erst drohten die Weihnachtsumsätze fürchterlich den Bach runter zu gehen, wurden dann aber, quasi in einem last-minute-Coup, von der weihnachtlichen Kaufstimmung gerettet. Klingt wie ein saisonaler Notarzteinsatz, oder? Uff, seufzt der Einzelhandel, hörbar erleichtert, da haben wir grade nochmal die Kurve gekriegt, und wem verdanken wir die umsatzrettende Notmaßnahme? Jetzt bitte anschnallen, dann weiterlesen: der Krise!
"Je tiefer wir in die Krise geraten, desto mehr gibt es Momente wie diesen, wenn die Leute zu sich selbst sagen: Scheiße, einfach mal loslassen."
Ohne Scheiß, genau das hat er gesagt, zwar nicht "Scheiße", sondern "merde", weil es ein französischer Einzelhändler war, das aber im Originalton. Immerhin wissen wir jetzt, was unter festlicher Stimmung zu verstehen ist, nämlich "Scheiße, einfach mal loslassen", nämlich sich in weihnachtlich-entspannter Vorfreude von der krisenbedingt knappen Knete zu emanzipieren.

Früher wurde dieses Phänomen Konsumdruck genannt, heute sagt man halt "festliche Stimmung"; wem da nicht warm ums Herz und - scheiß' drauf - leer im Geldbeutel wird, der ist nicht mehr zu retten.

Mittwoch, 26. Dezember 2012

Hast du Eier oder was


Es liegt was in der Luft. Was ist das bloß?

Zwar weihnachtet es aus allen Rohren, aber irgend etwas stimmt da nicht. Die Tage beginnen mit lärmendem Vogelgezwitscher, fröhlichem Hundegebell und hyperaktivem Insektengebrumme, erst gestern hat mich ein Krokus geküsst, die Sonne scheint unbekümmert zum Fenster rein, so dass es offen steht, linde Lüfte hereinwehen und ich - ohne Socken - auf dem Sofa lümmele, in milder (für die Jahreszeit zu milder) Stimmung Jahresendzeitfiguren aus Schokolade verzehre und anfange zu halluzinieren: Sind das am Ende gar die Ohren eines Schokohasen, in die ich beiße?

Ein Blick in die Schütten des globalen Einzelhandels lehrt mich, dass alles ganz normal, nämlich im frühlingsgrünen Bereich ist und ich mir keine Sorgen machen muss: Pünktlich zum 2. Dezember 2012 wurden die ersten Schokoladenostereier feilgeboten, unter dem Slogan:

"Die Eier sind da!
Der Frühling liegt in der Luft"


- und weil im durchgeknallten Kapitalismus der Frühling nun mal im Dezember in der Luft liegt, haben durchgeknallte Einzelhändler auch die Eier, synchron zur vorzeitigen Ostereierausschüttung festliche Weiße-Weihnachts-Musik vom Band abzunudeln, welchem Band?
Na, von jenem:

's Christkind lässt sein blaues Band
wieder flattern durch die Lüfte.

Wie, was flattert wann? Na, zu Ostern natürlich, wann denn sonst, dem Zeitpunkt, wo es anfängt, so lecker zu riechen:

Süße, wohlbekannte Düfte
streifen ahnungsvoll das Land.

Wie, nach was riecht's an Ostern? Nach Adventsbäckerei, wonach denn sonst:

Plätzchen träumen schon,
wollen balde kommen.

Eben, spätestens am Gründonnerstag müssen die Adventsplätzchen backfrisch in den Schütten liegen, damit das klar ist, da kann dieser olle Mörike sich im Grab drehen, wie er will -

Horch, von fern ein leiser Glockenton!

Glocke, wieso Glocke? Na, weil bald Ostern ist, und nicht eher wird der Einzelhandel ruh'n, bis er es geschafft haben wird, Ostern und Weihnachten endgültig zu synchronisieren -

Christkind, ja du bist's!

- also was jetzt?

Ostern ist gekommen!

Er will es nämlich so. Wer? Na, der Verbraucher, wer denn sonst.

Gut, dass morgen die Läden wieder geöffnet haben. Kann keine Nikoläuse mehr sehen. Muss dringend Schokoladenostereier besorgen.

Montag, 24. Dezember 2012

Sonntag, 23. Dezember 2012

Vom Geben und Nehmen


Friede auf Erden, im Einzelhandel und den Satten ein Wohlgefallen.

Vor ein paar Tagen verhagelte der britische Fernsehsender BBC die allseits friedlich-besinnliche Weihnachtsstimmung mit einer besorgniserregenden Meldung: Laut Aussagen der Polizei schieße die Anzahl der Ladendiebstähle in die Höhe, weil immer mehr verarmte Menschen sich - "infolge des wirtschaftlichen Abschwunges in Großbritannien" - nicht anders zu helfen wüssten, um an Essbares zu gelangen.

Nachdem der Reporter von Müttern berichtet hatte, die beim Klauen von Babynahrung und Milchpulver erwischt wurden, fragte er zunächst einen Mann auf der Straße, ob er wirklich glaube, die Leute klauten "aus Verzweiflung" oder nicht vielleicht doch eher "aus Gier"? Sodann ließ er einen Vertreter des Einzelhandels zu Wort kommen, der beklagte, seine darbende Branche müsse jetzt Sicherheitsetiketten sogar auf solchen Produkten des täglichen Bedarfs anbringen, bei denen es völlig "unrentabel" sei, solche teuren elektronischen Anti-Diebstahl-Tags anzubringen.

Wer soll das bezahlen, fragte mit wachsender Besorgnis der Reporter und kam zu dem Schluss, der Ladendiebstahl - also die Ladendiebe - seien schuld an all den Preiserhöhungen, die von den Nichtladendieben bezahlt werden müssten. Und er ermahnte die Schuldigen, es gebe doch "eine Alternative" zu derart verantwortungslosem Handeln, nämlich die vielen wohltätigen Tafeln und "charity foodbanks", wo die verzweifelten Armen sich ihre gierigen Mäuler stopfen lassen könnten.

Weil, gerade an Weinachten solle keiner hungern müssen, und man müsse nur feste an den Weihnachtsmann glauben, dann werde alles gut und alle satt.

Dazu passen aktuelle Umfrageergebnisse, dass immer mehr verarmte Menschen glauben, beim Weihnachtsmann handele es sich in Wahrheit um einen dicken alten Kommunisten, der die frohe Botschaft verbreite, Reichtum gehöre angemessen verteilt, und wem davon nicht gegeben werde, der müsse sich halt, in Gottes Namen, nehmen.


Samstag, 22. Dezember 2012

Blaue Weihnachten


Es begab sich aber genau 50 Jahre vor der heutigen Zeit, dass der Trompeter Miles Davis bedrängt wurde von seiner Plattenfirma Columbia: Er solle einen Song beisteuern zu dem Weihnachtsalbum Jingle Bell Jazz - ein Ansinnen, das dem querköpfigen Musiker widerstrebte, weil ihm nun mal alles Rührselige und Konventionelle widerstrebte.

Hilfesuchend wandte Davis sich an den nicht minder querköpfigen, unkonventionellen Jazzvokalisten Bob Dorough und maulte herum:
"What the fuck am I supposed to play for them? 'White Christmas'?" 
(Jack Chambers, Milestones) 
- worauf die beiden Kratzbürsten gemeinsam ins Studio gingen und den wunderbar querköpfigen, unkonventionellen Titel 'Blue Xmas (To Whom It May Concern)' aufnahmen:



Merry Christmas.
I hope you have a fine one,
But for me it's blue.

Blue Christmas,
That's the way you see it when you're feeling blue,
Blue X-Mas,
When you're blue at Christmas time you see right through
All the waste
All the sham
All the haste
And plain ol' bad taste.

It's a time when the greedy
Give a dime to the needy.

Lots of hungry homeless children
In your own backyards
While you're very busy addressing
Twenty-zillion Christmas cards.

Merry Christmas.
I hope yours is a fine one,
But for me it's blue.

Mittwoch, 19. Dezember 2012

Let austerity groove you


Egal, wo man hinschaut:
überall der gleiche Phrasenauswurf.

Zum Heulen.

Hier die auf Hochtouren stampfende britische Dreschmaschine, satirisch vergroovet von 2012:Mashed:

Zum Lachen.



Montag, 17. Dezember 2012

Warnschuss vor den Bug


Eigentlich dachte ich mir nichts Böses. Eigentlich suchte ich nur nach einem medialen deutschen Pendant, nachdem Angela Merkel einer englischsprachigen Zeitung ein aktuelles Interview gegeben und darin nachhaltig gewarnt hat. Gewarnt wovor? Kommt gleich.

Jedenfalls googelte ich nach 'Merkel warnt vor ...' und wurde auf der Stelle erschlagen von Abertausenden von Suchergebnissen. Wovor die Frau alles warnt! Die ist die ganze Zeit nur am Warnen, das aber hingebungsvoll. Ansonsten macht sie nicht groß irgendwas - kein Wunder, die kommt vor lauter Warnen nicht dazu, irgendwas zu machen. Geschweige denn Großes. Weil sie den lieben langen Tag warnen muss. Warnen wovor?

Merkel warnt (alles O-Ton, alles aktuelle Meldungen):

- vor schweren resp. schwierigen Zeiten
- vor Ende des Aufschwungs
- vor Staatsbankrott
- vor hohem Maß an Antisemitismus
- vor Alkoholmissbrauch unter Jugendlichen
- vor Schwarz-Grün
- vor Rot-Rot
- vor einer Debatte über große Koalition nach der Bundestagswahl
- vor Kontrollverlust
- vor Krieg
- vor Überlastung Deutschlands
- vor Überforderung Deutschlands
- vor Spaltung der Eurozone
- vor falschen Sehnsüchten in der Krise
- vor überhitzter Euro-Debatte
- vor Hysterie
- vor Verrohung des Geistes
- vor (doch, ohne Scherz!) zu viel Sparehrgeiz

- und wenn sie nicht gestorben ist, dann warnt sie noch heute, nämlich in der Financial Times (via Reuters), und jetzt kommt's:
Merkel warnt vor den Kosten des Sozialsystems
Europa werde "sehr hart arbeiten" müssen, um sein Sozialsystem - das großzügigste der ganzen Welt - aufrechtzuerhalten und global wettbewerbsfähig zu bleiben, sagte Angela Merkel, Kanzlerin von Deutschland.
A-ha. Ärmel hoch, Leute, Zähne zusammen, da müsst ihr durch und keine weiteren Fragen, bitte.


Sonntag, 16. Dezember 2012

Neues aus der Heilanstalt


Die selbsternannten Rettungssanitäter kriegen den Hals nicht voll. Nachdem das Geschäft mit der sogenannten Rettung der Eurozone vorbildlich nach Plan läuft, muss jetzt eine neue siegreiche Rhetorik her; eine Rhetorik, die die Lichtgestalt des Retters adelt zum Halbgott in Weiß, zum Heiler, ach was, zum Heiland, wo der doch demnächst geboren ward und, rein saisonal gesehen, einer Heiligsprechung der Heilsbringer nichts mehr im Wege steht.
Seit dem Sommer haben sich die Spannungen in der Eurozone merklich gelöst.
- ließ die Europäische Zentralbank vor zwei Tagen verlauten und notierte
... eine Reihe von Indikatoren, dass die Eurozone beginne zu heilen.
Eurozone, o Haupt voll Blut und Wunden, endlich wirst du wieder gesund! Geheilt von was? Von all den Blessuren, die dir zugefügt wurden. Geheilt von wem? Na, von denen, die dir die Blessuren zugefügt, dich hernach gerettet und nunmehr geheilt haben. Weil, in der Heilanstalt Europas kommt alles aus einer Hand, das nennt man effizientes Therapieren.

Noch sei der Patient allerdings in kritischer Verfassung, hieß es auf der Pressekonferenz des Europäischen Kurpfuscherverbandes: Bei der letzten Chefvisite habe man gewisse "Schwächesyndrome" verdoktert. Schwächesyndrome? Womöglich ein dezentes Eingeständnis ärztlicher Kunstfehler? I wo. Die größte Schwachstelle im Heilungsprozess, laut Diagnose der Chefbanker im weißen Kittel, seien
"... die fallenden Profite der Banken"
- aber ansonsten sei die Fieberkurve an der europäischen Reha-Front erfreulich am Sinken und die wirtschaftliche Genesung im Steilanstieg, abzulesen an der jüngst gestiegenen Export- und Wettbewerbsfähigkeit Spaniens und Italiens, die sich den gefallenen Lohnkosten verdanke; ein laut EZB klar "positiver" Befund, auch wenn diese Verbesserung des Gesundheitszustandes
... ihren schweren Preis habe, nämlich hohe Arbeitslosigkeit und sinkende Einkommen: "Diese Anpassung hat einiges gekostet, aber wenigstens können wir sagen, die Anpassung hat stattgefunden."
- womit der EZB-Vizechefkittel Constancio die alte hippokratische Weisheit zum Ausdruck brachte, dass die heilende Rosskur ("Anpassung") ohne Schmerzen nicht zu haben und fallende Löhne nun mal leichter zu verschmerzen sind als fallende Bankprofite und, summa summarum, die Operation erst dann als gelungen betrachtet werden könne, wenn der Patient tot sei. Vorher, so der Heilkundler von EZBs Gnaden, sei es fahrlässig, von vollständiger Heilung zu sprechen.

Unterdessen hat ein anderer Heilkundiger gerade dem Krankenbett Griechenland einen Besuch abgestattet, also jenem Patienten der europäischen Heilanstalt, dessen Heilung bekanntlich am weitesten fortgeschritten ist. Der Besucher, immerhin ein hartgesottener Traumatherapeut aus Deutschland, steht immer noch unter Schock, nennt das,
... was da gerade unter unser aller Augen geschieht, eine "gigantische Verdrängungsleistung". Besonders der Abwehrmechanismus der Politiker funktioniere hervorragend.
- und fragt sich,
"... wieviel diese Gesellschaft noch aushalten kann, bevor sie explodiert."
Alles halb so wild, kontern die EZB-Spindoktoren: Solange sich die Spannungen in der Eurozone merklich lösen, halten wir an unserer gigantischen Verdrängungleistung fest, können noch viel mehr Verdrängung aushalten, bevor irgendeine Gesellschaft explodiert und wünschen allen Patienten auf der europäischen Intensivstation:


Gute Besserung und ein frohes Fest!

Freitag, 14. Dezember 2012

Kürzungen müssen sein


Eins der größten Probleme, die einem das Weihnachtsfest komplett versauen können, ist ein zu großer Weihnachtsbaum. Also, ein zu hoher oder zu langer Weihnachtsbaum, der an die Zimmerdecke stößt oder gar an der Spitze abknickt, weil die Decke zu niedrig oder jedenfalls der Weihnachtsbaum zu lang ist. Gottlob gibt es rechtzeitig zum Fest eine so maßgeschneiderte wie formschöne Problemlösung zum passgenauen Kürzen des überlangen Baumstammes:


Erhältlich in der spanischen - ich ahnte schon immer, warum ich dieses Land so mag, jetzt weiß ich es - Hauptstadt Madrid. Dort wurde gestern der erste Guillotinen-Shop in ganz Europa eröffnet. Unter dem in ganz Europa beliebten Austeritäts-Slogan "Recortes, son necesarios..." (Kürzungen müssen sein) läuft die Produktpromotion auf Hochtouren, und wer denkt bei Kürzungen nicht sofort an das Drama des zu langen Weihnachtsbaumes? Eben.

Wobei zum Erwerb einer solchen Kürzungsmaschine noch nicht mal zwingend ein zu langer Weihnachtsbaum vorausgesetzt ist: Die Guillotine macht sich auch gut als dekorativer Solitär in einer passenden Zimmerecke, meinetwegen da, wo sonst der Gummibaum steht; oder man stellt sie als schnittige Installation gleich dorthin, wo sonst der Weihnachtsbaum steht, je nachdem, es gibt ja auch Leute, die Weihnachten lieber baumlos verbringen.

Durchaus schlüssig argumentieren die Ladenbetreiber, der Anblick von Guillotinen auf Protestdemonstrationen sei bereits zur Gewohnheit geworden (damit meinen sie natürlich spanische Demos, keine deutschen); sie gälten nicht nur als Reminiszenz an vergangene revolutionäre Zeiten, wo Köpfe noch hemmungslos - und völlig unmetaphorisch - rollten, sondern nähmen inzwischen einen quasi zeitgemäß-folkloristischen Status ein, was die naheliegende Frage aufwerfe:
"Warum nicht stets eine Guillotine zur Hand haben?" 
Also, so für den Alltagsgebrauch halt, sei es im privaten Wohnzimmer, in irgendeiner Tapas-Bar, oder vielleicht am besten gleich auf einem öffentlichen Platz? Lässt man seiner Kreativität erst mal freien Lauf, eröffnen sich ungeahnte Möglichkeiten.

Das schlanke Schneidewerkzeug ist übrigens voll öko: aus massivem, nicht vom Aussterben bedrohtem Pinienholz (regenwaldfrei) gefertigt und von daher politisch völlig korrekt, mit starker handwerklicher Anmutung, extrem robust und für den Dauereinsatz geeignet, vermutlich unkaputtbar - was will man mehr?

Eine Anschaffung fürs Leben; na gut, fürs eigene auf jeden Fall.



Mittwoch, 12. Dezember 2012

Haka!*


So was Cooles:



*Haka ist der Ritualtanz der Maori. 
Er dient der Einschüchterung des Gegners und 
wird von dramatischem Sprechgesang der Krieger begleitet. 
Man betrachtet den Haka als eine Art Symphonie, 
bei der die verschiedenen Körperteile die vielen Instrumente darstellen. 
Die Hände, Arme, Beine, Füße, Stimme, Augen, Zunge 
und der Körper als Ganzes 
vereinigen ihre individuellen Expressionen zu einer Aussage. 
Gefühle wie Mut, Ärger, Freude 
werden durch die Bewegung der einzelnen Körperteile ausgedrückt.
Das Äußere drückt das Innere aus.

Montag, 10. Dezember 2012

Ich bring' euch gute neue Mär


Heute schon für dumm verkauft worden? Nein? Dem kann abgeholfen werden. Nichts leichter als das! Denn die Große Verarsche nimmt ihren Lauf, unaufhaltsam. Gut, Verarsche ist jetzt kein besonders schönes Wort, nennen wir es Veräppelung, das kommt der Sache näher und dem derzeit GröVaZ (Größter Verarscher aller Zeiten) sowieso.

Ist es doch die Elektronikfirma Apple, die mit meteoritengroßen Pferdeäpfeln - vulgo: horseshit - um sich wirft; unschwer zu erkennen an dem Gestank, welcher der als vorweihnachtliche frohe Botschaft maskierte PR-Bluff ausdünstet. Just am globalen Nikolaustag (6. Dezember) packte der Apple-CEO Tim Cook die saisonale Gelegenheit beim Schopf und seinen patriotischen Zuckerbrot-Sack aus:

Vom fernen China komm' ich her,
ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr.
Allüberall auf den Tannenspitzen
sag ich vergoldete Pferdeäpfel sitzen.

Hat Cook natürlich im Wortlaut nicht so gesagt, sondern so:
Apple-CEO Tim Cook verkündete, eine der existierenden Mac-Produktlinien ab nächstem Jahr exklusiv in den USA herstellen zu wollen. Cook, der 1998 zu Apple kam, sagte, er glaube, es sei wichtig, mehr Jobs in die Vereinigten Staaten zu bringen,"daran arbeiten wir seit Jahren".
- und es fiel ihm dabei zwar kein Zacken, aber ein stinkender Pferdeapfel aus der Krone, wo doch er derjenige gewesen war, der vor rund einem Jahrzehnt geglaubt hatte es wichtig zu finden, die amerikanische Apple-Produktion nach China zu verbringen.

Und droben aus dem Himmelstor
sah mit großen Augen das Christkind hervor,

- rieb sich ungläubig die großen Augen und fragte den Pferdeäpfelproduzenten, was das dauernde Hin und Her eigentlich solle, weil, dann hätten die Jobs ja gleich in Amerika bleiben können oder wie, und überhaupt, ob ihm vielleicht die Löhne der Chinesen zu teuer geworden und das amerikanische Lohnniveau endlich tief und konkurrenzfähig genug gesunken sei, dass Amerika als kostengünstiger Produktionsstandort China den Rang ablaufe? Aber nein, entgegnete Ruprecht der Apfelspezialist, der mit dem Sack angetreten war, um die Rute zu schwingen:
"Es geht dabei gar nicht so sehr um die niedrigeren Lohnkosten, sondern um Qualifikationen (skills)." 
- ließ zur Erläuterung gleich noch einen fallen:
Cook sagte, das amerikanische Bildungssystem scheitere daran, genügend Leute mit jenen Qualifikationen zu produzieren, die für moderne Fabrikationsprozesse benötigt würden.
- und erinnerte das Christkind daran, was er, Apple-CEO Tim Cook, schon die ganze Zeit postuliert habe:
"Es muss ein fundamentaler Wandel in unserem Bildungssystem stattfinden, um diese Arbeitsplätze hierher zurückzubringen."
worauf das Christkind fast aus allen Wolken fiel, weil es an die vielen - infolge von "modernen Fabrikationsprozessen", 18-Stunden-Tagen und Sklavenlöhnen - aus den Fenstern gefallenen jungen Chinesen denken musste und die an den Foxconn-Außenfassaden aufgespannten Netze zur Suizidverhinderung.

"Knecht Ruprecht", rief es, "alter Ganove,
glaubst du, dass ich dir das abkoofe?"

- und fragte den alten Ganoven Cook, ob er um die neuen amerikanischen Apple-Produktionsstätten herum schon genügend Anti-Suizid-Netze aufgespannt habe?

Ach was, erwiderte Ruprecht mit der Rute, erstens seien die meisten Amerikaner gar nicht qualifiziert genug, um aus dem Fenster zu springen, und zweitens: Wozu gebe es all die für Sklavenarbeit maßgeschneiderten amerikanischen Hochsicherheitstrakte, die den Suizidprophylaxe-Etat im Stammland so angenehm niedrig hielten?,

... und sprach: "O lieber Herre Christ,
meine Reise fast zu Ende ist:
Ist erst die ganze Welt ein Knast,
stimmt der Profit und alles passt!"

- schwang wohlgemut seinen Sack über die Schulter und rief zum Christkind hinauf, es solle sich keine Sorgen machen, schließlich sei das amerikanische Bildungssystem auf einem guten Weg:

"... denn Pferdeäpfel und Mandelkern,
das essen fromme Kinder gern!"

- und die unfrommen Kinder, nörgelte das Christkind, was ist mit denen? Pfft, antwortete der Pferdeäpfelverteiler und sprach:

"Ich hab' die Rute doch bei mir,
schau nur, die Rute, die ist hier;
doch für die Kinder nur, die schlechten,
die trifft es auf den Teil, den rechten!"

- war jedoch schon außer Hörweite, als es von oben nachhallte:

Christkindlein sprach: "So ist es recht;
so geh', Profites treuer Knecht!
Doch nimm' auf Erden dich in Acht,
denn schon in mancher stiller Nacht
ward manch ein Knecht
mit Fug und Recht
um seinen ruhigen Schlaf gebracht!"


Donnerstag, 6. Dezember 2012

Das große Arbeitslos gezogen


Immer diese Arbeitslosigkeit! Dabei wäre das Problem mit der Arbeitslosigkeit gar nicht so schlimm, wenn nur die vielen Arbeitslosen nicht wären. Darum will jetzt - in einem ersten Schritt - die EU die hohe Arbeitslosigkeit verbieten. Nächste, weit wirksamere - weil das Übel an der Wurzel packende - Maßnahmen sollen folgen: Wie verlautet, will die EU demnächst die Arbeitslosen selbst verbieten. Dann wird endlich Schluss sein mit der Unzufriedenheit der arbeitslosen europäischen Bevölkerung, und die EU kann sich in aller Ruhe ihrer eigentlichen Aufgabe - der Integration aller von den Arbeitslosen befreiten Länder, Völker und Wirtschaften - widmen.

Bis dahin ist allerdings noch der eine oder andere arbeitslose Mensch unauffällig zum Verschwinden zu bringen. Wie das gehen soll? Ganz einfach - mit Arbeitslosen! Eine italienische Supermarktkette macht es vor: Dort gibt es nämlich Arbeitslose zu gewinnen. Teilnahmeberechtigt ist im Prinzip jeder, wobei es sich natürlich in erster Linie um Arbeitslose handelt, die an Arbeitslosen interessiert sind, ist ja klar, denn wer sonst sollte auf ein Arbeitslos scharf sein?

Ganz leicht wird es jedoch den Arbeitslosen in Italien nicht gemacht, an ein Arbeitslos ranzukommen. Wäre ja auch zu einfach! Etwas Mühe müssen die sich schon geben, bisschen Eigeninitiative zeigen und in Vorleistung gehen: Mit einem Minimumbeitrag von 30 Euro (Einkauf von Lebensmitteln) sind sie dabei, die Arbeitslosen, und dafür bekommen sie ein Arbeitslos aus der Supermarkt-Lotterie, und wenn sie Glück haben, gewinnen sie mit ihrem 30-Euro-Arbeitslos einen Arbeitsplatz im Supermarkt und sind dann mit einem Schlag ihre Arbeitslosigkeit los. Hey, wenn das keine coole Arbeitsbeschaffungs-, ähm, Arbeitslosenbeseitigungsmaßnahme ist!

Man nennt so etwas übrigens 'win-win', weil ja alle Beteiligten an der Maßnahme gewinnen: Der Arbeitslose gewinnt einen Arbeitsplatz (okay, nur einen befristeten Aushilfs-Teilzeit-Job, aber immerhin als Lagerarbeiter oder Gabelstapelfahrer, das ist doch schon mal was), und der Supermarkt gewinnt einen Haufen Geld aus dem Erlös der Losverkäufe. Übrigens auch aus dem Verkauf der Nieten, wie das halt so ist bei einer Lotterie.

Im Rahmen ihres ehrgeizigen Programmes zur restlosen Beseitigung der Arbeitslosen zeigt sich die EU  begeistert von der cleveren Übergangsmaßnahme der italienischen Händler und hat letzteren - im Gegenzug - versprochen, ihnen ein Stückchen vom EU-Friedensnobelpreiskuchen abzugeben; schließlich wird auf diese Weise in Bälde Frieden an der europäischen Arbeitslosenfront herrschen.

Bis es so weit ist, hat die EU auf ihrem jüngsten Gipfeltreffen einstimmig beschlossen, das Unwort 'arbeitslos' (sofern es nicht großgeschrieben wird) ein für alle mal auszumerzen, also zu verbieten. Wer das Unwort trotzdem weiterhin verwendet, muss zur Strafe alle europäischen Arbeitslosen auf einem (von der europäischen Kommission DIN-normierten) Gabelstapler die nächsten zehn Jahre im Kreis durch die Eurozone fahren und darf nur in solchen EU-Ländern anhalten, wo gerade mal wieder ein Fachkräftemangel™ herausposaunt wurde.

Wie berichtet, wurde in den Fuhrpark an EU-normierten Gabelstaplern bereits kräftig investiert; dieser wurde - bedarfsgerecht - um prophylaktische 11,9 Prozent ausgebaut und mit der harmonisierenden Aufschrift versehen: "Bei uns bleibt keiner auf der Strecke!"

Mittwoch, 5. Dezember 2012

He took five and left



"Dave Brubeck has taken his final time out."
via 



Thanks for all that jazz, Mr. Brubeck.

Montag, 3. Dezember 2012

Schwanensee auf Spanisch


"El lago de los cisnes" (Schwanensee)
Street art in Valencia, Spanien
Dezember 2012

"Not so surreal that it seems.
You will understand better watching this video..."

Video: El lago de los cisnes:

"You can read more about this theme here(englisch)

oder hier (deutsch)

Sonntag, 2. Dezember 2012

Euro-Vision


Nicht jeder, der Visionen hat, muss zum Arzt gehen. Visionen sind was ganz Normales.

Merkel zum Beispiel hat die Vision, nächstes Jahr wiedergewählt zu werden, und keiner schickt sie deswegen zum Arzt, auch nicht, wenn sie - wie gestern - verdreht Visionäres von sich gibt wie "Ich werde weiter das tun, was für Deutschland und Europa am besten ist" und dies als "deutsche Solidarität" bezeichnet, was einerseits von fortgeschrittener Verwirrtheit zeugt, andererseits noch lange kein Grund sein muss, sich in Behandlung zu begeben, solange die sich überlagernden Visionen eine Konsistenz und der galoppierende Wahnsinn Methode aufweisen, was an der fortgesetzt visionären Drohgebärde, Europa auf Biegen und Brechen zusammenhalten - neudeutsch: "integrieren" - zu wollen, unschwer abzulesen ist, wobei das "auf Biegen und Brechen" insofern keinen behandlungsbedürftigen Realitätsverlust darstellt, als das europäische Gebälk sich längst ächzend biegt und, wo noch keine Brüche, so doch tiefe Risse in ihm zutage treten, was jedoch den wahren Eurovisionär nicht erschüttern, geschweige denn in die Hände des nächstbesten niedergelassenen Arztes treiben kann.

Leise rieselt und bröckelt es derweil an der einzigen und wahren Eurovisionsfront, nämlich der des alljährlichen European Song Contest™: Ein Land nach dem anderen bricht von der völkerverbindenden Megaträllerei weg - nach Portugal haben jetzt Griechenland und Zypern ihre Teilnahme für nächstes Jahr abgesagt. Begründung: leere Kassen. Kein Geld, weder für Brot noch für Spiele. Was, wenn das so weitergeht? Wenn Spanien, Italien und Irland sich von der großen eurovisionären Sause verabschieden? Wann wird - der Logik des voranschreitenden europäischen Pleitegeiers folgend - Frankreich aussteigen? Einfacher gefragt: Welches Land wird irgendwann - rein eurovisionstechnisch gesehen - übrig bleiben?
Nicht auszudenken!

Etwa jenes Land, das sich vor 30 Jahren mit schlichter Poesie sowie noch schlichterer, gemäß deutschem Reinheitsgebot völlig groovebefreiter Melodie und Rhythmik in die europäischen Herzen tremolierte? Warum nicht? Warum nicht nochmal? Was spricht gegen ein publikumswirksames, kostengünstiges Remake - etwa so: Deutschland zeigt allen anderen, wie man sparen und gewinnen kann bei weitgehend ausgeschalteter Konkurrenz; man nehme also "Ein bisschen Frieden", frische den betagten Song mit ein bisschen poppiger Freude und Eierkuchen auf (nicht allzu sehr, soll ja erkennbar deutsches Liedgut bleiben), stelle Merkel ans deutschsolidarische Mischpult, lasse großzügig alle nichtdeutschen Europäer zugucken (ohne Stimmrecht, versteht sich) und mitklatschen (auf die '1', auf was sonst) und betone, dass das bisschen Frieden Ihnen präsentiert wurde von der Europäischen Union,  die ja nicht umsonst "für über sechs Jahrzehnte, die zur Entwicklung von Frieden und Versöhnung, Demokratie und Menschenrechten in Europa beitrugen", den diesjährigen Friedensnobelpreis erhalten hat und stolz verkünden darf: Deutschland - 12 Punkte! Und jetzt alle.

Visionen halt. Und kein Arzt weit und breit.