Sonntag, 28. Februar 2010

Etwas fürs Herz


Mein Herz ist das lächelnde Kleid eines nie erratenen Gedankens.

via fixmbr

Samstag, 27. Februar 2010

Wer trägt den Müll raus?


Sack und Pack war vorgestern. Kräht heute kein Hahn mehr danach. War ja auch nix Besonderes, einfach nur ein paar durchgeknallte Klamotten, aus recyceltem Verpackungszeugs hergestellt, noch dazu von einem Hersteller, der eh mit Packmaterialien unterwegs ist. Kann ja jeder.
Müsste an ultimativer Dekadenz noch zu toppen sein, dachte sich ein anderer Hersteller, diesmal einer aus dem sogenannten Luxussegment,


der seinen Namen extrem dezent (ganz im Gegensatz zu seinen sonst bevorzugten Pflastermethoden) auf jenen dunkelgrünen Müllsack gedruckt hat, den er demnächst als trendige It-Bag auf die Deponie des High-End-Taschenmarktes werfen will. Der trashige Beutel ist aus Leder gefertigt, welches extra so bearbeitet wurde, dass es keinesfalls nach Leder, sondern wie ein Plastiksack aussieht. Ist gelungen. Der Schulterriemen lässt sich übrigens, falls gewünscht, entfernen, um den hippen Müllsack wie einen, ja, eben ganz normalen Müllsack per Hand durch die Gegend zu tragen. Hey, irre cool. Must have, unbedingt. Gibt's aber erst ab Frühjahr zu kaufen, zum Schnäppchenpreis von 1.996 US-Dollar. "...lass stehen, Schatz, ich trag' meinen Müll jetzt selber runter."

Und hier nochmal the real thing:

Freitag, 26. Februar 2010

Donnerstag, 25. Februar 2010

Sack und Pack


Jetzt also Klamotten aus Packpapier. Alles schon mal dagewesen. Zum Beispiel im und nach dem letzten Krieg in Deutschland. Da haben die Leute gefroren und sich die wärmenden Eigenschaften von Packpapier zunutze gemacht: als Unterlage auf kalten Böden, zum Zudecken beim Schlafen, als Umhang um den Körper oder als schützende Kopfbedeckung. Gewissermaßen ein alter Hut.

Jedoch, Klamotten aus Packpapier werden derzeit als letzter Modeschrei gehandelt. Das deutsche Logistikunternehmen DHL präsentiert "the first fashion collection made of packaging materials".

Recession Chic auf Haute-Couture-Niveau. Man beachte die erbarmungswürdigen Schlüsselbeine und den verhungerten Gesichtsausdruck unter dem Müllbeutel, ehm, der Designerduschhaube. Passt schon.

Pate gestanden beim edlen Pack-Look hat der deutsche Modedesigner Michael Michalsky, und nach einem Blick auf dessen Homepage wundert einen nichts mehr. Seine Kollektion für Frühjahr/Sommer 2010 nennt er "1929 Revisited - The Great Depression Part 2" und beschreibt sie so:
"Die Kollektion ist inspiriert durch die Wirtschaftskrise, die der ganzen Welt momentan begegnet."
Ah ja.
"Die Kollektion ist geprägt durch Apron Kleider..."
- Mädels aufgepasst, das sind Schürzenkleider, auf deutsch Kittel -
"...sowie Arbeits- und Funktionsbekleidung. Kleidung, in der man leben und arbeiten kann."
Wie, arbeiten? Was arbeiten? Im Hobbykeller? In der Küche? Nicht doch:
"Die All-Over-Drucke der Saison basieren auf einer Collage aus Aktien, die dem Jahr 1929 entstammen, und luxuriösen Diamanten-Drucken, die die ultimative Dekadenz symbolisieren."
Oha. Dekadenz! War da nicht neulich was mit Guido?
"Zudem beinhaltet die Kollektion mehrere Blumendrucke auf Baumwoll- und Seidenstoffen, die teilweise wie ein Flickwerk eingesetzt werden."
Wie heißt es so schön? Arm und geflickt, aber sauber.

Man erkennt des Meisters visionäre Designerhandschrift unschwer bei den schicken neuen DHL-Teilen. Der Copyranter kommentiert (wie immer) sarkastisch, ihm würde das Gelumpe aus Packpapier soo brandneu keineswegs vorkommen. Schließlich liefen bei ihm zuhause in New York die Obdachlosen schon seit zwanzig Jahren mit 'Schuhen', 'Hüten', 'Ponchos' und 'Wickelgewändern' aller Art herum, gefertigt aus recycelten Packmaterialien. Na ja, ist ja Amerika. Weit weg.

Obwohl.

Mittwoch, 24. Februar 2010

Die linden Lüfte sind erwacht


Tirili, tirila. Frühling ist da. Keine Widerrede. Zwar habe ich noch keine einzige Knospe gesichtet, überall liegen Schnee- und Eiskrusten herum, und heute früh regnete es in Strömen. Aber - es war warm, oder um genau zu sein: Es war nicht kalt. Was will man mehr, um halb sechs morgens. Die Luft war mild, der Regen platschte mir ins Gesicht, in den Bäumen randalierten die Vögel und ich fand es herrlich auf dem Fahrrad.

Um neun linste die Sonne um die Ecke, was Frau Übermop zu lautem Nachdenken veranlasste: "Es wird mal wieder Zeit." Mrs. Mop verstand sofort - schließlich kennt man sich nunmehr seit fast einem Jahr - und griff zu Eimer, Essigessenz und Fensterleder. Endlich mal wieder. Während des strengen langen Winters lag meine Lieblingstätigkeit brach; Frost und Fensterputzen vertragen sich nicht. Entsprechend haben die Fenster ausgeschaut. Es war also mal wieder Zeit.

Was für ein großartiger Moment, den ersten Fensterflügel zu öffnen, ohne dabei zu erschauern vor Kälte. Ein laues Lüftchen wehte herein. Die kahlen Baumäste ragten starr in den Himmel. Die Sonne blinzelte hindurch. Die Vögel tobten. Ich stieg auf den Außensims und begann mit den Oberlichtern. Ein Sonnenstrahl kitzelte meinen Nacken. Auf dem Gehweg liefen ernste Bürogesichter vorbei. Um nichts in der Welt hätte ich in diesem Augenblick meinen Job gegen einen anderen tauschen wollen.

Dienstag, 23. Februar 2010

Haushaltsplanung


Installation für Umzugs-Rechenkünstler:

Frau mit Taschenrechner
neben old-school Kopfrechner

Montag, 22. Februar 2010

Sugar And Spice


Vor kurzem bekam ich einen Blog-Award verliehen und war von den Socken, dass es so etwas gibt. Es handelt sich um eine Art Wanderpokal. Die damit Geehrte reicht den Award an eine andere Bloggerin weiter. Als Preisträgerin auserkoren wurde ich von Britta, der vorigen Awardinhaberin.

Britta, die ihr Herz erfreulicherweise auf der Zunge zu tragen pflegt, schloss ihre kleine 'Laudatio' mit den Worten:
You go, girl! Tritt dem Schicksal in den Arsch, dass der rote Schuh stecken bleibt!
Hat sie so gesagt, genau so. Die roten Schuhe haben es gehört und waren zunächst sprachlos; inzwischen sind sie am Überlegen, in welchen Arsch sie als erstes treten sollen. Die Auswahl ist beträchtlich. Noch sind linker und rechter roter Schuh sich nicht ganz einig; eine Tendenz zeichnet sich ab. Ich kann dem fraglichen Arsch nur empfehlen, frühzeitig in Deckung zu gehen.

Danke, Britta.
Der Award selbst ist very sweet, ziemlich rosa, überhaupt sehr pastellig gehalten und weckt in mir das dringende Bedürfnis, ihn durch ein paar kräftige Kontrastfarben zu erden:
Weil, Süßes esse ich zwar für mein Leben gern, bin aber nun mal kein Pastelltyp, in keiner Hinsicht, no way. Drum habe ich mir auch für meinen Job die allerknallrotesten Schuhe gekauft. Rot kickt besser. Egal in welchen Hintern.

Nun übergebe ich die süßen Bömbchen jener Bloggerin, der ich den Award vor der Nase weggeschnappt habe. Britta war nämlich drauf und dran gewesen, jemand anderem den Preis zu verleihen, als ihr in fast letzter Sekunde Mrs. Mop einfiel. Mrs. Mop wiederum schnüffelte daraufhin in dem Blog 'der Anderen' herum und stellte fest, dass das Lesen dort Spass macht. Sie heißt Sissy Sisco, hat eine Menge Humor, bringt ihre Meinungen unverblümt zum Ausdruck und kann wortgewaltig schimpfen. Außerdem hat sie ein Faible für abgedrehte Videos. Sissy, übernehmen Sie!

Sonntag, 21. Februar 2010

Blues And Beyond


Als ich heute früh die Augen aufknipste und aus dem Fenster schaute, traf mich der Schlag: dichtes Schneetreiben, geschlossene Schneedecke, darunter auf immer begraben der Vorfrühling.

Beste Bedingungen für den gut ausgeschlafenen Vorabendblues, sich genüsslich zu räkeln und zu strecken und mir mitzuteilen, dass er beabsichtige, mich zentnerschwer durch den Tag zu schleppen. Ich ließ ihn gewähren. Hat ja gar keinen Sinn, sich gegen den Blues zu wehren; er kommt, macht sich breit und verlangt, dass man Ja zu ihm sagt. Weil, bevor man ihn nicht ehrlich bejaht, wird er keinerlei Anstalten machen sich zu verkrümeln. War schon immer so, in meinem Leben jedenfalls. Begrüße ich ihn hingegen (nach einer widerspenstigen Phase) mit einem freundlich kapitulierenden Ja - meist ist es ein geächztes In Gottes Namen -, dann lässt es sich mit dem Blues ganz gut leben. Er möchte halt ab und zu etwas zu essen und beachtet werden, fast wie ein ganz normaler Mensch, dann geht es ihm gut. Irgendwann ist er satt und hat genug und trollt sich.

So wie jetzt zum Beispiel, in diesem Augenblick, wo der Blues genau merkt, dass ich mich mit ihm beschäftige, ihm ins Gesicht schaue, versuche seine amorphe Gestalt zu erkunden und ihm eine sprachliche Form zu geben, eine, die passt und stimmt - das hat er gern, der Blues. Und was soll ich sagen - ich habe es auch gern. Dieses Abtasten, dieses Suchen nach Worten, das Herausschälen von Charakteristischem, das den-Wörtern-Hinterherlauschen (ich schreibe stets nach Gehör, selbst wenn der Text bereits auf dem Bildschirm zu sehen ist) und irgendwann zu spüren, dass der Rhythmus stimmt. Den Blues kneten, formen und gestalten. All die vielen anderen Dinge, über die es sich zu schreiben lohnt, formen und gestalten, ihnen Leben und Rhythmus einhauchen und dem Klang des Geschriebenen lauschen - das macht mich glücklich. Für den Augenblick.

Womit ich endlich beim Thema wäre: Ten Reasons To Be Cheerful. Fehlen noch neun.

Über den Augenblick hinaus bin ich froh darüber, dass es allgemein fast nichts gibt, dem nicht mit Schreiben zu Leibe zu rücken wäre. Also mit Kneten, Bearbeiten, Ruhenlassen, Gestalten und Lauschen. In den Text hinein, in mich hinein. Nach jedem Schreiben sieht mein Thema, mein Problem, mein Leben ein Stück weit anders aus als vor dem Schreiben. Gib dem, was du tust, eine Form. Mein Lebensthema. Es umsetzen zu können, stimmt mich froh.

Da waren's nur noch acht.

Ich liebe Musik. Ich lebe Musik. Ich bin Musik. Ich saufe Musik. Ich ernähre mich von Musik. Hätte Musik Kalorien, könnte man mich kugelrund durch die Gegend rollen. Gerade höre ich den schweren Kalorienträger Fried Neckbones And Some Home Fries mit dem wundervollen Willie Bobo. Am glücklichsten machen mich Funk, Soul, Blues, Jazz, Kuba (Mambo, Son, Bolero), Brasil (Bossa Nova), Reggae, Ska und alles, was groovt wie Sau. Inzwischen höre ich Torch Of Freedom von re:jazz, gesungen von Joy Delanane. Ein Aufrechtmacher.

Siebtens: Tanzen.

Sechstens: Tanzen.

Fünftens: Tanzen.

Viertens: Auf dem Fahrrad sitzen. Einfach so. Beim Fahren den Wind im Gesicht spüren. Ordentlich die Pedale kneten. An Fahrt aufnehmen. Richtig durchstarten. Außen kalt, innen warm werden. Spüren, dass ich am Leben bin. Spüren, dass ich aus eigener Kraft von hier nach dort komme. Lust an der Fortbewegung. Lust an der Freiheit.

Drittens: Cartoons. Am liebsten die ganz alten aus den 30er und 40er Jahren. Als Mickey Mouse noch ein erwachsener, kein kindlicher Charakter war. Alte Cartoons mit Musik liebe ich besonders, und am allerglücklichsten machen mich alte Cartoons mit Musik und Tanz. Bei so etwas werde ich schwach: ein betrunkener Kapellmeister auf dem Hochseil (via Kevin Langley). Ich glaube, in Wirklichkeit bin ich selber ein Cartooncharakter. Das weiß aber außer mir niemand.

Zweitens: Das Bloggen. Ist ja wohl klar. Mein Leben verläuft seit geraumer Zeit in nicht eben geordneten Bahnen, da gibt mir mein Blog einen Halt, eine Struktur und eine Heimat. Jeden Tag auf dem Nachhauseweg freue ich mich auf mein Blog. Manchmal kommt es vor, dass mein Offline-Umfeld mir tierisch auf den Wecker geht. Dann wird mein Blog zum Asyl. In eigener Sache.

Einer fehlt noch. An den ersten oder letzten Grund hat mich Sissy Sisco heute früh erinnert. Sie freut sich über die kleinen Bloggeschichten mit Fotos oder Fotos mit Bloggeschichten, wie auch immer - ich weiß es selbst nicht, was mich da eigentlich antreibt. Dieses slapstickhafte Element hatte ich ursprünglich nicht auf dem Plan, als ich zu bloggen anfing. Es hat sich von allein so ergeben. Jetzt ist es quasi hinterrücks zur Liebhaberei geworden: Gedanken aufklauben, Großstadteindrücke sammeln, Maulaffen feilhalten, Erinnerungen frisch halten, in Wort und Bild spontan drauflos assoziieren. Ich mag das. Über so eine kleine nebensächliche Bilderstory kann ich mich freuen wie ein Kind. Für den Augenblick.


Samstag, 20. Februar 2010

Blues The Healer


Morgens beim Kaffeetrinken war mir so, als würde ich heute endlich das Projekt 'Stöckchen' in Angriff nehmen. Zur Erinnerung: Reasons To Be Cheerful waren gefragt; zehn an der Zahl. Ganz schön viel, wie ich finde, doch heute früh dachte ich, das packst du locker, schließlich ist jetzt Vorfrühling, und du hast eine gute neue Wohnung, und Zeit zum Schreiben hast du heute auch endlich mal wieder - also wann, wenn nicht heute? Ich war guter Dinge. Obendrein stieß ich auf ein genial albernes Video, wo ein Hund (Labrador) mit Menschenhänden Plätzchen (oder Hundekekse) verzehrt. Ich schaute mehrmals, lachte Tränen und war bester Dinge. Cheerful halt. Ja, so einfach kann es gehen.

Dann jedoch geschah dies und das, mein Tag trübte sich ein, und je mehr draußen die Sonne schien (sie tat es gewaltig), desto mehr (also gewaltig) zog sich mein Tag zu. Wolkentechnisch gesehen. Das ging so weiter, bis sich die Verstimmung zu einem gewaltigen Blues ausgewachsen hatte. Warum und wieso, ist jetzt zweitrangig, interessanter finde ich die Frage: Wie cheerful muss man eigentlich sein, um darzulegen, welche Gründe es gibt, cheerful zu sein? Wobei es mir jetzt nicht um das ganz große Lebensglück/-unglück geht, sondern einfach um die Tagesverfassung.

Weil, bei so einer situativen Verdunkelung des Gemüts fällt einem zum Thema ja mal rein gar nichts ein. Obwohl ich genau weiß, dass es ziemlich viele Gründe gibt. Ich weiß nur nicht, wo ich sie gerade verlegt habe. Deshalb verschiebe ich das Projekt auf morgen und gebe mich dem Blues hin.


John Le Hooker und Van Morrison singen I Cover The Waterfront. Zu sehen gibt es, außer einem Bild, nichts. Zu hören alles. Obwohl das meiste ungespielt, der Gesang nur angedeutet bleibt. Das schafft beim Hören viel Raum, um zur Ruhe und zu sich selbst zu finden.
Blues a healer, all over the world
It healed me, to heal me
Can heal you, heal you, if you let it.
Carlos Santana

Freitag, 19. Februar 2010

Es lenzt


Seit heute plätschert er wieder geräuschvoll: der vom Eise halbwegs befreite Bach. Ich habe beschlossen, dass ab jetzt Vorfrühling ist.
Anderen scheint es ähnlich zu gehen.

Donnerstag, 18. Februar 2010

Apothekenpreise


Die Wohnungssucherei hat ein Ende. Ich ziehe unters Dach, juchhe. Mit Balkon. Ich kann es noch nicht wirklich fassen.

Natürlich habe ich mich gleich ein wenig in meiner neuen Nachbarschaft umgeschaut und eine hochinteressante Infrastruktur entdeckt: ein kleiner Supermarkt, namenlos, fernab der großen Ketten des Lebensmittelhandels, mit einem unkonventionellen Außenauftritt.

Phänomenal finde ich das, und auf groteske Weise vertrauensbildend; einerseits völlig abgedreht, andererseits grundehrlich daherkommend. Leider hatte ich keine Zeit für einen Ladencheck - demnächst werde ich dem Leistungsversprechen auf den Zahn fühlen.

Mittwoch, 17. Februar 2010

Substanzverlust


Vor genau einem Monat erfreute ich mich bereits an der Schneeschmelze, was genau einen Monat zu früh gefreut war, denn man weiß ja, wie es danach weiterging.

Ich schöpfe neue Hoffnung. Heute begegnete mir dieser Schneemannzwerg gleich zweimal, einmal um kurz nach zehn,

...und dann noch einmal um halb zwölf. Da schaute er schon fast wie ein schlanker Osterhase aus weißer Schokolade aus. Mal sehen, was morgen noch von ihm übrig sein wird.
Schneeglöckchen, übernehmt.

Dienstag, 16. Februar 2010

Augenblicke


Man kann ja mal einen Blick riskieren.

Montag, 15. Februar 2010

Zwei Paar rote Schuhe


Einer der Geschäftsführer hatte keine Lust mehr, sich weiter mein Genöle über Wohnungssuche und damit verbundene Konfliktlagen anzuhören, und lud mich kurzerhand zur Rosenmontag-Sause ins Restaurant ein. "Damit Du mal auf andere Gedanken kommst." Gesagt, getan. Ich kam auf andere Gedanken. Rüschte mich ein bisschen auf, so um den Kopf rum - ein gescheiter Hut ist immer das Allerwichtigste. Hut gibt Mut, finde ich. Und stürzte mich rein ins Vergnügen. Die roten Schuhe fand ich verzichtbar, und das war gut so, denn es waren schon welche da. Auf der Sause, meine ich.
Wir kamen in ein angeregtes Gespräch und ich erzählte irgendwann von meinen roten Schuhen. Und dass ich ein Blog habe, das genauso heißt. Beidseitig großer Frohsinn. Übergabe der Blogadresse. Jetzt bin ich mal gespannt.

Wobei es sich wirklich merkwürdig anfühlt, abends um elf dort zu feiern, wo man sieben Stunden später anfängt zu putzen. Sehr merkwürdig.

Sonntag, 14. Februar 2010

Fabelwesen


Drachen im Anmarsch

Drachen beim Kaltstart

Drachen helau.

Samstag, 13. Februar 2010

Höhenluft


Am liebsten wohne ich ganz oben, keiner über mir. Einerseits. Andererseits hätte ich furchtbar gern einen Balkon. Beides zusammen - Balkon und ganz oben - ist schwierig zu haben.
Balkon und ganz unten ist eher machbar.
Aber das wäre mir dann doch irgendwie zu weit unten für einen Balkon.

Schwierig. Aber nicht aussichtslos.

Freitag, 12. Februar 2010

Mich wundert, dass ich fröhlich bin


Der Wahnsinn. Während ich auf dem Wohnungsmarkt Klinken putze, schlägt hier ein Stöckchen auf. Ich habe sofort bei Wikipedia nachgeschaut, aber war nix - kein Stöckchen. Zwar ist mir beim Lesen von Blogs das eine oder andere Steckerl schon begegnet, aber das eigentliche Prinzip des Stöckchens war mir dabei nie so wirklich klar geworden. Das wird sich nun ändern. Das Wochenende naht, die Dichte der zu besichtigenden Wohnungen wird geringer - bis jetzt nur zwei - und ich werde mich mit mehr Muße diesem Stöckchen-Code widmen können. Mit anderen Worten, ich stehe noch etwas auf dem Schlauch.

Reasons To Be Cheerful heißt das Stöckchenthema, was eine echte spirituelle Herausforderung ist für jemanden, der grade herumwuselt auf Wohnungssuche im Niedrigpreissegment. Ich musste schlucken. Dann klickte ich auf das verlinkte Musikvideo - und hob ab.

Ian Dury. Ich liebe diesen Musiker. Diese Stimme. Es gibt kein Wort für diese Stimme. Diese scharfen Bewegungen, diese präzise rhythmische Körpersprache, alles auf den Punkt bringend. Die Musik, hart und funkig und dabei unglaublich lässig groovend. Witz gepaart mit schweißtreibender Intensität. Grandios gefilmt. Gnadenlos mitreißend. Ich hob ab.

Reasons To Be Cheerful heißt auch der Song von Ian Dury. Man hört und sieht ihn am besten abends, wenn man gegen sieben Uhr nach Hause kommt, leicht angenervt ist, eigentlich keine Lust mehr hat auf Rausgehen, schnell ein dickes Käsebrot verschlingt, bevor man, durch den Schnee stapfend, die nächste Wohnung besichtigen geht. Also am besten zu einem Zeitpunkt, wo man sich einbildet, man hätte ein Recht darauf, die Schnauze voll zu haben. Und dann Ian Dury - now that's a reason to be cheerful! Danke, Britta.

Donnerstag, 11. Februar 2010

Rush


Keine Zeit. Nur noch unterwegs. Heftig auf Wohnungssuche.

Mittwoch, 10. Februar 2010

Auf dem Schlauch


Ja von wegen. Dieser verfluchte Rollsplitt kriegt alles platt. Da fährt man auf eine fette, glänzende Rollsplitt-Piste zu, hat keine andere Wahl, muss da durch, hält die Luft an, hört das widerliche Gebratzel unter den Reifen, spürt den Rollwiderstand und wie das Zeug sich ins Profil eingräbt und malt sich aus, wie sich die kleinsten der scharfen Partikel langsam, aber sicher sich durch den Mantel arbeiten.

Irgendwann ist es dann so weit. Früher oder später. Eigentlich ist es egal, wann es passiert, denn es wird immer wieder passieren. Ich schätze mal, bei dem Tempo, was die deutschen Stadtreinigungen vorlegen beim diesjährigen Schnee- und Eisräumen, werden die Geröllhalden noch bis mindestens Juni auf den Straßen und Radwegen liegenbleiben und das Radfahren zur Tortur machen. (Wenig Mutmachendes gibt es hier zu lesen.) Wenigstens wird dann bereits im Sommer für den nächsten Winter gestreut sein. Warum nicht gleich ganzjährig alle Fahr- und Gehwege zuschottern? So ließe sich doch eine Menge Streusalz einsparen, jenem kostbaren und leider knapp gewordenem Gut, mit dem die Reinigungsbetriebe offenbar eh nicht zu haushalten verstehen. Wir Radfahrer sind dabei.

Und stehen nächstens wieder auf dem Schlauch. Schöne Aussichten.

Dienstag, 9. Februar 2010

Der Eiswürfelbaum


Geschickt plaziert mitten in der Ewigen Eiszeit zwischen Weihnachtsbaum und Ostereierstrauch hat sich dieser aparte Eiswürfelbaum.

Statt Kugeln oder Eiern hängen tiefgefrorene Giga-Gummibärchen an den kahlen Ästen. So wie es aussieht, nämlich schlecht, werden sie noch eine ganze Zeitlang hängenbleiben. Eiszeit eben. Aber gut aussehen tun sie trotzdem. Wie schnell sich doch das fröstelnde Herz an ein paar kalten Klunkern erwärmen kann.

Montag, 8. Februar 2010

Warmes Fläschchen


Man glaubt es kaum, aber es ist schon wieder ein neues Tief unterwegs. Das Tief ist nicht bloß tief, sondern kalt, und zwar grauslig. Oh, war das kalt heute früh, jedenfalls verglichen mit den letzten Tagen, und im Lauf des Vormittags wurde es sogar immer kälter. Wo es doch normal andersrum sein sollte. Also, es sollte doch natürlicherweise um neun Uhr wärmer geworden sein als es um fünf Uhr gewesen ist, oder? Aber es wurde immer kälter.

Um sechs trank ich mein Mineralwasser (ich trinke viel davon) noch wie gewohnt vom Tresen weg. Um sieben merkte ich, dass mein Bauch unangenehm kalt wurde beim Trinken; um halb acht hatte ich das Gefühl, Eiswasser in mich hineinzuschütten. Um acht schnappte ich mir einen Sektkühler und zweckentfremdete ihn. Heißes Wasser, Flasche rein. Funktioniert perfekt. Nach nur fünf Minuten passt sich der kalte Flascheninhalt beinahe der Körpertemperatur an und schmeckt in großen Schlucken köstlich. Finde ich.
Irgendwann bog Frau Übermop um die Ecke, erblickte Kühler samt Flasche, schaute mich mit großen Augen an, fragte kopfschüttelnd "wasDASdenn?", was sie immer fragt, wenn sie findet, dass ich etwas Merkwürdiges tue, was wiederum nicht selten vorkommt, und fuhr fort, ohne eine Antwort von mir abzuwarten: "Wir sind übrigens ein Restaurant mit mehreren Kühlschränken, wieso stellst du deine Flasche nicht gleich in einen Kühlschrank?" Ich erklärte ihr, bei dem Sektkühler handele es sich situativ um einen Flaschenwärmer. Aha, meinte Frau Übermop, und nach kurzem Nachdenken, "ein Flaschenwärmer - im Endeffekt läuft es aber auf eine Wärmflasche raus, richtig?"
Könnte man auch sagen, ja. Sozusagen die Wärmflasche des Tages.


(PS: Bei dem ersten Bild handelt es sich übrigens um KEINE Werbung.)


Sonntag, 7. Februar 2010

Pianoforte


Ein Klavier weint.

Einer sammelt Klaviertränen.

Samstag, 6. Februar 2010

Unterwegs



Mit Sitz, ohne Wohnsitz.

Freitag, 5. Februar 2010

Vier Männer im Schnee


Ein paar extrem coole mittelschwere Jungs üben Schneeballschießen von einem S-Bahnsteig zum anderen. Ich komme auf dem Fahrrad die Fußgängerrampe hoch geschnaubt. Oben angekommen, wird mein Wendemanöver durch den Schneematsch kritisch beäugt.
"Gefährlich, was Sie da machen", bemerkt ausgerechnet der am gefährlichsten aussehende der vier coolen Jungs.
"Sehr gefährlich", betont der Kleinste und warnt fürsorglich, "erst neulich ist ein Mädchen auf die Gleise gefallen und von der S-Bahn überfahren worden, haben Sie nicht gehört?"
Doch, antworte ich, verspreche gut aufzupassen und schiebe nach, dass ich ja schon erwachsen sei und keine sechzehn mehr.
"Oh", ruft der lange Dünne galant aus, "Sie sehen aber kaum älter aus!"
"Höchstens wie siebzehn", kräht der Kleine mit vollendeter Kennermiene.
Ich denke mir, na, für extrem coole Jungs haben die aber extrem gute Manieren, und spreche meine Anerkennung aus.
Da antwortet der am finstersten dreinblickende der fantastischen Vier mit todernstem Gesicht: "So was lernen wir im Sexualkundeunterricht."
Extreme Heiterkeit auf dem Bahnsteig.

Donnerstag, 4. Februar 2010

Unverkabelt


Ich neige ja sonst nicht zum Verkuppeln...


...aber hier müsste doch etwas zu machen sein?

Mittwoch, 3. Februar 2010

Busreisen


Morgens um fünf Uhr einundzwanzig ist es so weit: Der Bus kommt. Manchmal. Es wäre kein richtiger Bus, wenn man sich auf ihn verlassen könnte. Genau genommen kommt der Bus, wann es ihm passt. Also stehe ich in der Kälte und warte auf das Ungewisse, trample Schnee- und Matschhäufchen klein, um nicht zu frieren und schaue von weitem aus wie einer vom grönländischen Kneippverein. Irgendwann endlich erklingt ein langgezogenes archaisches Ächzen - der Bus bremst an der roten Ampel -, dann biegt das dicke Raumschiff um die Ecke und verschluckt mich. Die nächsten zwanzig Minuten verbringe ich in einem sozialen Mikrokosmos der besonderen Art.

Im Gegensatz zur U-Bahn herrscht im Bus ein fast religiöses Halbdunkel. Das heißt: je weiter hinten, desto dunkler. Nur vorne, direkt hinterm Fahrer, brennt eine schwache Deckenbeleuchtung.
Im Gegensatz zur U-Bahn ist der Bus gut besetzt: mit knapp zwanzig Frauen und schätzungsweise zwei Männern.
Im Gegensatz zur U-Bahn geht es im Bus durchaus geräuschvoll zu. Einige der Frauen kennen sich, haben sich entsprechend platziert, unterhalten sich lebhaft, kichern viel und begrüßen manche neu Hinzusteigende lautstark wie eine alte Bekannte mit "Morrrgeen!" - vom Rest ihrer Sprachen verstehe ich kein Wort - und dann wird noch mehr gekichert.

Kurzum, im Gegensatz zur U-Bahn kann man im Bus frühmorgens was erleben. Einer ungeschriebenen Regel folgend sitzen die Geselligen im hinteren Teil des Busses, während die schweigsamen Solisten die Fensterplätze im vorderen Teil okkupieren. In Fahrtrichtung, versteht sich. Nachgerade tabu scheint es zu sein, dort einen Platz gegen die Fahrtrichtung einzunehmen; jedenfalls macht es niemand. Lieber setzen sich die Leute neben einen Fensterhocker - ungern, aber wenn's sein muss - als ihm schräg gegenüber. Ich fahre jetzt seit Daisys Comeback morgens mit dieser Linie, und nie hat sich im vorderen Teil des Busses jemand gegen die Fahrtrichtung gesetzt, mich eingeschlossen; selbst bei maximaler Müdigkeit und größter Platznot bleibe ich lieber vorne beim Fahrer stehen und schaue den großen Scheibenwischern beim Schwingen zu. Warum? Ich habe nie darüber nachgedacht. Ich vermeide es einfach instinkthaft.

Man könnte diese frühe Busverbindung auch Putzfrauenlinie nennen. Putzfrauen erkennt man daran, dass sie dicke Anoraks tragen, riesengroße Schulterumhängetaschen mit sich führen und die besten Plätze im Bus besetzen. Außerdem haben Putzfrauen meistens noch einen extra Tragebeutel bei sich, auf dem Namen wie Esprit oder Douglas stehen (nie wird auf einem solchen Tragebeutel der Name Aldi oder Lidl zu lesen sein). An einigen Haltestellen - Krankenhäusern, Bürogebäuden - verlassen sie grüppchenweise den Bus. Neue Putzfrauen in dicken Anoraks steigen zu, zielstrebig die soeben frei gewordenen besten Sitzplätze ansteuernd.

So geht das jeden Morgen. Aber seit ein paar Tagen ist es ein bisschen unruhig geworden auf der Putzfrauenlinie. Es steigen nämlich gelegentlich Menschen zu, die nicht so recht ins gewohnte Bild passen: Männer mit schweren schwarzen Wollmänteln, Laptopkoffern und Schuhwerk, das für Schneematsch nicht geschaffen wurde. Männer also, die nicht für öffentliche Verkehrsmittel geschaffen wurden. Männer, die ein Auto haben, aber mit dem Auto irgendein Problem haben.

Nach dem Lösen eines Fahrscheines werfen sie einen prüfenden Blick in den Bus, halten inne und wissen sichtlich nicht wohin mit sich. Hinten ist es ihnen zu düster, vorne ist kein Fensterplatz frei. Sich neben einen der Fensterhocker zu setzen, kommt ihnen nicht in den Sinn - also nehmen sie gegen die Fahrtrichtung Platz, und zwar ganz vorne, wo man dank Deckenlicht noch einigermaßen etwas sehen kann. Dort sitzen sie also.

Nach einer Weile gewöhnen sich die Augen des Neueinsteigers an das Halbdunkel. Er erkennt im hinteren Teil des Busses schemenhaft die Umrisse von lauter fellbesetzten Anorak-Kapuzen mit Gesichtern, deren Augen allesamt auf ihn, den Neueinsteiger gerichtet sind. Aus den Fellkapuzen heraus gluckst und kichert es. Die Sprachen klingen fremd. Der fremde Mann fühlt sich fremd. Das fahle Deckenlicht wird zum Scheinwerferspot. Statt selbst zu kontrollieren fühlt er sich kontrolliert. Nach zwei Stationen hält er es nicht mehr aus. Er erhebt sich, dreht sich um und wendet uns für den Rest der Fahrt den Rücken zu. Obwohl neben den Solo-Putzfrauen noch genug Platz gewesen wäre. In Fahrtrichtung.

Dienstag, 2. Februar 2010

Too matsch


Es schneit wie verrückt und überall liegt frisch gefallener Matsch.

Wie komm' ich bloß von hier nach dort,

fragt sich Jung

wie Alt

und ich irgendwo zwischendrin steckengeblieben.

Montag, 1. Februar 2010

Mrs. Mop's Job


Gestern preisgekrönte Autorin, heute ungekrönter Putzchampion im Sondereinsatzkommando Autorenparty-Spurenbeseitigung.
Mann, haben die gefeiert.
Dunkel erinnert sich Mrs. Mop, mitgefeiert zu haben.
So putzen Autoren hinter Autoren her.