Sonntag, 31. Januar 2010

Ohne Schweiß kein Preis


Was für ein Tag.

Was für ein Tag? Der Tag des Buches.
Welchen Buches? Dieses Buches.

Öffentliche Signierstunde im Restaurant.
Buffet und Sekt und alles vom Feinsten.

Anwesende Gäste: Alle Autoren, die an jenem Gedichtwettbewerb teilgenommen und in einer der zahlreichen Kategorien gewonnen hatten. Es waren also zahlreiche Autoren anwesend, darunter auch Mrs. Mop. Letztere hatte überraschenderweise in der Gedichtkategorie "Küsserei" gewonnen.
Heute nun signierten die dichtenden Preisträger ihre Werke beziehungsweise ließen sich die Werke anderer Preisträger signieren, was ein heftiges, kreuz- und queres Signiertreiben im gesamten Lokal verursachte.

Um die gegenseitige Kontaktaufnahme zu erleichtern, bekam jeder Autor ein Schildchen an die Brust geheftet: Darauf stand eine prägnante Zeile aus dem eigenen Gedicht sowie der Autorenname. Hier wird gerade Mrs. Mops Brustschildchen fotografiert,
auf welchem geschrieben stand:
- bedauerlicherweise mit einem Schreibfehler, denn selbstverständlich kam der Musenkuss im Original-Epos angezischt und nicht angezicht. Was jedoch einige (kurzsichtige oder was?) Gastautoren dazu veranlasste, auf meinem Schildchen 'angezickt' zu lesen und über die Volatilität zickiger Musenküsse meinten räsonnieren zu müssen. So kam man sich näher.

Als Autor und Gast fand ich die Signier-Sause höchst gelungen; aber es gab Momente, da wurde mir als Mrs. Mop ziemlich warm. Also, zu warm. Mit ins-Schwitzen-kommen und weichen Knien und so. Geahnt hatte ich so etwas schon im voraus und mir gesagt: Da gehst du durch. Jetzt blogge ich mit noch immer weichen Knien und bin froh, dass ich da durch bin. Aber noch froher bin ich übers Bloggen. Weil, wenn Mrs. Mop kein Blog hätte, wäre sie vielleicht gar nicht zum Signieren gegangen.

Samstag, 30. Januar 2010

Rausch und Geräusche


Es hat seine Reize, anderen Leuten beim Schneeschippen zuzuschauen. Weil, man lernt ja nie aus. Wie schaufelt man am besten eine große rechteckige Fläche frei? Wie lässt sich am schnellsten der Schnee von einem schmalen Weg wegschippen? Ohne dass hinter dem Schippenden heimtückisch die Schneeberge zurück auf den Weg fallen? Ach, und erst diese Treppen, die schneebedeckten - immer wieder eine Herausforderung für den herumstümpernden Anfänger.


Da reizt es, einem Könner bei der Arbeit zuzuschauen. Einem, dessen Job es (unter anderem) ist, Schnee zu schippen. Obwohl er dafür kein Geld bekommt. Vielmehr darf er fürs Schneeschippen (und Putzen) mietfrei wohnen. Eine Zeitlang.

Schaufelnd und schippend setzt er beträchtliche Mengen an Endorphin frei, steigert sich schließlich in einen veritablen Schaufelrausch hinein und nennt darum sein Video Shovelmania. Grandios. Musikalisch perfekt untermalt und mit den druntergemixten (echten) Schippgeräuschen ein extrem cooler Soundtrack: Man möchte sofort anfangen Schnee zu schippen.

Der Shovelmaniac heißt Jason Paul, ist 22 und arbeitslos. Nach einem Bachelor-Abschluss in Kommunikationswissenschaften, 180 erfolglosen Bewerbungen und mehreren schlechtbezahlten Praktika bei diversen amerikanischen Zeitungen hatte er genug von dem Frust; er beschloss auf die Walz zu gehen. Und darüber zu bloggen. Ehrlich und voller Leidenschaft, mitunter rauschhaft. Täte man es nicht bereits - man möchte sofort anfangen zu bloggen.

Freitag, 29. Januar 2010

Frisch tapeziert


Schnee, Kälte und kein Ende in Sicht. Das Winterchaos wird zum Alltag. Heute früh im Radio kam ein erstaunlich unaufgeregter Beitrag über die neuerlichen, nicht endenwollenden Schneemassen und deren Auswirkungen auf die Menschheit. Tenor der Sendung: Alles halb so wild, die Leute haben sich nach anfänglichem Schock daran gewöhnt und inzwischen gelernt, sich mit dem Winter als Dauerzustand einzurichten. Morgens schippen sie halt Schnee und abends machen sie es sich gemütlich. Was sollen sie auch sonst tun bei dem Wetter.

Sich einrichten, genau. Erst dachte man ja, das mit dem vielen Schnee sei etwas Vorübergehendes, da reiche ein bisschen Improvisieren und dann würde schon der Frühling kommen. Es kam anders.
Dauerfrost bleibt Dauerfrost, der kalte Wind macht alles noch ärger, man fror erbärmlich und so begann man, sich häuslich einzurichten. Aus Notunterkünften wurden im Laufe der letzten Wochen möblierte Quartiere mit hübschen Tapeten und viel wärmender Plüschware. Nicht zu vergessen die frischen farbpsychologischen Akzente im heimtextilen Bereich zur Stimulierung der abgestumpften Wintersensoren.
Fertig ist der Stuhlkreis für die kalten Nächte.

Donnerstag, 28. Januar 2010

Liebe im Treppenhaus


Ich war heute auf Wohnungssuche.

Mittwoch, 27. Januar 2010

Winter von hinten


Hüftgold aus Hermelin

Dienstag, 26. Januar 2010

Montag, 25. Januar 2010

Daisys Comeback


3:30 Uhr
nach vorne raus
4:40 Uhr
nach hinten raus
5:21 Uhr
Bus verpasst
5:22 Uhr
Nordic Walking, no sticks
5:45 Uhr
auf Schnee-Brummi 300 Meter mitgefahren -
King of the Road
11.45 Uhr
Daisy wieder getroffen...
...hat sich 'nen Ast gelacht.

Sonntag, 24. Januar 2010

Samstag, 23. Januar 2010

Es ist prima so, wie es ist


Es ist neun Uhr früh und immer noch stockdunkel, was selbst für Ende Januar ungewöhnlich ist. Okay, nicht völlig dunkel, aber doch dunkelgrau, düster und irgendwie bleiern unbeweglich. Gerade so, als ob es von jetzt bis ans Ende aller Tage so düster bleiben und sich niemals mehr aufhellen wird. Man weiß es wohl besser, aber nützen tut einem das nichts. Weil die konstant zu ertragende Graustufe zweifeln lässt am natürlichen Verstreichen der Zeit.

Was tun an einem solchen bleigrauen Morgen? Zeitunglesen halt. Ein Blick auf die Wetterkarte: Es bleibt grau. Sie nennen es "ruhiges Winterwetter", mit anderen Worten, "vielfach stark bewölkt", "örtlich neblig-trüb", "stellenweise Regen möglich, der zum Teil gefriert". Da vergeht es einem doch gleich wieder, wenn schon um kein Vielfaches, so doch zumindest stellenweise oder zum Teil. "An Rhein und Mosel kann es auch regnen", erfährt man; hingegen "am Niederrhein kann es auch frostfrei sein", was die Frage aufwirft, wie es eigentlich um die Grauwerte in Niedersachsen bestellt ist?

Dort ist es genauso zappenduster wie im Rest der Republik, wenn nicht noch dusterer, jedenfalls auf dem platten Land. So duster wie es nur sein kann, fast ohne elektrischen Strom, außer für das Telefon und eine einzige Glühbirne auf dem gesamten Hof. Den Mann von der Zeitung scheint dieser Notstand mehr gestört zu haben als den Interviewpartner, den niedersächsischen Landwirt Gottfried. Im Gegenteil, der nun zum zweiten Mal von der FAZ besuchte Eigenbrötler kommt mit der winterlichen Dunkelheit gut klar. Mehr noch: Er liebt sie. Er genießt sie.
Ich liebe am Winter besonders die Dunkelheit und auch die Schatten. ... Wenn man Geister treffen will, muss man zu dieser Zeit draußen sein. Geister brauchen das Zwielicht.
Geister?, fragt entgeistert der Interviewer, und der Bauer Gottfried erklärt:
Wenn es dämmert, werden die Umrisse fließend, es verwischt sich. Neulich war im Dunkeln ganz dichter Nebel..., und da wurden die Disteln zu mächtigen Gestalten, die mir einen Schauer durch den ganzen Körper gejagt haben. Auf einmal steht so eine mannshohe Figur schemenhaft vor mir. Wenn ich dran denke, kriege ich jetzt noch eine Gänsehaut.
Du kannst wirklich nur Gespenster sehen, wenn du in der Dunkelheit bist. Das kannst du nennen oder rationalisieren, wie du willst. Wenn es dunkel ist, dann gibt es Geister.
Mit mir passierte etwas ganz Komisches, als ich das las. Plötzlich war mir so, als dränge aus dem stockdunklen Niedersächsischen ein merkwürdig stimmungsaufhellender Lichtstrahl in meine graue Großstadthütte, und meine graue Großhirnrinde konnte nicht anders, als über mein graues Großstadtgesicht ein Lächeln spazieren zu lassen. Und jedes Mal, wenn ich an Gottfrieds Liebe zur Dunkelheit denke, muss ich aufs neue lächeln, unwillkürlich - egal wie grau der Blick aus dem Fenster ist. Und nein, die Dunkelheit liebe ich nach wie vor nicht; aber ich liebe es, wie Gottfried die Dunkelheit liebt und wie er darüber spricht.

Am liebenswertesten finde ich Gottfrieds Antwort auf die letzte Frage des Interviewers:
Freuen Sie sich auf den Frühling?

Nein. Es ist prima so, wie es ist.

Freitag, 22. Januar 2010

Nachfahren


Abschleppunternehmen

Donnerstag, 21. Januar 2010

Bombenstimmung


Ach du lieber Gott. Es fing alles heute früh an, beim Radiohören, Fünf-Uhr-Nachrichten: Auf dem Münchener Flughafen hatte gestern ein Gepäckstück Sprengstoffalarm ausgelöst, der Besitzer sei "unerkannt" mit dem brisanten Objekt (einem Laptop) "entkommen", weswegen eine "Großfahndung" eingeleitet sei. Eine Großfahndung. Die naheliegende Ergänzung ...nach dem Täter wurde zwar nicht ausgesprochen, schwang aber unheilverkündend mit.

Ist ja ein Ding, dachte ich beim Hören, so weit mir das Denken um diese frühe Uhrzeit überhaupt gelingt: Was hat der Täter denn getan, dass man ihn jagen muss? Gut, er ist "entkommen"; das klingt nach Kriminal und erzeugt Assoziationen wie untergetauchter Bankräuber oder gar Fahrerflucht, zumindest aber Sprengstoffattentäter. Wie sich jedoch herausstellte, ist jener abgängige Sprengstofftattrappenträger weder vor den Sicherheitskräften ausgebüchst noch hat er auf seiner wilden Flucht Hunderte von Fluggästen auf Rollsteigen umgenietet. Vielmehr hat er einfach in aller Seelenruhe sein Laptop an sich genommen, ist damit unbehelligt zum Gate spaziert und nirgendwo ist nirgendwas passiert - weder flog der Flughafen in die Luft noch fiel ein Flugzeug aus der Luft herunter. Ein ziemlich untätiger Täter. Aber gefahndet wird nach ihm, und zwar "fieberhaft". Das verstehe wer will. Mich überfordert so etwas um fünf Uhr früh.

Mittags rief ein Bekannter an, der auch gerne mal in diesem Blog liest. In seiner Stimme schwang etwas Beunruhigendes, als er mir nahelegte, wenn er ich wäre, würde er, also ich, den gestrigen Post wieder löschen. Oder zumindest entschärfen. Da ich nicht er bin, verstand ich zunächst Bahnhof, während er mir etwas erzählte von "könnte von irgendjemandem missverstanden werden...", "du weißt ja, Großalarm in München...", "...von wegen Sprengstoff im Handgepäck". Jetzt verstand ich zumindest Flughafen.

Und stimmt, gestern hatte ich am Rande darüber sinniert, wie sich eine selbstgestrickte Bombe auf dem selbstgestrickten Schonbezug eines Stücks Handgepäck machen würde. Na und? Macht mich das zum Täter? "Wie gut, dass du wenigstens nur von Handgepäck geschrieben hast", fuhr mein Bekannter fort, "stell dir vor, du hättest stattdessen ein Laptop in dein Bombentäschchen gesteckt - was dann los wäre!"


Vermutlich Fahndungsstufe eins.

Mittwoch, 20. Januar 2010

Strickmuster


Selten gab es einen so anheimelnden Aufruf zum zivilen Ungehorsam.

Bestrickend und auf Passanten magnetisch wirkend.

Überhaupt scheint das Stricken als revolutionäre Kernkompetenz schwer angesagt zu sein. Die Website MicroRevolt (mit Blog) beschäftigt sich mit Handarbeiten zum Zwecke des Umsturzes und ruft quasi zur Revolution mithilfe von Strick-, Stick- und Häkelnadeln auf. Ohne Witz. Obwohl die Seite streckenweise sehr witzig ist. Selbstbewusst nennen die Macher sich 'your source for knitting and activism and new media technology'. Die Multidimensionalität des Ansatzes hat mich sofort überzeugt; morgen gehe ich Stricknadeln kaufen.

Mit dem Aktivismus meinen es die MicroRevolutionäre durchaus ernst: Wer wissen will, wie man eine Bombe selber strickt, ist bei ihnen richtig. Eine tickende Bombe, wohlgemerkt. Mit handgestickter Zündschnur. Sieht bombig aus. Könnte man einen kuscheligen Schonbezug fürs Handgepäck im Flugzeug draus stricken. Wenn sie einen damit überhaupt in den Flieger reinlassen.

Es kommt aber noch besser. Die umstürzlerische Tradition des Strickens ist aus der Französischen Revolution bestens bekannt und überliefert. Mit dem Aktivismus der damaligen Tricoteuses war nicht zu spassen.
Einen besonders markanten Eindruck hinterließ der Auftritt der Tricoteuses am Fuß der Guillotine. Der Scharfrichter von Paris, Charles Henri Sanson, beschrieb dies in seinen Lebenserinnerungen:
"Zur Richtstätte kamen immer die gleichen Zuschauer, im wesentlichen radikale Sansculottes...: Handwerker, kleine Gewerbetreibende, kurz, Leute aus dem Volk, die sich durch eine drastische Sprache und unkompliziertes Benehmen auszeichneten - das revolutionäre 'Du' wurde hier früh zur allgemein gebräuchlichen Anrede. Die Frauen aus diesem Milieu waren die berüchtigten Tricoteuses, die mit ihrem Strickzeug auf Bänken an der Guillotine saßen und Witze rissen, während sie auf die Verurteilten warteten; bei passender Gelegenheit vergriffen sie sich auch an Passanten, wenn diese nur aristokratisch aussahen."
Die Stricknadeln besorge ich mir morgen. Und viel, viel Wolle. Wie die Verhältnisse aussehen, werde ich die Guillotine auch selber stricken müssen.

Dienstag, 19. Januar 2010

Shit happens


Den Ausruf Scheiße hört man dieser Tage signifikant häufiger als gewöhnlich. Nicht dass dieser Ausdruck sonst selten gebraucht würde, im Gegenteil. Aber zur Zeit scheint fast jedes zweite öffentlich geäußerte Wort eben jenes zu sein. Kommt mir so vor. Und ich muss zugeben, dass ich selbst nicht unmaßgeblich zu dieser sprachinflationären Verschmutzung das öffentlichen Raumes beigetragen habe; allein heute zwischen fünf und zehn Mal. Und das in voller Rufstärke, so laut es eben unplugged geht.

Verschmutzung des öffentlichen Raumes, das war das Stichwort. Nun war mir neulich so, als hätte ich das Thema Dogshit hinreichend ausgeschöpft - jedoch, die Materie schmiert sich mit jedem Tag nachhaltiger ins Bewusstsein und an die Schuhsohlen. Je weniger Schnee, desto verschissener die Gehwege. Was der Schnee gnädig verhüllt und in aller Frische konserviert hatte, tritt jetzt in eklig verändertem Aggregatzustand an die Oberfläche: Der Begriff Haufen wäre völlig unangebracht.

Dem Unheil ist auf Dauer, also auf langen Fußmärschen, kaum zu entkommen. Weil es so leicht zu verwechseln ist mit all den verdreckten, verpappten, halbzerschmolzenen und wieder angefrorenen Schneesplittstreusalz-Ansammlungen. Stieren Blickes, die Augen stets prüfend zu Boden gerichtet, gehe ich meiner Wege; weiche aus, verlangsame, vergrößere oder verkleinere meine Schritte, hüpfe drüber, bleibe abrupt stehen - nützt alles nichts, irgendwann lande ich doch mittendrin.

Es ist jedes Mal ein Gefühl zum Davonlaufen. Alles andere tritt augenblicklich in den Hintergrund, man denkt nur noch: Jetzt stehst du schon wieder in der Scheiße. Gut, in selbiger zu sitzen wäre womöglich noch ungustiöser. Aber am schlimmsten ist der Moment des Hineintretens und des Wahrnehmens, dass man jetzt gerade hineintritt und dieser Schritt niemals wird rückgängig zu machen sein. Objektivität in ihrer grausamsten Form.

Keine gute Idee ist es übrigens, sofort nach dem Fehltritt in einer jener allgegenwärtigen Schneebrachen herumzutrampeln, um so die Schuhsohlen wieder sauber zu kriegen. Zu hoch stehen die Chancen, dass man den Schnee mit etwas anderem verwechselt. Es lässt sich alles Beschissene mit etwas noch Beschissenerem toppen. Ich spreche aus Erfahrung.

So nehmen die Malheurs ihren Lauf und erzeugen das Bedürfnis nach Spontanentladung mittels authentischem Kraftausdruck, ohne welche die ganze Sauerei nicht zu ertragen wäre. Heute nachmittag brüllte auf dem Gehweg plötzlich dicht hinter mir eine tiefe Männerstimme: "So eine Scheiiiße!". Erst erschrak ich fürchterlich, drehte mich um und sah, was los war: der übliche point of no return. Meine Mitgefühl war so grenzenlos wie wortgewaltig und passte sich weitgehend dem Sprachgebrauch des Pechvogels an, was dieser mit einer gewissen galgenhumorigen Dankbarkeit quittierte. Irgendwie werden die Menschen durch das Unheil zusammengeschweißt. Mit w.

Montag, 18. Januar 2010

Schneeschmelze


Die Sonne scheint.

Das Herz erwärmt sich

die Taube auch

dem Schneemann reicht's.

Es stürzt herab das Eis.

Man war gewarnt.

Schnell schmilzt der Schnee
und mit ihm jene letzten Hemmungen,
stetig zu verfeinern
Doch der Schnee schmilzt hemmungsloser

und bringt es an den Tag.

Sonntag, 17. Januar 2010

Zugtiere


Karawane bei Tauwetter

Wenn nicht alles täuscht, spiegelt sich ein meteorologischer Lichtblick.
Könnte sich aber auch um eine Fata Morgana gehandelt haben.

Samstag, 16. Januar 2010

Rasen


Übern Schnee rasen
erlaubt

Freitag, 15. Januar 2010

Eingeschränkter Winterdienst


Liebe Mitbürger, Sie haben sich vielleicht schon gewundert, warum der viele Schnee immer noch auf der Straße herumliegt (von den Rad- und Gehwegen wollen wir gar nicht erst reden). Wo wir von der Stadtreinigung doch all unsere verfügbaren Schneeräumfahrzeuge Tag und Nacht im Einsatz hatten. Und gestreut haben wir auch wie die Weltmeister, jedenfalls solange wir noch etwas zum Streuen hatten.

Aber sehen Sie, irgendwann kommt der Punkt, da hat man keine Lust mehr. Weil, wo sollen wir denn hin mit dem vielen Schnee? In einer Tour den blöden Schnee von hier nach dort zu schaufeln, kommt einem ja auch irgendwann sinnlos vor. Also, wir lassen jetzt einfach mal alles stehen und liegen.

Nun maulen Sie nicht herum. Lassen Sie sich halt was einfallen. Bauen Sie einen schönen dicken Schneemann, dann ist schon mal die Hälfte vom Schnee weg. Und den Rest erledigt dann der Schneemann für Sie. Sehen Sie, geht doch.

Donnerstag, 14. Januar 2010

Schraffuren im Schnee


"... und stehen zudem verkehrswidrig auf einer schraffierten Fläche!"
Der war gut.

Der auch.

Mittwoch, 13. Januar 2010

Dogshit


Hey, wir leben jetzt in der sogenannten närrischen Jahreszeit, da kann man sich schon mal einen Kracher erlauben. Gern auf Kosten anderer, die so blöd waren, in jene Falle zu tappen, die man ihnen eigens aufgestellt hat.

Das ist etwa so, wie wenn ich mit meinem Hund Gassi gehe, und weil es ein gut dressierter Hund ist, befehle ich ihm, sich mitten auf dem Gehweg zu entleeren; nach erfolgter Verkotung des meistgenutzten Mittelstücks erbaue ich mich lauthals und schenkelklopfend an jenen grenzblöden Zeitgenossen, welche in jeden, aber auch wirklich jeden Hundehaufen reinrennen müssen und denen einfach nicht zu helfen ist.

Gut, ich habe keinen Hund, und hätte ich einen, würde ich ihn nicht auf dem Gehweg seine Notdurft verrichten lassen, und täte der Hund es trotzdem, wäre mir das peinlich, und würden die Leute in den Haufen treten, wäre es mir noch peinlicher und ich verspürte das dringende Bedürfnis, mich zu entschuldigen. Keinesfalls käme ich auf die Idee zu behaupten, nun ja, die Leute fühlten sich nun mal magisch angezogen von frischem Hundekot in der Gehwegmitte, und weil die Leute so schräg drauf seien, müsse ich beziehungsweise mein Hund dieses archaische Menschheitsbedürfnis eben befriedigen und für die entsprechenden Hinterlassenschaften sorgen.

Genug dogshit. Funktioniert auch ohne Hund, hat die Süddeutsche Zeitung bewiesen. Man nehme ein anständiges Unwetterszenario (Hundehaufen) namens Daisy, haue es den Lesern tagelang auf höchster Alarmstufe (Gehwegmitte) um die Ohren und serviere zur Entwarnung - leider hat das dumme Ding Daisy nicht mitgespielt - ein paar tiefsinnige Gedanken zum angeblich urmenschlichen Bedürfnis nach Angst (Hundekot als Faszinosum).
...gibt es das Bedürfnis nach Angst und die Faszination an der potentiellen Katastrophe - im Bedürfnis nach einer Nachricht, die einem durch Mark und Bein fährt, nach dem Schock der Meldung.
Ein Fall für die Presse (Hundebesitzer), denn das Bedürfnis nach Schocks
...gehöre mittlerweile so sehr zu den westlichen Gesellschaften, dass sie - wie bei Drogenabhängigen - in Injektionen verabreicht würden, wohl abgemessen und, weil die Wirkung mit zunehmendem Gebrauch abnimmt, in sich steigernden Dosen.
Fertig ist der dampfende öffentliche Haufen (dampfender öffentlicher Haufen). Wie gesagt, mir wäre so etwas peinlich. Und die SZ? Die sollte bis zum Ende des nun herrschenden Dauerhochs Bob mit Schneeschippen bestraft werden. Damit sie auf keine dummen Gedanken kommt und dem armen Bob irgendwas Katastrophales anhängt. Bob ist nämlich einfach nur kalt und sonst gar nix. So kalt, dass es einem den Hintern wegfrieren möge beim Schneeschippen. Wär' doch 'ne prima Schlagzeile.

Dienstag, 12. Januar 2010

Weg damit


Gut verweht ist halb entsorgt.

Der Rest wird zwischengeparkt.

Oder irgendwie halt.

Montag, 11. Januar 2010

Zähneknirschen


Das Wintertief Daisy verzieht sich nach Norden. Wird behauptet. Kann aber gar nicht sein, denn erstens bleibt es kalt, zweitens schneit es weiter und drittens bin ich Daisy heute im Park begegnet. Leibhaftig, meine ich. Bitte, hier:


Ich sprach Daisy an: "Du, die sagen, du seist im Abmarsch begriffen, stimmt das?"
"Unsinn", knirschte das mächtige Wintertief zurück, "siehst du nicht, wie stabil ich hier sitze?"
"Doch", gab ich respektvoll zu, "aber die meinen, du hättest an Kraft verloren...",
"Dummes Zeug", unterbrach mich Daisy schnaubend, "ich sitze hier und sammle Kraft."
"...und seist jetzt zahnlos geworden", ergänzte ich eingeschüchtert.

Das fand Daisy ausgesprochen komisch. Sie kriegte sich gar nicht mehr ein vor Lachen.

Sonntag, 10. Januar 2010

Schneehasen


Stell' dir vor, eine Horde Jugendlicher wirft sich wie auf Kommando mit einem lauten Schrei in den Schnee, breitbeinig und kopfüber. Bleibt drei, vier Sekunden regungslos liegen. Dann rappeln sich alle mit einer Rolle rückwärts wieder hoch, begutachten johlend ihre Körperabdrücke und rennen brüllend und bester Laune davon.

Und du stehst da und denkst: nanu. War das jetzt ein Flashmob oder was? Weil - man weiß nicht recht, worum es geht, aber Spass gemacht hat es auf jeden Fall. So rein victorymäßig gesehen, sag' ich mal hypothetisch.

Samstag, 9. Januar 2010

Schneebesen


Bürgersteige waren gestern. Seit heute nennen die Dinger sich Schneebänke und sind erstens unsichtbar und zweitens unpassierbar.

Hit the road, Jack. Nimm die Straße. Autos fahren eh keine mehr. Schneeräumfahrzeuge auch nicht. Unser Stadtteil bleibt sich selbst überlassen und stapft zu Fuß durch Reifenspuren.

Aber es besteht Hoffnung.

Freitag, 8. Januar 2010

Tiefkühlkost


Immer tiefer gräbt sich der Dauerfrost ins menschliche Leben hinein. Er macht vor nichts halt. Erbarmungslos erobert die Winterstarre sogar jene Bereiche, die bis vor kurzem noch als Inbegriff alles Lebendigen, Keimenden galten. Zum Beispiel die Tonne mit dem Biomüll.

Tiefgefrorener Biomüll. Oder sagt man schockgefrostet? Als Tiefkühlware sieht Biomüll wesentlich hübscher und frischer aus als bei +4 Grad Celsius. Still und starr ruht der Kompost.

Die Menschen werden auch immer stiller. Ich zum Beispiel. Die Winterstarre macht mich einsilbig. Ich rede nur das Nötigste. Nicht nur ich, Frau Übermop schweigt auch schon den ganzen Morgen. Statt wie sonst beim Kaffeetrinken uns zu unterhalten, schauen wir stumm zum Fenster hinaus in die grauweiße Kälte; mehr grau als weiß, um kurz vor acht in der Frühe. Wie ausgestorben. Ab und zu schleicht ein Auto vorbei, fast tonlos.
Schließlich unterbricht Frau Übermop die Stille und fragt: "Was ist denn mit dir los?"
Mrs. Mop, nach einer Pause: "Nix, wieso?"
Nach einer längeren Pause Frau Übermop: "Weil du gar nix redest."
Mrs. Mop schweigt, weil ihr nichts einfällt. Frau Übermop schweigt ebenfalls. Eine ganze Weile lang.
Dann sagt Frau Übermop halblaut, mehr zu sich selbst als an Mrs. Mop gerichtet: "Stimmt - ich red' ja auch nix. Fällt mir jetzt erst auf."
Wir schweigen heiter weiter.

Draußen fährt die Müllabfuhr vor. Mit schneegedämpfter Akustik. Statt des üblichen Getöses ist nur ein schwaches rhythmisches Brummen zu hören, dann und wann ein sanftes Plopp. Wir genießen schweigend den ungewöhnlichen Soundtrack. Die Türklingel zerreißt die meditative Ruhe. Ein Mann von der Müllabfuhr steht auf der Treppe. Auch er kein Freund großer Worte: "Biomüll bleibt." Bleibt wo? In der Tonne. Und die Tonne? Bleibt im Hof. Und der Biomüll? Festgefroren. Rührt sich nicht von der Stelle. "Tja", hebt der Müllmann bedauernd die Schultern, "geht nix raus. Zu kalt."
Festgefroren in der Tonne
steht der Müll, zu Eis erstarrt.
Hat Daisy wenigstens was zu futtern.

Donnerstag, 7. Januar 2010

Ach Daisy



Es ist ja nicht nur die Kälte. Auch nicht der viele Schnee. Und dass es morgen noch mehr schneien wird. Und übermorgen noch mehr. Und überübermorgen noch mehrmehr. Ach Daisy.
Warum hast du einen so niedlichen rosarot klingenden Namen und bist doch so grauweiß, bleischwer, starr vor Frost? Irgendwie hast du alles Lebendige unter deinem Starrsinn begraben. Überall herrscht Bewegungslosigkeit.
Mühsam schleppe ich mich durch die kurzen Tage und die endlos langen, lähmend kalten Nächte. Mein System fährt vegetativ auf Sparflamme und sendet deutliche Signale, dass es noch viel lieber im Standbymodus verharren würde, um sich einer glücklichen, traumlosen Winterstarre hinzugeben.

Weil alles so grauweiß und still und starr ist, macht sich dieses irrlichternde Gefühl breit: Das bleibt jetzt alles so, das hört nie mehr auf. Und schon werden die Schritte langsamer, die Beine schwerer, der Atem flacher, der Kopf träger.

Still und starr ruh'n die Seen.

Und jetzt, kurz vor Mitternacht, hängen dichte schwere grauweiße Wolken über den Dächern. Daisy rules.